Mimische Muskulatur – Aufbau und Funktion
Die mimische Muskulatur umfasst die Muskeln des Gesichts, die Gefühle ausdrücken und grundlegende Funktionen wie Sprechen und Kauen ermöglichen.
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Die mimische Muskulatur umfasst die Muskeln des Gesichts, die Gefühle ausdrücken und grundlegende Funktionen wie Sprechen und Kauen ermöglichen.
Was ist die mimische Muskulatur?
Die mimische Muskulatur ist eine Gruppe von Skelettmuskeln, die im Gesicht und am Schädel lokalisiert sind. Im Gegensatz zu anderen Skelettmuskeln setzen diese Muskeln nicht an Knochen, sondern direkt in der Haut oder an der Mundschleimhaut an. Dadurch ermöglichen sie feine Bewegungen der Gesichtshaut, die für den Ausdruck von Emotionen und für grundlegende Körperfunktionen unerlässlich sind. Die mimische Muskulatur wird ausschließlich vom Nervus facialis (VII. Hirnnerv) motorisch innerviert.
Aufbau und Einteilung
Die mimischen Muskeln lassen sich anatomisch nach ihrer Lage im Gesicht in verschiedene Gruppen einteilen:
Muskeln um die Augenspalte
- Musculus orbicularis oculi: Schließt das Augenlid und ermöglicht das Blinzeln sowie das feste Schließen der Augen.
- Musculus corrugator supercilii: Zieht die Augenbrauen zusammen und erzeugt die typische Stirnfalte bei Stirnrunzeln.
- Musculus procerus: Zieht die Haut zwischen den Augenbrauen nach unten und bildet horizontale Falten an der Nasenwurzel.
Muskeln um den Mund
- Musculus orbicularis oris: Der Ringmuskel des Mundes; schließt und spitzt die Lippen, ist essenziell für Sprechen, Pfeifen und Küssen.
- Musculus zygomaticus major: Zieht die Mundwinkel nach oben und lateral - der sogenannte Lachmuskel.
- Musculus zygomaticus minor: Hebt die Oberlippe und vertieft die Nasolabialfalte beim Lächeln.
- Musculus levator labii superioris: Hebt die Oberlippe und erweitert die Nasenflügel.
- Musculus depressor labii inferioris: Zieht die Unterlippe nach unten und lateral.
- Musculus depressor anguli oris: Zieht die Mundwinkel nach unten (Ausdruck von Trauer oder Missbilligung).
- Musculus risorius: Zieht die Mundwinkel seitlich und erzeugt Grübchen beim Lächeln.
- Musculus buccinator: Spannt die Wange, verhindert das Einklemmen der Wangenschleimhaut beim Kauen und ist wichtig für das Saugen.
- Musculus mentalis: Hebt das Kinn und stülpt die Unterlippe vor.
Muskeln der Nase
- Musculus nasalis: Erweitert oder verengt die Nasenflügel (z.B. beim tiefen Einatmen).
Muskeln der Stirn und des Kopfes
- Musculus frontalis (Teil des Musculus occipitofrontalis): Hebt die Augenbrauen und erzeugt horizontale Stirnfalten (Ausdruck von Überraschung oder Aufmerksamkeit).
- Musculus occipitalis: Zieht die Kopfhaut nach hinten.
- Musculus auricularis (anterior, superior, posterior): Kleine Muskeln, die das äußere Ohr bewegen - beim Menschen funktionell weitgehend rudimentär.
- Platysma: Flacher Hautmuskel des Halses, der den Mundwinkel nach unten zieht und die Halshaut spannt.
Funktion der mimischen Muskulatur
Die Hauptfunktionen der mimischen Muskulatur lassen sich in zwei Bereiche unterteilen:
- Emotionaler Ausdruck: Durch das Zusammenspiel verschiedener mimischer Muskeln entstehen die universellen Grundemotionen wie Freude, Trauer, Überraschung, Ekel, Wut und Angst. Diese Fähigkeit ist ein zentrales Element der nonverbalen Kommunikation.
- Funktionelle Aufgaben: Viele mimische Muskeln sind an lebenswichtigen Funktionen beteiligt, darunter das Sprechen, Kauen, Schlucken, Saugen und das Schließen der Augen zum Schutz der Hornhaut.
Klinische Bedeutung
Erkrankungen oder Verletzungen, die den Nervus facialis betreffen, können zu einer Fazialisparese führen - einer halbseitigen oder vollständigen Lähmung der mimischen Muskulatur. Dies äußert sich in einem herabhängenden Mundwinkel, dem Unvermögen, das Auge vollständig zu schließen, und dem Verlust des mimischen Ausdrucks auf der betroffenen Seite. Ursachen können sein:
- Idiopathische Fazialisparese (Bell-Parese): Die häufigste Form, vermutlich durch eine virale Entzündung des Nervus facialis verursacht.
- Herpes zoster oticus (Ramsay-Hunt-Syndrom): Virale Infektion mit Beteiligung des Ganglion geniculi.
- Schlaganfall (zentrale Fazialisparese): Betrifft meist nur die untere Gesichtshälfte, da die Stirn beidseitig kortikale Versorgung erhält.
- Tumore, Entzündungen oder Traumata im Verlauf des Nervus facialis.
Auch in der Ästhetischen Medizin spielt die mimische Muskulatur eine zentrale Rolle: Botulinumtoxin (Botox) wird gezielt eingesetzt, um bestimmte mimische Muskeln vorübergehend zu lähmen und so Falten zu reduzieren. Dabei werden vor allem der Musculus corrugator supercilii, der Musculus frontalis und der Musculus orbicularis oculi behandelt.
Diagnostik
Die Funktion der mimischen Muskulatur wird klinisch durch eine gezielte neurologische Untersuchung beurteilt. Der Arzt fordert den Patienten auf, bestimmte Gesichtsbewegungen auszuführen (z.B. Stirn runzeln, Augen schließen, Lachen, Pfeifen). Ergänzend kommen folgende Verfahren zum Einsatz:
- Elektromyographie (EMG): Messung der elektrischen Aktivität der Muskeln zur Beurteilung von Nerven- und Muskelschäden.
- Bildgebung (MRT/CT): Zum Ausschluss struktureller Ursachen wie Tumoren oder Entzündungen im Bereich des Nervus facialis.
Quellen
- Schiebler, T.H. & Korf, H.W. (2007). Anatomie. Steinkopff Verlag, Darmstadt. 10. Auflage.
- Standring, S. (Hrsg.) (2020). Gray's Anatomy: The Anatomical Basis of Clinical Practice. 42. Auflage. Elsevier.
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) (2023). Leitlinie Fazialisparese. Verfügbar unter: https://www.dgn.org
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