Massa lateralis Fraktur – Ursachen, Symptome & Therapie
Die Massa lateralis Fraktur ist ein Knochenbruch der seitlichen Wirbelkörpermasse des ersten Halswirbels (Atlas, C1). Sie entsteht meist durch axiale Stauchung und erfordert rasche Diagnostik.
Wissenswertes über "Massa lateralis Fraktur"
Die Massa lateralis Fraktur ist ein Knochenbruch der seitlichen Wirbelkörpermasse des ersten Halswirbels (Atlas, C1). Sie entsteht meist durch axiale Stauchung und erfordert rasche Diagnostik.
Was ist eine Massa lateralis Fraktur?
Die Massa lateralis Fraktur bezeichnet einen Knochenbruch im Bereich der Massa lateralis – den seitlichen Knochenblöcken des ersten Halswirbels, des sogenannten Atlas (C1). Die Massa lateralis verbindet den vorderen und hinteren Bogen des Atlas und bildet die Gelenkflächen zu den Kondylen des Hinterhauptbeins (Occiput) sowie zum zweiten Halswirbel (Axis, C2). Frakturen in diesem Bereich gehören zu den Verletzungen der oberen Halswirbelsäule und können je nach Ausmaß neurologisch relevant sein.
Ursachen
Die Massa lateralis Fraktur entsteht meist durch direkte Krafteinwirkung auf die Halswirbelsäule. Typische Unfallmechanismen sind:
- Axiale Kompression: Sturz auf den Kopf, zum Beispiel beim Tauchen in flaches Wasser oder bei Hochrasanztrauma
- Verkehrsunfälle: Aufprall mit starker Stauchung der Halswirbelsäule
- Sturz aus großer Höhe: direkte Krafteinleitung über den Schädel auf den Atlas
- Kombiniertes Flexions-Kompressionstrauma: gleichzeitige Beugung und Stauchung der Halswirbelsäule
Häufig treten Massa lateralis Frakturen in Kombination mit anderen Atlasfrakturen auf, etwa der klassischen Jefferson-Fraktur (Berstungsfraktur des Atlas), oder zusammen mit Verletzungen des Axis (C2).
Symptome
Die Symptome können je nach Schwere der Verletzung variieren. Typische Beschwerden sind:
- Nackenschmerzen und Druckschmerzhaftigkeit im oberen Halsbereich
- Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule, insbesondere bei Rotation und Seitneigung
- Muskelverspannungen der Nacken- und Schultermuskulatur
- Kopfschmerzen, häufig im Hinterkopfbereich
- In schweren Fällen: neurologische Ausfälle wie Taubheitsgefühle, Schwäche in Armen oder Beinen, bei schwerem Rückenmarkschäden auch Tetraparese
Da der Atlas unmittelbar unterhalb des Hirnstamms liegt, besteht bei erheblicher Dislokation eine potenzielle Lebensgefahr durch Kompression des Myelons (Rückenmark).
Diagnose
Die Diagnose einer Massa lateralis Fraktur erfordert bildgebende Verfahren. Standardmäßig werden folgende Untersuchungen eingesetzt:
- Röntgenaufnahme der Halswirbelsäule: als erste Orientierung, jedoch oft nicht ausreichend für den Nachweis kleiner Frakturen
- Computertomographie (CT): Methode der Wahl; ermöglicht die genaue Darstellung der Frakturlinien, des Ausmaßes der Dislokation sowie der beteiligten Strukturen
- Magnetresonanztomographie (MRT): wird ergänzend eingesetzt, um Bandverletzungen, Rückenmarkkompressionen und Weichteilschäden zu beurteilen
Eine wichtige diagnostische Kenngröße ist der Overhang der Massa lateralis über den Axis (sogenannte laterale Masse): Ein beidseitiger Überstand von über 6,9 mm (nach Spence-Regel) gilt als Hinweis auf eine Ruptur des Lig. transversum atlantis und damit auf eine instabile Verletzung.
Klassifikation
Massa lateralis Frakturen werden im Rahmen der Atlas-Fraktur-Klassifikation nach Landells und Van Peteghem sowie nach der AO-Klassifikation für Wirbelsäulenverletzungen eingeteilt. Folgende Typen sind klinisch relevant:
- Isolierte Massa lateralis Fraktur: Bruch nur im seitlichen Knochenblock, ohne Beteiligung der Bögen
- Kombinierte Fraktur mit vorderem oder hinterem Atlasbogen: entspricht der Jefferson-Fraktur oder deren Varianten
- Dislozierte vs. nicht dislozierte Fraktur: bestimmt über die Therapieentscheidung (konservativ vs. operativ)
Behandlung
Konservative Therapie
Bei stabilen, nicht oder wenig dislozierten Massa lateralis Frakturen ohne neurologische Ausfälle ist in der Regel eine konservative Behandlung möglich:
- Immobilisation mit einer steifen Halskrawatte (Philadelphia-Kragen) oder einem Halo-Fixateur für mehrere Wochen (typischerweise 8–12 Wochen)
- Schmerztherapie mit Analgetika und entzündungshemmenden Medikamenten
- Regelmäßige Verlaufskontrollen mittels CT oder Röntgen zur Überprüfung der Frakturheilung
Operative Therapie
Bei instabilen Frakturen, erheblicher Dislokation, Bandrupturen oder neurologischen Ausfällen kann eine operative Stabilisierung notwendig sein:
- Atlantoaxiale oder okzipitocervikale Fusion: Versteifungsoperation des betroffenen Bewegungssegments
- Reposition und interne Fixation: zur Wiederherstellung der normalen anatomischen Verhältnisse
Die Prognose bei isolierten, stabilen Massa lateralis Frakturen ist im Allgemeinen gut; die meisten Patienten erholen sich vollständig ohne bleibende neurologische Schäden.
Quellen
- Vaccaro AR et al. – Spine Trauma. Thieme Medical Publishers, 2. Auflage (2019).
- Aebi M, Arlet V, Webb JK – AO Spine Manual: Principles and Techniques. Thieme (2007).
- Ryken TC et al. – Management of isolated fractures of the atlas in adults. Neurosurgery. 2002;50(3 Suppl):S120–S125. Verfügbar über PubMed.
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