Antiphospholipidsyndrom – Ursachen, Symptome & Therapie
Das Antiphospholipidsyndrom (APS) ist eine Autoimmunerkrankung, die Blutgerinnsel und Schwangerschaftskomplikationen verursachen kann. Bestimmte Antikörper greifen Körpereigenes an.
Wissenswertes über "Antiphospholipidsyndrom"
Das Antiphospholipidsyndrom (APS) ist eine Autoimmunerkrankung, die Blutgerinnsel und Schwangerschaftskomplikationen verursachen kann. Bestimmte Antikörper greifen Körpereigenes an.
Was ist das Antiphospholipidsyndrom?
Das Antiphospholipidsyndrom (kurz: APS) ist eine erworbene Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise Antikörper gegen bestimmte Bluteiweiße und Fette (sogenannte Phospholipide) bildet. Diese Antikörper erhöhen das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln in Arterien und Venen sowie für Komplikationen in der Schwangerschaft, wie Fehlgeburten oder Schwangerschaftsvergiftungen. Das APS kann als eigenständige Erkrankung (primäres APS) oder in Verbindung mit anderen Autoimmunerkrankungen – insbesondere dem systemischen Lupus erythematodes (SLE) – auftreten (sekundäres APS).
Ursachen
Die genaue Ursache des Antiphospholipidsyndroms ist noch nicht vollständig geklärt. Es handelt sich um eine fehlgeleitete Immunreaktion, bei der der Körper Antikörper gegen eigene Phospholipid-bindende Proteine produziert. Zu den wichtigsten Antikörpern gehören:
- Lupus-Antikoagulans
- Anticardiolipin-Antikörper (aCL)
- Anti-Beta-2-Glykoprotein-I-Antikörper (ß2GPI)
Mögliche Risikofaktoren und auslösende Faktoren umfassen:
- Genetische Veranlagung
- Andere Autoimmunerkrankungen (z. B. SLE, rheumatoide Arthritis)
- Bestimmte Infektionskrankheiten (z. B. HIV, Hepatitis C, Lyme-Borreliose)
- Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Hydralazin, Phenytoin)
Symptome
Die Symptome des APS entstehen hauptsächlich durch die erhöhte Neigung zur Blutgerinnung. Typische Beschwerden sind:
- Thrombosen: Blutgerinnsel in den tiefen Beinvenen (Phlebothrombose) oder in Arterien
- Lungenembolie: Verschluss eines Lungengefäßes durch ein Blutgerinnsel
- Schlaganfall oder transitorische ischämische Attacken (TIA)
- Herzinfarkt bei jüngeren Patientinnen und Patienten ohne klassische Risikofaktoren
- Schwangerschaftskomplikationen: Wiederholte Fehlgeburten, Totgeburten, Frühgeburt, Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung)
- Livedo reticularis: Netzartige, blau-violette Verfärbung der Haut
- Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen)
In schweren Fällen kann ein sogenanntes katastrophales APS (CAPS) auftreten, bei dem innerhalb kurzer Zeit multiple Organe durch Mikrothrombosen geschädigt werden.
Diagnose
Die Diagnose des Antiphospholipidsyndroms basiert auf klinischen Kriterien und Laborbefunden. Gemäß den international anerkannten Sapporo-Kriterien (aktualisiert 2006) müssen sowohl ein klinisches als auch ein Laborkriterium erfüllt sein:
Klinische Kriterien
- Mindestens ein Thromboseereignis in Arterie, Vene oder kleinen Gefäßen
- Mindestens drei aufeinanderfolgende Spontanaborte vor der 10. Schwangerschaftswoche, ein oder mehr Fehlgeburten nach der 10. Woche oder eine oder mehr Frühgeburten vor der 34. Woche aufgrund von Präeklampsie oder Plazentainsuffizienz
Laborkriterien
- Nachweis von Lupus-Antikoagulans, Anticardiolipin-Antikörpern oder Anti-ß2GPI-Antikörpern in mittlerer bis hoher Konzentration
- Der Befund muss bei zwei Messungen im Abstand von mindestens 12 Wochen positiv sein
Zusätzliche Untersuchungen wie Blutbild, Gerinnungstests sowie bildgebende Verfahren (z. B. Ultraschall, MRT) können zur Abklärung von Komplikationen eingesetzt werden.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist die Vorbeugung weiterer Thrombosen und die Behandlung bestehender Komplikationen. Die Therapie richtet sich nach dem individuellen Risikoprofil der Patientinnen und Patienten.
Antikoagulation (Blutverdünnung)
- Heparin und Vitamin-K-Antagonisten (z. B. Phenprocoumon, Warfarin) sind die Standardtherapie bei nachgewiesenen Thrombosen
- Die Intensität der Blutverdünnung (Ziel-INR-Wert) richtet sich nach der Art der Thrombose
- Direkte orale Antikoagulanzien (DOAKs) können in bestimmten Fällen eingesetzt werden, werden jedoch bei hochrisiko-APS nicht als erste Wahl empfohlen
Behandlung bei Schwangerschaft
- Kombination aus niedermolekularem Heparin und niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS) zur Vorbeugung von Schwangerschaftsverlusten
- Engmaschige überwachung durch Fachärztinnen und Fachärzte
Behandlung des katastrophalen APS (CAPS)
- Intensivmedizinische Behandlung
- Hochdosis-Antikoagulation, Kortikosteroide, intravenöse Immunglobuline und Plasmapherese
Allgemeine Maßnahmen
- Vermeidung weiterer Risikofaktoren (Rauchen, Östrogen-haltige Kontrazeptiva, Bewegungsmangel)
- Regelmäßige Verlaufskontrollen beim Facharzt oder der Fachärztin
Prognose
Mit einer konsequenten Behandlung und regelmäßigen Kontrollen können viele Patientinnen und Patienten mit APS ein weitgehend normales Leben führen. Das Rezidivrisiko (Wiederholungsrisiko für Thrombosen) ist jedoch erhöht, weshalb eine langfristige – oft lebenslange – Therapie erforderlich sein kann. Eine frühzeitige Diagnose und regelmäßige ärztliche Begleitung sind entscheidend für eine gute Prognose.
Quellen
- Miyakis S. et al. – International consensus statement on an update of the classification criteria for definite antiphospholipid syndrome (APS). Journal of Thrombosis and Haemostasis, 2006.
- Devreese K. M. J. et al. – Antiphospholipid antibodies and the antiphospholipid syndrome: Pathogenesis, diagnosis, and treatment. Seminars in Thrombosis and Hemostasis, 2023.
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) – S2k-Leitlinie Antiphospholipidsyndrom, aktuelle Fassung.
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