K59.4 Analspasmus – Ursachen, Symptome & Therapie
K59.4 ist der ICD-10-Code für Analspasmus – eine krampfartige Verkrampfung des Schließmuskels am After, die starke Schmerzen verursachen kann.
Wissenswertes über "K59.4"
K59.4 ist der ICD-10-Code für Analspasmus – eine krampfartige Verkrampfung des Schließmuskels am After, die starke Schmerzen verursachen kann.
Was ist K59.4 – Analspasmus?
K59.4 ist der Diagnoseschlüssel nach der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) für den sogenannten Analspasmus (auch: analer Sphinkterspasmus). Hierbei handelt es sich um eine unwillkürliche, krampfartige Kontraktion des inneren oder äußeren Afterschließmuskels (Musculus sphincter ani), die zu teils heftigen Schmerzen in der Analregion führen kann.
Ursachen
Ein Analspasmus kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:
- Analfissuren: Kleine Einrisse in der Analschleimhaut sind eine häufige Ursache für reflektorische Spasmen des Schließmuskels.
- Hämorrhoiden: Vergrößerte Gefäßknoten im Analkanal können Spasmen begünstigen.
- Proktalgia fugax: Eine plötzlich auftretende, kurze Schmerzattacke im Rektum ohne organischen Befund, die mit Spasmen verbunden ist.
- Chronische Verstopfung: Anhaltender Pressdruck beim Stuhlgang kann zu Muskelverspannungen führen.
- Stress und psychische Belastung: Emotionale Anspannung kann sich auf die Beckenbodenmuskulatur übertragen und Spasmen auslösen.
- Entzündliche Darmerkrankungen: Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa können den Analbereich betreffen.
- Nach operativen Eingriffen: Operationen im Analbereich können vorrübergehend Spasmen verursachen.
Symptome
Die typischen Beschwerden bei einem Analspasmus umfassen:
- Plötzlich einsetzende, stechende oder krampfartige Schmerzen im Afterbereich
- Schmerzen, die sekunden- bis minutenlang anhalten und dann spontan abklingen
- Gefühl der Verkrampfung oder des Drucks im Bereich des Damms
- Schmerzen, die sich beim Sitzen oder in Ruhephasen (z. B. nachts) verstärken
- Beschwerden beim Stuhlgang oder unmittelbar danach
Diagnose
Die Diagnose eines Analspasmus (K59.4) erfolgt üblicherweise durch:
- Anamnese: Ausführliche Befragung zu Art, Dauer und Intensität der Schmerzen sowie zu Begleiterkrankungen.
- Proktologische Untersuchung: Inspektion und digitale Austastung des Analkanals zum Ausschluss organischer Ursachen (z. B. Fissuren, Hämorrhoiden, Tumore).
- Proktoskopie / Rektoskopie: Endoskopische Untersuchung zur Beurteilung der Schleimhaut.
- Anorektale Manometrie: Messung des Drucks im Analkanal zur Beurteilung der Sphinkterfunktion.
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und dem Schweregrad der Beschwerden:
Konservative Maßnahmen
- Sitzbäder: Warme Sitzbäder entspannen die Muskulatur und lindern Schmerzen.
- Stuhlregulierung: Ballaststoffreiche Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr zur Vermeidung von Verstopfung.
- Lokalanästhetika und muskelrelaxierende Salben: Topische Präparate mit Nitroglycerin oder Calciumantagonisten (z. B. Diltiazem) können den Sphinkterdruck senken.
- Physiotherapie / Beckenbodentraining: Gezieltes Training zur Entspannung der Beckenbodenmuskulatur.
- Stressmanagement: Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung oder Biofeedback.
Interventionelle und operative Therapie
- Botulinumtoxin-Injektion: Injektion von Botulinumtoxin (Botox) in den Sphinktermuskel zur vorrübergehenden Muskelentspannung, besonders bei chronischen Fällen.
- Operative Behandlung: In seltenen Fällen, wenn konservative Therapien versagen, kann ein chirurgischer Eingriff (z. B. laterale Sphinkterotomie) erwogen werden.
Quellen
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) / BfArM: ICD-10-GM Version 2024, Kapitel XI, K59.4 – Analspasmus.
- Ommer A. et al.: S3-Leitlinie Analabszess und Analfistel. Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie (DGK), 2016.
- Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 268. Auflage, De Gruyter Verlag, Berlin.
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