M46.2 – Osteomyelitis der Wirbelsäule
M46.2 bezeichnet die Osteomyelitis der Wirbelsäule – eine bakterielle Knocheninfektion der Wirbelkörper, die starke Rückenschmerzen und neurologische Schäden verursachen kann.
Wissenswertes über "M46.2"
M46.2 bezeichnet die Osteomyelitis der Wirbelsäule – eine bakterielle Knocheninfektion der Wirbelkörper, die starke Rückenschmerzen und neurologische Schäden verursachen kann.
Was ist M46.2 – Osteomyelitis der Wirbelsäule?
M46.2 ist der ICD-10-Code für die Osteomyelitis der Wirbelsäule, auch als Spondylitis infectiosa oder vertebrale Osteomyelitis bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine ernsthafte Infektion des Knochengewebes eines oder mehrerer Wirbelkörper. Die Erkrankung kann akut oder chronisch verlaufen und erfordert eine rasche medizinische Behandlung, um dauerhafte Schäden zu vermeiden.
Ursachen
Die Osteomyelitis der Wirbelsäule wird in den meisten Fällen durch Bakterien ausgelöst, die über den Blutweg (hämatogen) in die Wirbelkörper gelangen. Seltener entstehen Infektionen durch direkte Ausbreitung aus benachbarten Geweben oder als Komplikation nach operativen Eingriffen.
- Häufigster Erreger: Staphylococcus aureus (einschließlich MRSA)
- Weitere Erreger: Streptokokken, gramnegative Stäbchenbakterien (z. B. Escherichia coli), Mykobacterium tuberculosis (bei tuberkulöser Spondylitis)
- Risikofaktoren: Diabetes mellitus, Immunschwäche, intravenöser Drogenkonsum, Dialysepflichtigkeit, vorherige Wirbelsäulenoperationen, längere Katheterisierung
Symptome
Die Symptome können schleichend beginnen und werden häufig zunächst als normale Rückenschmerzen fehlgedeutet. Typische Beschwerden umfassen:
- Anhaltende, oft starke Rückenschmerzen, die in Ruhe nicht nachlassen
- Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl
- Lokale Druckschmerzhaftigkeit über den betroffenen Wirbeln
- Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule
- In schweren Fällen: neurologische Ausfälle wie Taubheitsgefühl, Schwäche der Beine oder Blasen- und Darmstoerungen (bei Beteiligung des Rückenmarks)
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung, Labordiagnostik und bildgebenden Verfahren:
- Blutuntersuchung: Erhöhte Entzündungsparameter (CRP, BSG, Leukozyten)
- Blutkulturen: Zur Erregeridentifikation
- MRT (Magnetresonanztomographie): Goldstandard in der Bildgebung – zeigt Knochen- und Weichteilbeteiligung frühzeitig
- CT-gestützte Biopsie: Zur gezielten Erregergewinnung und Resistenzprüfung
- Knochenszintigraphie: Bei unklaren Befunden ergänzend eingesetzt
Behandlung
Medikamentöse Therapie
Die Behandlung besteht primär aus einer langdauernden Antibiotikatherapie, die idealerweise nach Erregeridentifikation und Resistenztestung eingeleitet wird. Die Therapiedauer beträgt in der Regel 6 bis 12 Wochen, meist initial intravenös, gefolgt von oraler Weiterbehandlung.
Operative Therapie
Eine Operation ist erforderlich bei:
- Neurologischen Ausfällen durch Rückenmarkskompression
- Abszessbildung (z. B. Epiduralabszess)
- Instabilität der Wirbelsäule
- Versagen der konservativen Therapie
Operative Eingriffe umfassen die Abszessdrainage, Debridement des infizierten Gewebes sowie ggf. die Stabilisierung der Wirbelsäule durch Implantate.
Unterstützende Maßnahmen
Eine Ruhigstellung der Wirbelsäule durch Orthesen oder Bettruhe kann in der Akutphase notwendig sein. Physiotherapie wird nach Abklingen der Infektion zur Wiederherstellung der Beweglichkeit empfohlen.
Prognose
Bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter Behandlung ist die Prognose in vielen Fällen gut. Spätschäden wie chronische Rückenschmerzen, Wirbelsäulendeformitäten oder neurologische Defizite sind möglich, insbesondere wenn die Erkrankung spät erkannt wurde. Die Sterblichkeit ist bei älteren oder immungeschwächten Patienten erhöht.
Quellen
- Zimmerli W. - Vertebral Osteomyelitis. New England Journal of Medicine, 362(11):1022-1029, 2010. DOI: 10.1056/NEJMcp0910753
- Europäische Gesellschaft für Infektiologie (ESCMID) - Guidelines for the Diagnosis and Treatment of Vertebral Osteomyelitis, 2015.
- Herold G. et al. - Innere Medizin. Eigenverlag, Köln, aktuelle Auflage.
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