Cholesterinresorption: Mechanismus & Behandlung
Die Cholesterinresorption beschreibt die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm in den Körper. Sie beeinflusst den Cholesterinspiegel im Blut und ist ein wichtiger Ansatzpunkt in der Behandlung von Fettstoffwechselstörungen.
Wissenswertes über "Cholesterinresorption"
Die Cholesterinresorption beschreibt die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm in den Körper. Sie beeinflusst den Cholesterinspiegel im Blut und ist ein wichtiger Ansatzpunkt in der Behandlung von Fettstoffwechselstörungen.
Was ist Cholesterinresorption?
Die Cholesterinresorption bezeichnet den Prozess, bei dem Cholesterin aus dem Darm über die Darmwand in den Blutkreislauf aufgenommen wird. Cholesterin gelangt über zwei Quellen in den Dünndarm: über die Nahrung (exogenes Cholesterin) und über die Gallenflüssigkeit, die von der Leber produziert und in den Darm abgegeben wird (endogenes Cholesterin). Im Durchschnitt werden beim gesunden Erwachsenen etwa 40–60 % des im Darm vorhandenen Cholesterins resorbiert.
Mechanismus der Cholesterinresorption
Die Aufnahme von Cholesterin im Dünndarm erfolgt in mehreren Schritten:
- Emulgierung: Gallensäuren und Phospholipide aus der Galle emulgieren das Nahrungsfett und Cholesterin, sodass sogenannte Mizellen entstehen – winzige, wasserlösliche Trägerstrukturen.
- Transport zur Darmwand: Die Mizellen transportieren das Cholesterin zur Oberfläche der Darmzellen (Enterozyten).
- Aktive Aufnahme: Ein spezielles Transportprotein namens NPC1L1 (Niemann-Pick C1-Like 1) vermittelt die aktive Aufnahme von Cholesterin in die Enterozyten. Dieser Transporter ist der wichtigste molekulare Mechanismus der intestinalen Cholesterinresorption.
- Verpackung und Weitertransport: In den Enterozyten wird das Cholesterin mit Fettsäuren verestert und in Chylomikronen verpackt. Diese Lipoproteinpartikel werden über die Lymphe in den Blutkreislauf abgegeben.
Regulation und Einflussfaktoren
Die Menge des resorbierten Cholesterins wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst:
- Ernährung: Eine hohe Zufuhr von gesättigten Fettsäuren und Cholesterin aus tierischen Lebensmitteln erhöht das Angebot im Darm. Balaststoffe, insbesondere lösliche Ballaststoffe wie Beta-Glucan und Pektin, binden Gallensäuren und können so die Resorption verringern.
- Genetik: Individuelle Unterschiede im NPC1L1-Gen können zu einer erhöhten oder verminderten Cholesterinresorption führen.
- Gallensäureproduktion: Eine verminderte Gallenproduktion, etwa bei Lebererkrankungen, reduziert die Emulgierung und damit die Resorptionsrate.
- Medikamente: Bestimmte Arzneimittel können die Cholesterinresorption gezielt hemmen (siehe Behandlung).
Klinische Bedeutung
Eine übermäßige Cholesterinresorption kann zu einem erhöhten LDL-Cholesterin-Spiegel im Blut beitragen und das Risiko für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen. Besonders bei Personen mit einer genetisch bedingten familiären Hypercholesterinämie spielt die Cholesterinresorption eine wichtige Rolle. Die gezielte Hemmung der intestinalen Cholesterinresorption ist daher ein wichtiger therapeutischer Ansatz in der Behandlung von Fettstoffwechselstörungen.
Behandlung: Hemmung der Cholesterinresorption
Der bekannteste Wirkstoff zur gezielten Hemmung der Cholesterinresorption ist Ezetimib. Er blockiert den NPC1L1-Transporter in der Darmwand und verhindert so, dass Cholesterin in die Enterozyten aufgenommen wird. Dadurch sinkt der LDL-Cholesterinspiegel im Blut um durchschnittlich 15–20 %.
Weitere Möglichkeiten zur Reduktion der Cholesterinresorption umfassen:
- Gallensäurebinder (Anionenaustauscher) wie Colestyramin, die Gallensäuren im Darm binden und deren Wiederaufnahme verhindern
- Ernährungsmaßnahmen mit ausreichend löslichen Ballaststoffen, z. B. aus Hafer, Hülsenfrüchten oder Flöhsamen
- Pflanzensterole und -stanole, die strukturell ähnlich wie Cholesterin sind und dessen Aufnahme im Darm kompetitiv hemmen
Quellen
- Ge, L. et al. (2008): The cholesterol absorption inhibitor ezetimibe acts by blocking the sterol transporter NPC1L1. Cell, 130(2), 340–349. DOI: 10.1016/j.cell.2007.04.040
- Grundy, S.M. et al. (2018): 2018 AHA/ACC Guideline on the Management of Blood Cholesterol. Circulation, 139(25). DOI: 10.1161/CIR.0000000000000625
- World Health Organization (WHO): Cardiovascular diseases – Key facts. Abgerufen unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/cardiovascular-diseases-(cvds)
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