M84.1 – Nicht verheilte Fraktur (Pseudarthrose)
M84.1 ist der ICD-10-Code für eine nicht verheilte Fraktur (Pseudarthrose). Dabei bleibt ein Knochenbruch dauerhaft ohne vollständige knöcherne Heilung.
Wissenswertes über "M84.1"
M84.1 ist der ICD-10-Code für eine nicht verheilte Fraktur (Pseudarthrose). Dabei bleibt ein Knochenbruch dauerhaft ohne vollständige knöcherne Heilung.
Definition
M84.1 ist ein diagnostischer Code aus dem Internationalen Klassifikationssystem der Krankheiten (ICD-10). Er steht für eine nicht verheilte Fraktur, medizinisch auch als Pseudarthrose (von griechisch: pseudo = falsch, arthron = Gelenk) bezeichnet. Dabei bleibt ein Knochenbruch über einen längeren Zeitraum – in der Regel mehr als sechs Monate – ohne vollständige knöcherne Durchbauung bestehen. Stattdessen kann sich ein falsches Gelenk mit Bindegewebe zwischen den Bruchenden bilden.
Ursachen
Eine Pseudarthrose entsteht, wenn der natürliche Heilungsprozess eines Knochenbruchs gestört wird. Häufige Ursachen sind:
- Unzureichende Ruhigstellung der Fraktur (z. B. mangelnde Stabilisierung durch Gips oder Implantate)
- Durchblutungsstörungen im Knochen oder in der Umgebung der Fraktur
- Infektion im Bereich der Fraktur (infizierte Pseudarthrose)
- Weichteilinterposition (Weichteile zwischen den Knochenenden verhindern das Zusammenwachsen)
- Systemische Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Osteoporose oder Nierenfunktionsstörungen
- Nikotinabusus (Rauchen verringert die Knochenneudurchblutung erheblich)
- Mangelernährung, insbesondere Kalzium-, Vitamin-D- oder Proteinmangel
- Medikamente wie Kortikosteroide, nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) oder bestimmte Chemotherapeutika
Symptome
Betroffene Personen klagen häufig über folgende Beschwerden:
- Anhaltende Schmerzen im Bereich der ehemaligen Fraktur
- Schwellung und mögliche Weichteilveränderungen
- Instabilität des betroffenen Knochens oder Gelenks – das Gefühl, dass der Knochen nachgibt
- Eingeschränkte Belastbarkeit und Beweglichkeit
- Sichtbare oder tastbare Fehlstellung des Knochens
Diagnose
Zur Diagnose einer Pseudarthrose (M84.1) stehen verschiedene bildgebende und klinische Verfahren zur Verfügung:
- Röntgenaufnahme: Standardverfahren zur Beurteilung des Heilungsfortschritts und zur Darstellung des Frakturspalts
- Computertomographie (CT): Detaillierte Beurteilung der knöchernen Strukturen und des Heilungszustands
- Magnetresonanztomographie (MRT): Beurteilung von Weichteilveränderungen, Durchblutung und Knochenmarksveränderungen
- Knochenszintigraphie: Stoffwechselaktivität des Knochens zur Unterscheidung zwischen aktiver und inaktiver Pseudarthrose
- Labordiagnostik: Ausschluss von Infektionen, Stoffwechselstörungen oder Mangelzuständen
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach der Ursache, dem Typ der Pseudarthrose und dem Allgemeinzustand des Patienten.
Konservative Behandlung
- Ruhigstellung durch Gips, Orthese oder externen Fixateur
- Physikalische Therapie: Ultraschall- oder Stosswellentherapie zur Anregung der Knochenregeneration
- Elektrostimulation: Elektrische Felder können das Knochenwachstum fördern
- Optimierung von Grunderkrankungen: Einstellung von Diabetes, Ausgleich von Mangelzuständen (Vitamin D, Kalzium)
Operative Behandlung
- Osteosynthese: Operative Stabilisierung der Fraktur mit Platten, Nägeln oder Schrauben
- Knochentransplantation (Spongiosaplastik): Einbringen von knöchernem Eigengewebe zur Förderung der Heilung
- Knochenersatzmaterialien oder Wachstumsfaktoren: Biologische Präparate zur Unterstützung der Knochenregeneration
- Kortikalis-Dekortikation: Anfrischen der Knochenoberflächen zur Aktivierung der Heilung
Prognose
Mit einer gezielten Behandlung kann eine Pseudarthrose in vielen Fällen erfolgreich ausgeheilt werden. Die Heilungsaussichten hängen stark von der Ursache, dem Typ und der Lokalisation der Pseudarthrose sowie vom Allgemeinzustand des Patienten ab. Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Therapie verbessern die Prognose wesentlich.
Quellen
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) / Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): ICD-10-GM Version 2024, Kapitel XIII – Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes, Code M84.1.
- Ruter A., Trentz O., Wagner M. (Hrsg.): Unfallchirurgie. Urban & Fischer Verlag, 2. Auflage, München 2004.
- Giannoudis P.V., Einhorn T.A., Marsh D.: Fracture healing: The diamond concept. Injury. 2007;38 Suppl 4:S3-6. PubMed PMID: 18224731.
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