Herzinsuffizienzmarker: BNP, NT-proBNP & mehr
Herzinsuffizienzmarker sind Laborwerte im Blut, die bei Herzschwäche erhöht sind. Sie helfen Ärzten, eine Herzinsuffizienz zu diagnostizieren und den Verlauf zu überwachen.
Wissenswertes über "Herzinsuffizienzmarker"
Herzinsuffizienzmarker sind Laborwerte im Blut, die bei Herzschwäche erhöht sind. Sie helfen Ärzten, eine Herzinsuffizienz zu diagnostizieren und den Verlauf zu überwachen.
Was sind Herzinsuffizienzmarker?
Herzinsuffizienzmarker sind biologische Messgrößen – meist Proteine im Blut – die auf eine Belastung oder Schädigung des Herzens hinweisen. Sie werden freigesetzt, wenn das Herz unter erhöhtem Druck oder Stress steht, wie es bei einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) der Fall ist. Die Bestimmung dieser Marker im Blut ist ein wichtiger Bestandteil der kardiologischen Diagnostik.
Die wichtigsten Herzinsuffizienzmarker
BNP (B-Typ natriuretisches Peptid)
BNP (Brain Natriuretic Peptide) wird hauptsächlich in den Herzmuskelzellen der Herzkammern gebildet und ins Blut abgegeben, wenn die Herzwand durch Drucküberladung gedehnt wird. Erhöhte BNP-Werte sind ein starker Hinweis auf eine bestehende Herzinsuffizienz. Der Normalwert liegt in der Regel unter 100 pg/ml; Werte über 400 pg/ml sprechen stark für eine Herzinsuffizienz.
NT-proBNP (N-terminales pro-BNP)
NT-proBNP ist ein inaktives Spaltprodukt, das bei der Freisetzung von BNP entsteht. Es hat eine längere Halbwertszeit im Blut und ist daher besonders gut messbar. NT-proBNP gilt heute als einer der empfindlichsten und zuverlässigsten Marker für die Herzinsuffizienz. Die Grenzwerte variieren je nach Alter: Bei Personen unter 75 Jahren gilt ein Wert über 125 pg/ml als auffällig, bei älteren Patienten über 450 pg/ml.
MR-proANP
MR-proANP (Mid-regional pro-atrial natriuretic peptide) ist ein weiterer natriuretischer Peptidmarker, der bei Vorhofdehnung freigesetzt wird. Er wird alternativ zu BNP und NT-proBNP eingesetzt und zeigt vergleichbare diagnostische Aussagekraft.
Troponin
Obwohl Troponin (Troponin T und Troponin I) klassischerweise als Marker für den Herzinfarkt bekannt ist, kann es auch bei chronischer Herzinsuffizienz erhöht sein. Ein erhöhtes Troponin bei Herzinsuffizienz weist auf eine fortlaufende Schädigung der Herzmuskelzellen hin und ist mit einer schlechteren Prognose verbunden.
Galektin-3 und ST2
Galektin-3 und das lösliche ST2-Protein (sST2) sind neuere Biomarker, die Fibrosierungsprozesse (Narbenbildung) im Herzmuskel anzeigen. Sie liefern zusätzliche prognostische Informationen und können helfen, das Risiko für Krankenhauseinweisungen und Sterblichkeit bei Herzinsuffizienzpatienten einzuschätzen.
Wann werden Herzinsuffizienzmarker bestimmt?
Herzinsuffizienzmarker werden in folgenden Situationen eingesetzt:
- Bei Verdacht auf eine neu aufgetretene Herzinsuffizienz (z.B. bei Atemnot oder Wassereinlagerungen)
- Zur Unterscheidung einer kardialen von einer nicht-kardialen Ursache der Atemnot
- Zur Verlaufskontrolle bei bekannter Herzinsuffizienz
- Zur Beurteilung des Therapieerfolgs nach Einleitung einer Behandlung
- Zur Risikoabschätzung und Prognosebeurteilung
Einflussfaktoren auf die Messwerte
Verschiedene Faktoren können die Konzentration von Herzinsuffizienzmarkern im Blut beeinflussen:
- Niereninsuffizienz: Eingeschränkte Nierenfunktion führt zu erhöhten NT-proBNP-Werten, da der Marker über die Niere ausgeschieden wird.
- Alter: Ältere Menschen haben natürlicherweise höhere BNP- und NT-proBNP-Spiegel.
- Geschlecht: Frauen haben tendenziell höhere Werte als Männer.
- Adipositas: Übergewicht kann zu falsch niedrigen BNP-Werten führen.
- Medikamente: Bestimmte Herzmedikamente (z.B. Sacubitril/Valsartan) erhöhen die BNP-Werte, während NT-proBNP unbeeinflusst bleibt.
Bedeutung für Diagnose und Therapie
Herzinsuffizienzmarker spielen in den aktuellen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) eine zentrale Rolle. Ein normaler BNP- oder NT-proBNP-Wert macht eine Herzinsuffizienz als Ursache von Beschwerden wie Atemnot sehr unwahrscheinlich. Umgekehrt bestätigen deutlich erhöhte Werte den Verdacht und leiten weiterführende diagnostische Schritte (z.B. Echokardiographie) ein. Im Verlauf einer Behandlung kann das Sinken der Markerwerte auf ein gutes Ansprechen auf die Therapie hinweisen.
Quellen
- McDonagh T.A. et al. - 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. European Heart Journal, 2021.
- Yancy C.W. et al. - 2017 ACC/AHA/HFSA Focused Update of the 2013 ACCF/AHA Guideline for the Management of Heart Failure. Journal of the American College of Cardiology, 2017.
- World Health Organization (WHO) - Cardiovascular diseases: Diagnosis and management guidelines. WHO, Geneva, 2022.
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