Kraniotomie: Eingriff, Ablauf & Risiken
Die Kraniotomie ist ein neurochirurgischer Eingriff, bei dem ein Teil des Schädelknochens geöffnet wird, um Zugang zum Gehirn zu erhalten.
Wissenswertes über "Kraniotomie"
Die Kraniotomie ist ein neurochirurgischer Eingriff, bei dem ein Teil des Schädelknochens geöffnet wird, um Zugang zum Gehirn zu erhalten.
Was ist eine Kraniotomie?
Die Kraniotomie ist ein operativer Eingriff in der Neurochirurgie, bei dem ein Teil des Schädelknochens (Kalotte) temporär entfernt wird, um Zugang zum Gehirn oder zu den Hirnstrukturen zu erhalten. Im Gegensatz zur Kraniektomie, bei der der Knochen dauerhaft entfernt bleibt, wird bei der Kraniotomie der Knochendeckel (sogenannter Knochenflap) nach dem Eingriff wieder eingesetzt und fixiert. Der Begriff leitet sich aus dem Griechischen ab: „kranion“ bedeutet Schädel und „tomé“ bedeutet Schnitt.
Anwendungsgebiete
Eine Kraniotomie wird bei einer Vielzahl von neurologischen und neurochirurgischen Erkrankungen durchgeführt, wenn ein operativer Zugang zum Hirngewebe oder zu den Hirnstrukturen erforderlich ist. Typische Indikationen umfassen:
- Hirntumoren: Entfernung oder Biopsie von gutartigen oder bösartigen Tumoren im Gehirn
- Intrakranielle Blutungen: Ausgeräumung von Blutansammlungen, z. B. nach einem Schlaganfall oder einer Hirnverletzung
- Hirnaneurysmen: Operatives Clippen eines geschwollenen Blutgefäßes, um eine Ruptur zu verhindern
- Epilepsie: Entfernung epileptogener Hirnareale bei medikamentös nicht kontrollierbaren Anfällen
- Schädel-Hirn-Trauma: Behandlung von Druckschäden durch Blutungen oder Schwellungen
- Arterioveniöse Malformationen (AVM): Korrektur abnormaler Gefäßverbindungen im Gehirn
- Infektionen: Drainage von Hirnabszessen
Ablauf des Eingriffs
Vorbereitung
Vor der Operation werden bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) durchgeführt, um die genaue Lage des Befundes zu bestimmen. Die Operation erfolgt unter Allgemeinnarkose. In speziellen Fällen, etwa bei Tumoren in der Nähe sprachrelevanter Hirnareale, kann die Kraniotomie auch am wachen Patienten durchgeführt werden (sogenannte Wachkraniotomie), um Funktionen wie Sprache oder Motorik intraoperativ überprüfen zu können.
Operativer Eingriff
Nach der Lagerung des Patienten wird die Kopfhaut im Operationsgebiet rasiert, desinfiziert und ein Hautschnitt gesetzt. Anschließend wird die darunter liegende Schicht (Galea aponeurotica und Periost) zurückgepräpariert. Mit einem speziellen chirurgischen Bohrer werden mehrere kleine Löcher (Bohrlöcher) in den Schädelknochen gesetzt, zwischen denen dann mit einer oszillierenden Säge (Kraniotom) der Knochendeckel herausgetrennt wird. Der Knochen wird während des Eingriffs aufbewahrt. Nach Abschluss der Hirnoperation wird der Knochendeckel mit Titanplatten oder Schrauben wieder befestigt, und die Wunde wird schichtweise verschlossen.
Wachkraniotomie
Bei der Wachkraniotomie wird der Patient nach der Eröffnung des Schädels aufgeweckt. Da das Hirngewebe selbst keine Schmerzrezeptoren besitzt, ist dies möglich. Während die Neurochirurgen am Gehirn arbeiten, führen Neurologen und Anesthesisten Tests durch, um sicherzustellen, dass lebenswichtige Funktionen erhalten bleiben.
Risiken und mögliche Komplikationen
Wie jeder operative Eingriff birgt auch die Kraniotomie Risiken. Diese umfassen:
- Blutungen im Operationsgebiet oder im Gehirn
- Infektionen der Wunde, des Knochens oder der Hirnhaut (Meningitis)
- Hirnödem (Schwellung des Hirngewebes)
- Neurologische Ausfälle wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Sehörungen
- Epileptische Anfälle nach dem Eingriff
- Thrombosen oder Lungenembolie durch Immobilisation
- Narkosekomplikationen
Das individuelle Risiko hängt stark von der Grunderkrankung, dem Alter des Patienten, der Lage des Eingriffs im Gehirn und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab.
Nachsorge und Rehabilitation
Nach einer Kraniotomie erfolgt die Überwachung des Patienten zunächst auf einer Intensivstation oder Überwachungsstation. Regelmäßige neurologische Kontrollen sowie bildgebende Nachuntersuchungen gehören zur Standardnachsorge. Je nach Ausmaß des Eingriffs und der Grunderkrankung kann eine neurologische Rehabilitation notwendig sein, um verloren gegangene Funktionen wiederzuerlangen oder Kompensationsstrategien zu entwickeln. Die Erholungszeit variiert stark und kann von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten betragen.
Quellen
- Greenberg, M.S. - Handbook of Neurosurgery, 9. Auflage, Thieme Medical Publishers, 2019
- Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) - Leitlinien und Patienteninformationen, www.dgnc.de
- Rolston, J.D. et al. - Awake Craniotomy to Maximize Glioma Resection: Methods and Technical Nuances over a 27-Year Period. Journal of Neurosurgery, 2016, 123(2):325-339
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