D63.8 – Anämie bei chronischen Krankheiten
D63.8 bezeichnet die Anämie bei sonstigen chronischen Krankheiten. Dabei handelt es sich um eine Blutarmut, die als Folge einer zugrunde liegenden chronischen Erkrankung auftritt.
Wissenswertes über "D63.8"
D63.8 bezeichnet die Anämie bei sonstigen chronischen Krankheiten. Dabei handelt es sich um eine Blutarmut, die als Folge einer zugrunde liegenden chronischen Erkrankung auftritt.
Was ist D63.8?
Der ICD-10-Code D63.8 steht für Anämie bei sonstigen chronischen Krankheiten, die an anderer Stelle klassifiziert sind. Es handelt sich dabei um eine Form der Blutarmut (Anämie), die nicht primär durch einen Eisenmangel oder eine Blutungsquelle verursacht wird, sondern als direkte Folge einer länger bestehenden chronischen Grunderkrankung entsteht. Diese Art der Anämie wird auch als Anämie der chronischen Erkrankung (ACD, Anemia of Chronic Disease) oder Anämie der Inflammation bezeichnet.
Ursachen
D63.8 tritt bei einer Vielzahl chronischer Erkrankungen auf, die nicht explizit unter anderen ICD-Codes für Anämie bei chronischen Krankheiten erfasst sind. Typische Grunderkrankungen umfassen:
- Chronische Infektionskrankheiten (z. B. Tuberkulose, chronische Harnwegsinfekte)
- Chronisch-entzündliche Erkrankungen (z. B. rheumatoide Arthritis, systemischer Lupus erythematodes)
- Bösartige Tumorerkrankungen (Krebserkrankungen, sofern nicht anderweitig kodiert)
- Chronische Leber- und Nierenerkrankungen (wenn nicht gesondert kodiert)
- Endokrine Erkrankungen wie Hypothyreose oder Diabetes mellitus
Die Anämie entsteht dabei durch ein komplexes Zusammenspiel aus gestörter Eisenverwertung, verkürzter Lebensdauer der roten Blutkörperchen und verminderter Bildung von Erythropoetin (ein Hormon, das die Blutbildung anregt).
Pathophysiologie (Krankheitsmechanismus)
Bei chronischen Entzündungen und Erkrankungen schüttet der Körper vermehrt entzündungsfördernde Botenstoffe (Zytokine) wie Interleukin-6 (IL-6) aus. Diese führen zu einer erhöhten Produktion von Hepcidin, einem Protein der Leber, das den Eisenstoffwechsel reguliert. Ein erhöhter Hepcidin-Spiegel blockiert die Freisetzung von Eisen aus den Speichern und hemmt die Aufnahme von Eisen im Darm. Dadurch steht dem Knochenmark weniger Eisen für die Bildung neuer roter Blutkörperchen zur Verfügung, obwohl die Eisenspeicher des Körpers insgesamt normal oder sogar erhöht sein können.
Symptome
Die Symptome der Anämie bei chronischen Erkrankungen sind häufig unspezifisch und überlagern sich mit den Beschwerden der Grunderkrankung. Häufige Symptome sind:
- Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue)
- Blässe der Haut und Schleimhäute
- Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung
- Schwindel und Konzentrationsschwierigkeiten
- Erhöhter Herzschlag (Tachykardie)
- Allgemeines Leistungsabfall
Diagnose
Die Diagnose einer Anämie bei chronischer Erkrankung (D63.8) erfolgt in mehreren Schritten:
- Blutbild (kleines und großes Blutbild): Nachweis eines erniedrigten Hämoglobinwertes (Hb), typischerweise normozytär oder leicht mikrozytär.
- Eisenstoffwechselparameter: Erniedriges Serumeisen, erniedrigte Transferrinsättigung, normales oder erhöhtes Ferritin (Eisenspeicherprotein).
- Entzündungsmarker: Erhöhtes CRP (C-reaktives Protein) und BSG (Blutsenkungs-geschwindigkeit).
- Retikulozytenzählung: Meist normal oder erniedrigt, was eine ungenügende Knochenmarksreaktion anzeigt.
- Ausschluss anderer Anämieursachen: Vitamin-B12- und Folsauremängel, Blutungsquellen sowie hämologische Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden.
Behandlung
Die wichtigste Maßnahme bei D63.8 ist die Behandlung der Grunderkrankung. Bessert sich die chronische Erkrankung, verbessert sich in vielen Fällen auch die Anämie. Zusätzliche Therapiemöglichkeiten umfassen:
- Eisensubstitution: Nur sinnvoll bei nachgewiesenem zusätzlichem Eisenmangel; kann oral oder intra-venös (per Infusion) erfolgen.
- Erythropoetin-stimulierende Substanzen (ESA): In bestimmten Fällen, z. B. bei chronischer Nierenerkrankung oder tumorassoziierter Anämie, können Erythropoetin-Präparate eingesetzt werden.
- Bluttransfusionen: Bei schwerer, symptomatischer Anämie als kurzfristige Maßnahme.
- Ernährungsoptimierung: Ausreichende Zufuhr von Eisen, Vitamin B12 und Folsäure über die Nahrung.
Quellen
- Weiss G, Goodnough LT. Anemia of Chronic Disease. New England Journal of Medicine. 2005;352(10):1011-1023.
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI). ICD-10-GM Version 2024: Kapitel III - Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe. DIMDI, Köln, 2024.
- Kasper DL et al. Harrison's Principles of Internal Medicine. 21. Auflage. McGraw-Hill Education, 2022.
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