M49.1 - Brucellose der Wirbelsäule | ICD-10
M49.1 ist der ICD-10-Code für Brucellose der Wirbelsäule, eine bakterielle Infektionskrankheit, die das Knochengewebe der Wirbelsäule befallen kann.
Wissenswertes über "M49.1"
M49.1 ist der ICD-10-Code für Brucellose der Wirbelsäule, eine bakterielle Infektionskrankheit, die das Knochengewebe der Wirbelsäule befallen kann.
Was ist M49.1?
Der ICD-10-Code M49.1 steht für Brucellose der Wirbelsäule (auch: Spondylitis durch Brucella-Bakterien). Es handelt sich um eine infektiöse Erkrankung der Wirbelsäule, die durch Bakterien der Gattung Brucella verursacht wird. Diese Erkrankung gehört zu den muskuloskelettalen Manifestationen der systemischen Brucellose und ist eine der häufigsten Ursachen infektiöser Spondylitis weltweit.
Ursachen
Die Brucellose wird durch gramnegative Bakterien der Gattung Brucella ausgelöst, vor allem durch:
- Brucella melitensis (hauptsächlich von Schafen und Ziegen)
- Brucella abortus (vom Rind)
- Brucella suis (vom Schwein)
Die Übertragung auf den Menschen erfolgt typischerweise durch:
- Verzehr nicht pasteurisierter Milch oder Milchprodukte
- Direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder deren Ausscheidungen
- Einatmen kontaminierter Aerosole (berufsbedingt, z. B. Tierärzte, Landwirte, Schlachthofarbeiter)
Die Wirbelsäule wird durch hämatogene Ausbreitung (Blutweg) der Bakterien befallen, wobei bevorzugt die Lendenwirbelsäule betroffen ist.
Symptome
Die Brucellose der Wirbelsäule kann sich durch folgende Beschwerden äußern:
- Rückenschmerzen, häufig im Lendenwirbelbereich, oft als erstes und dominierendes Symptom
- Allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber (oft wellenförmig, sog. undulierendes Fieber)
- Nächtliche Schweißausbrüche und Schüttelfrost
- Müdigkeit und Gewichtsverlust
- Eingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelsäule
- In schweren Fällen: neurologische Ausfälle durch Kompression des Rückenmarks oder der Nervenwurzeln
Diagnose
Die Diagnose der Brucellose der Wirbelsäule erfordert eine Kombination aus klinischer Untersuchung, Labordiagnostik und bildgebenden Verfahren:
- Blutkultur: Nachweis von Brucella-Bakterien im Blut
- Serologie: Antikörpernachweis (z. B. Rose-Bengal-Test, Wright-Agglutinationstest, ELISA)
- Bildgebung: MRT (Magnetresonanztomographie) der Wirbelsäule gilt als Goldstandard zur Darstellung von Entzündung, Bandscheibenbeteiligung und paraspinalen Abszessen; Röntgen und CT ergänzend
- Biopsie: Bei Unsicherheit kann eine Gewebeprobe zur mikrobiologischen und histologischen Untersuchung entnommen werden
Behandlung
Die Behandlung der Brucellose der Wirbelsäule erfolgt primär durch eine kombinierte Antibiotikatherapie, da Monotherapien häufig zu Rückfällen führen. Empfohlene Kombinationen gemäß WHO und internationalen Leitlinien umfassen:
- Doxycyclin (6 Wochen) kombiniert mit Rifampicin (6 Wochen)
- Alternativ: Doxycyclin kombiniert mit Streptomycin oder Gentamicin
- Bei kompliziertem Verlauf oder neurologischen Komplikationen: dreigliedrige Kombinationstherapie unter Einschluss von Chinolonen (z. B. Ciprofloxacin)
Die Gesamttherapiedauer beträgt in der Regel 3 bis 6 Monate. Chirurgische Eingriffe sind selten notwendig, können jedoch bei Abszessen, instabiler Wirbelsäule oder neurologischen Ausfällen erforderlich sein.
Prognose und Verlauf
Bei frühzeitiger und konsequenter Behandlung ist die Prognose der Brucellose der Wirbelsäule im Allgemeinen gut. Unbehandelt kann die Erkrankung jedoch zu chronischen Rückenschmerzen, Wirbelsäulendeformitäten oder dauerhaften neurologischen Schäden führen. Rückfälle sind möglich und erfordern eine erneute oder verlängerte Antibiotikatherapie.
Quellen
- World Health Organization (WHO): Brucellosis in humans and animals. WHO Press, Genf, 2006.
- Turgut M, Gülsen Šenyurt M, Osmän A: Spinal Brucellosis: Turkish Experience Based on 452 Cases Published During the Last Century. Acta Neurochirurgica, 2006; 148: 1033–1044.
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): ICD-10-GM Version 2024, Kapitel XIII, M49.1 Brucellose der Wirbelsäule.
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