Schädelbasis: Anatomie, Erkrankungen & Behandlung
Die Schädelbasis ist der untere Knochenbereich des Schädels, der das Gehirn stützt und viele Nerven sowie Blutgefäße enthält.
Wissenswertes über "Schädelbasis"
Die Schädelbasis ist der untere Knochenbereich des Schädels, der das Gehirn stützt und viele Nerven sowie Blutgefäße enthält.
Was ist die Schädelbasis?
Die Schädelbasis (lat. Basis cranii) ist der unterste, knöcherne Abschnitt des Schädels. Sie bildet den Boden der Schädelhöhle, auf dem das Gehirn aufliegt, und trennt gleichzeitig den Schädelinnenraum vom Gesichtsschädel sowie von den angrenzenden Strukturen wie Nasenhöhle, Augenhöhlen und Rachen. Die Schädelbasis besteht aus mehreren Knochen, die eng miteinander verwachsen sind und ein komplexes, dreidimensionales Gefüge bilden.
Anatomischer Aufbau
Die Schädelbasis wird aus fünf Knochen gebildet:
- Os frontale (Stirnbein): bildet den vorderen Anteil
- Os ethmoidale (Siebbein): liegt im Zentrum des vorderen Bereichs
- Os sphenoidale (Keilbein): zentraler Knochen der Schädelbasis
- Os temporale (Schläfenbein): beidseits seitlich gelegen
- Os occipitale (Hinterhauptsbein): bildet den hinteren Anteil
Die innere Schädelbasis ist in drei Gruben (Fossae) unterteilt: die vordere Schädelgrube (Fossa cranii anterior), die mittlere Schädelgrube (Fossa cranii media) und die hintere Schädelgrube (Fossa cranii posterior). Durch zahlreiche Öffnungen (Foramina) und Kanäle treten Hirnnerven, Arterien und Venen hindurch.
Wichtige Strukturen und Durchtrittsstellen
Die Schädelbasis enthält viele bedeutende anatomische Strukturen:
- Foramen magnum: größte Öffnung, durch die das verlängerte Mark (Medulla oblongata) in den Wirbelkanal übergeht
- Canalis opticus: Durchtrittsstelle für den Sehnerv (N. opticus)
- Foramen ovale und rotundum: Durchtritt von Ästen des Drillingsnerven (N. trigeminus)
- Foramen jugulare: Durchtritt von Hirnnerven (IX, X, XI) und der Vena jugularis interna
- Canalis caroticus: Durchtritt der Arteria carotis interna
- Sella turcica: knöcherne Vertiefung für die Hirnanhängedrüse (Hypophyse)
Klinische Bedeutung
Schädelbasisfrakturen
Frakturen der Schädelbasis entstehen meist durch starke Gewalteinwirkung, etwa bei Verkehrsunfällen oder Stürzen. Typische Zeichen sind:
- Brillenhämatom: Bluterguss um beide Augen (bei vorderer Schädelbasisfraktur)
- Battle-Zeichen: Bluterguss hinter dem Ohr (bei hinterer Schädelbasisfraktur)
- Liquorrhö: Austreten von Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit aus Nase oder Ohr
- Ausfälle von Hirnnerven, z.B. Riechverlust, Sehstörungen oder Lähmungen
Tumoren der Schädelbasis
Im Bereich der Schädelbasis können verschiedene gutartige und bösartige Tumoren entstehen oder einwachsen, zum Beispiel Meningeome, Chordome, Akustikusneurinome (Vestibularisschwannome) oder Metastasen. Diese können durch Druck auf Nerven oder Blutgefäße eine Vielzahl von neurologischen Ausfallserscheinungen verursachen.
Entzündliche Erkrankungen
Infektionen, die von Nasennebenhöhlen, Mittelohr oder Rachen ausgehen, können auf die Schädelbasis übergreifen und zu Osteomyelitis (Knochenmarksentzündung) oder lebensbedrohlichen Komplikationen wie Meningitis führen.
Diagnose
Die Untersuchung der Schädelbasis erfolgt in der Regel durch bildgebende Verfahren:
- Computertomographie (CT): Standardmethode bei Verdacht auf Frakturen oder Blutungen
- Magnetresonanztomographie (MRT): besonders geeignet zur Beurteilung von Weichteilstrukturen, Tumoren und Nervenbahnen
- Angiographie: zur Darstellung von Blutgefäßveränderungen
Behandlung
Die Behandlung von Erkrankungen der Schädelbasis richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache:
- Frakturen: meist konservative Behandlung mit Beobachtung; bei Komplikationen wie Liquorfistel oder Nervenschäden ggf. chirurgische Intervention
- Tumoren: operative Entfernung (Schädelbasischirurgie), Strahlentherapie, Radiochirurgie (z.B. Gamma Knife) oder eine Kombination dieser Verfahren
- Infektionen: antibiotische oder antimykotische Therapie, bei Abszessen chirurgische Drainage
Quellen
- Prometheus LernAtlas der Anatomie - Kopf, Hals und Neuroanatomie. Thieme Verlag, 4. Auflage (2015).
- Hacke, W. (Hrsg.): Neurologie. Springer Medizin Verlag, 14. Auflage (2016).
- Flint, P.W. et al.: Cummings Otolaryngology - Head and Neck Surgery. Elsevier, 7th Edition (2021).
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