Reston-Ebolavirus (RESTV) – Erklärung & Fakten
Das Reston-Ebolavirus (RESTV) ist eine von fünf Ebolavirus-Spezies und die einzige, die beim Menschen bisher keine schwere Erkrankung verursacht hat.
Wissenswertes über "Reston-Ebolavirus"
Das Reston-Ebolavirus (RESTV) ist eine von fünf Ebolavirus-Spezies und die einzige, die beim Menschen bisher keine schwere Erkrankung verursacht hat.
Was ist das Reston-Ebolavirus?
Das Reston-Ebolavirus (RESTV) gehört zur Gattung Ebolavirus innerhalb der Familie Filoviridae. Es wurde erstmals 1989 in der Stadt Reston, Virginia (USA) entdeckt, als importierte Makaken aus den Philippinen in einer Quarantäneeinrichtung an einer rätselhaften Krankheit starben. Spätere Untersuchungen zeigten, dass das Virus auch Hausschweine infizieren kann. Das Reston-Ebolavirus ist die einzige bekannte Ebolavirus-Spezies, die zwar auf den Menschen übertragbar ist, beim Menschen jedoch bisher keine klinisch manifeste Erkrankung ausgelöst hat.
Klassifikation und Verwandtschaft
Innerhalb der Gattung Ebolavirus werden derzeit fünf Spezies unterschieden:
- Zaire-Ebolavirus (EBOV) – verursacht die schwersten Ausbrüche mit hoher Sterblichkeit
- Sudan-Ebolavirus (SUDV)
- Tai-Forest-Ebolavirus (TAFV)
- Bundibugyo-Ebolavirus (BDBV)
- Reston-Ebolavirus (RESTV) – bisher nicht humanpathogen
Genetisch unterscheidet sich das RESTV deutlich von den anderen Spezies, was möglicherweise erklärt, warum es beim Menschen keinen schweren Krankheitsverlauf hervorruft.
Entdeckung und Geschichte
Im Jahr 1989 wurden Krabbenfresser-Makaken (Macaca fascicularis) aus den Philippinen in eine Forschungseinrichtung in Reston, Virginia, importiert. Innerhalb kurzer Zeit starben viele Tiere. Wissenschaftler des United States Army Medical Research Institute of Infectious Diseases (USAMRIID) isolierten das Virus und erkannten seine Ähnlichkeit mit dem Zaire-Ebolavirus. Mehrere Mitarbeiter der Einrichtung infizierten sich serologisch (nachweisbar durch Antikörper), blieben aber klinisch gesund. Spätere Ausbrüche unter Schweinen auf den Philippinen (2008) und in China bestätigten die Fähigkeit des Virus, auch Suiden (Schweinen) zu infizieren.
Reservoir und Übertragung
Wie bei anderen Ebolaviren wird vermutet, dass Fledermäuse das natürliche Reservoir des RESTV darstellen. Der genaue Übertragungsweg von Tieren auf den Menschen ist noch nicht vollständig geklärt. Bekannte Übertragungswege umfassen:
- Direkter Kontakt mit infiziertem Tiergewebe oder Körperflüssigkeiten
- Möglicherweise aerogene Übertragung unter Tieren (in Laborstudien belegt)
- Zoonose: Übertragung vom Tier auf den Menschen
Eine gesicherte Mensch-zu-Mensch-Übertragung des RESTV ist bislang nicht dokumentiert.
Pathogenität beim Menschen
Obwohl mehrere Menschen serologisch positiv auf RESTV getestet wurden – was eine stattgefundene Infektion anzeigt –, entwickelte keiner von ihnen Symptome einer Ebola-Erkrankung. Die Gründe für die fehlende Humanpathogenität sind Gegenstand aktueller Forschung. Diskutiert werden unter anderem:
- Unterschiede in der Genomstruktur und den viralen Proteinen (insbesondere dem Glykoprotein GP)
- Unterschiedliche Interaktion mit menschlichen Immunzellen
- Geringere Fähigkeit, das Immunsystem des Menschen zu unterdrücken
Wichtig: Die fehlende Pathogenität bedeutet nicht, dass das Virus harmlos ist oder in Zukunft keine Gefährdung darstellen könnte, da Viren mutieren können.
Diagnose
Die Diagnose einer RESTV-Infektion erfolgt ähnlich wie bei anderen Ebolaviren:
- PCR (Polymerase-Kettenreaktion): Direkter Nachweis des viralen Erbguts
- Serologie (ELISA): Nachweis von Antikörpern gegen RESTV
- Virusanzucht: Nur in Hochsicherheitslaboren (BSL-4) möglich
Prävention und öffentliche Gesundheit
Da das RESTV in Tierbeständen (insbesondere Primaten und Schweinen) zirkulieren kann, sind folgende Maßnahmen relevant:
- Strikte biosichere Handhabung von importierten Primaten
- Veterinäre Überwachung von Schweinebeständen in Endemiegebieten
- Verwendung persönlicher Schutzausrüstung bei Umgang mit verdächtigen Tieren
- Meldepflicht bei Verdacht auf Ebolavirus-Infektion gemäß den nationalen Infektionsschutzgesetzen
Quellen
- World Health Organization (WHO): Ebola virus disease – Fact Sheet. Verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/ebola-virus-disease
- Feldmann H, Geisbert TW. Ebola haemorrhagic fever. Lancet. 2011;377(9768):849-862. DOI: 10.1016/S0140-6736(10)60667-8
- Jahrling PB et al. Preliminary report: isolation of Ebola virus from monkeys imported to USA. Lancet. 1990;335(8688):502-505.
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