Virales hämorrhagisches Fieber – Ursachen, Symptome & Therapie
Virales hämorrhagisches Fieber (VHF) bezeichnet eine Gruppe schwerer Infektionskrankheiten, die durch verschiedene Viren ausgelöst werden und lebensbedrohliche Blutungsstörungen verursachen können.
Wissenswertes über "Virales hämorrhagisches Fieber"
Virales hämorrhagisches Fieber (VHF) bezeichnet eine Gruppe schwerer Infektionskrankheiten, die durch verschiedene Viren ausgelöst werden und lebensbedrohliche Blutungsstörungen verursachen können.
Was ist virales hämorrhagisches Fieber?
Virales hämorrhagisches Fieber (VHF) ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe schwerer, oft lebensbedrohlicher Viruserkrankungen, die durch Viren aus verschiedenen Familien ausgelöst werden. Charakteristisch sind hohes Fieber, ausgepragte Blutungsneigungen sowie Schäden an inneren Organen. Zu den bekanntesten Erregern zählen das Ebola-Virus, das Marburg-Virus, das Lassa-Virus und die Erreger des Dengue-Fiebers sowie des Gelbfiebers.
Ursachen und Übertragung
VHF-Erkrankungen werden durch RNA-Viren ausgelöst, die vier verschiedenen Virusfamilien angehören:
- Filoviridae: Ebola-Virus, Marburg-Virus
- Arenaviridae: Lassa-Virus, Junin-Virus
- Bunyaviridae: Hanta-Virus, Krim-Kongo-Fieber-Virus
- Flaviviridae: Dengue-Virus, Gelbfieber-Virus
Die Übertragung erfolgt je nach Erreger auf unterschiedlichen Wegen:
- Direkter Kontakt mit infiziertem Blut oder Körperflüssigkeiten (z. B. Ebola, Marburg)
- Insektenstiche, insbesondere durch Mücken oder Zecken (z. B. Dengue-Fieber, Gelbfieber, Krim-Kongo-Fieber)
- Kontakt mit infizierten Nagetieren oder deren Ausscheidungen (z. B. Lassa-Fieber, Hanta-Virus)
Symptome
Der Krankheitsverlauf beginnt meist mit unspezifischen Beschwerden, die sich rasch verschlechtern können:
- Hohes Fieber, Schüttelfrost
- Starke Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen
- Allgemeine Schwäche und Erschopfung
- Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen
- Hautausschlag
- Im fortgeschrittenen Stadium: Blutungen aus Schleimhäuten, innere Blutungen, Organversagen
Nicht alle Patienten entwickeln ausgepragte Blutungszeichen. Die Schwere des Verlaufs hängt stark vom Erreger und dem Immunstatus der betroffenen Person ab.
Diagnose
Die Diagnose erfordert spezielle labordiagnostische Verfahren, da VHF-Erkrankungen klinisch schwer von anderen Fiebererkrankungen zu unterscheiden sind:
- PCR-Tests (Polymerase-Kettenreaktion) zum Nachweis des Viruserbguts
- ELISA-Tests zum Nachweis erregerspezifischer Antikörper oder Antigene
- Blutbildanalyse: Thrombozytopenie (erniedrigte Blutplättchen), Leukopenie (erniedrigte weiße Blutkörperchen)
- Leber- und Nierenwerte zur Beurteilung von Organschäden
Die Diagnostik muss zwingend in spezialisierten Labors unter höchsten Sicherheitsbedingungen (Schutzstufe BSL-4) durchgeführt werden.
Behandlung
Eine spezifische, zugelassene Therapie existiert nur für wenige VHF-Erreger. Die Behandlung ist überwiegend symptomatisch und unterstützend:
- Stabilisierung des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts durch Infusionen
- Behandlung von Blutungsstörungen (z. B. Blutprodukttransfusionen)
- Intensivmedizinische Betreuung bei schwerem Verlauf
- Antivirale Medikamente: Ribavirin bei Lassa-Fieber und einigen anderen VHF-Erregern; Remdesivir und monoklonale Antikörper (z. B. Atoltivimab/Maftivimab/Odesivimab) bei Ebola-Virus-Erkrankung
- Impfung: Zugelassene Impfstoffe existieren bisher für Gelbfieber (hocheffektiv) und Ebola (rVSV-ZEBOV-GP, Ervebo®)
Prävention und Infektionsschutz
Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr gelten strenge Isolations- und Hygienemaßnahmen:
- Strikte Isolierung infizierter Patienten in Spezialisolierstätionen
- Verwendung persönlicher Schutzausrüstung (PSA) für medizinisches Personal
- Mücken- und Zeckenschutz in Endemiegebieten (Repellents, Schutzkleidung, Moskitonetze)
- Vermeidung von Kontakt mit Wildtieren und Nagetieren in Risikogebieten
- Reiseimpfungen (z. B. Gelbfieber) vor Reisen in Endemiegebiete
Quellen
- World Health Organization (WHO): Haemorrhagic fevers, Viral. Fact Sheet. Verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets (2024)
- Robert Koch-Institut (RKI): Virale hämorrhagische Fieber – RKI-Ratgeber. Verfügbar unter: https://www.rki.de (2023)
- Feldmann H, Sprecher A, Geisbert TW: Ebola. New England Journal of Medicine, 382:1832–1842 (2020)
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