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Pyramidenbahnzeichen – Bedeutung & Ursachen

Pyramidenbahnzeichen sind neurologische Reflexzeichen, die auf eine Schädigung des zentralen Nervensystems hinweisen. Sie helfen Ärzten, Läsionen der Pyramidenbahn frühzeitig zu erkennen.

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Wissenswertes über "Pyramidenbahnzeichen"

Pyramidenbahnzeichen sind neurologische Reflexzeichen, die auf eine Schädigung des zentralen Nervensystems hinweisen. Sie helfen Ärzten, Läsionen der Pyramidenbahn frühzeitig zu erkennen.

Was sind Pyramidenbahnzeichen?

Pyramidenbahnzeichen (auch als Zeichen einer Pyramidenbahnschädigung bezeichnet) sind eine Gruppe neurologischer Reflexbefunde, die bei der körperlichen Untersuchung erhoben werden. Sie zeigen an, dass die Pyramidenbahn – der wichtigste motorische Leitungsweg des Gehirns und Rückenmarks – geschädigt ist. Die Pyramidenbahn überträgt willkürliche Bewegungsbefehle vom Großhirn auf die Motoneuronen des Rückenmarks und reguliert dabei gleichzeitig bestimmte Reflexe.

Bei einer Schädigung dieser Bahn kommt es zu charakteristischen Veränderungen des Reflexverhaltens, die als Pyramidenbahnzeichen bezeichnet werden. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der neurologischen Basisuntersuchung und liefern wichtige Hinweise auf Erkrankungen wie Schlaganfall, Multiple Sklerose, Hirntumoren oder Rückenmarksverletzungen.

Die Pyramidenbahn – Grundlagen

Die Pyramidenbahn (lat. Tractus corticospinalis) ist ein Bündel von Nervenfasern, das vom motorischen Kortex des Großhirns ausgeht und bis zu den motorischen Vorderhornzellen des Rückenmarks zieht. Sie ist für die Ausführung präziser, willkürlicher Bewegungen – insbesondere der Hände und Füße – unentbehrlich. Zusätzlich hemmt sie über Interneurone bestimmte Eigenreflexe und pathologische Reflexe.

Wird die Pyramidenbahn durch eine Erkrankung unterbrochen, heben sich diese Hemmungen auf, und es treten die sogenannten pathologischen Reflexe auf, die als Pyramidenbahnzeichen gewertet werden.

Wichtige Pyramidenbahnzeichen im Überblick

Babinski-Zeichen

Das Babinski-Zeichen ist das bekannteste und klinisch bedeutsamste Pyramidenbahnzeichen. Es wird durch Bestreichen der lateralen Fußsohle mit einem stumpfen Gegenstand ausgelöst. Bei einer Pyramidenbahnschädigung kommt es zur Extension (Dorsalflexion) der großen Zehe und oft zur Fächerung der übrigen Zehen. Bei Gesunden löst dieser Reiz eine Plantarflexion (Einwärtskrümmung) der Zehen aus. Bei Säuglingen bis ca. 18 Monate ist ein positives Babinski-Zeichen physiologisch.

Gordon-Zeichen

Das Gordon-Zeichen wird durch kräftiges Zusammendrücken der Wadenmuskulatur ausgelöst und ergibt bei Pyramidenbahnschädigung ebenfalls eine Dorsalflexion der großen Zehe.

Oppenheim-Zeichen

Beim Oppenheim-Zeichen wird mit dem Daumen und Zeigefinger kräftig an der Schienbeinkante (Tibia) entlanggestrichen. Eine positive Reaktion zeigt sich wiederum als Dorsalflexion der großen Zehe und entspricht einem positiven Babinski-Äquivalent.

Chaddock-Zeichen

Das Chaddock-Zeichen wird durch Bestreichen des Hautbereichs unterhalb des lateralen Knöchels ausgelöst. Es gilt als Variante des Babinski-Zeichens und weist bei positivem Befund auf eine Pyramidenbahnschädigung hin.

Hoffmann-Zeichen

Das Hoffmann-Zeichen ist ein Pyramidenbahnzeichen der oberen Extremität. Dabei wird die Fingerkuppe des Mittelfingers schnell nach unten geschnappt. Eine positive Reaktion besteht in einer Flexionsbewegung des Daumens und Zeigefingers der gleichen Hand und weist auf eine Schädigung der Pyramidenbahn im Bereich der Halswirbelsäule oder des Gehirns hin.

Troemner-Zeichen

Das Troemner-Zeichen ist eine Variante des Hoffmann-Zeichens: Durch Beklopfen der Fingerkuppen kommt es bei positiver Reaktion zur Flexion von Daumen und anderen Fingern der gleichen Hand.

Gesteigerte Muskeleigenreflexe und Klonus

Neben den pathologischen Fremdreflexen gehören auch gesteigerte Muskeleigenreflexe (z. B. gesteigerter Patellar- oder Achillessehnenreflex) und ein Klonus (rhythmische, unwillkürliche Muskelzuckungen bei Dehnung) zu den Zeichen einer Pyramidenbahnschädigung.

Ursachen einer Pyramidenbahnschädigung

Pyramidenbahnzeichen können durch verschiedene Erkrankungen des Gehirns oder Rückenmarks ausgelöst werden:

  • Schlaganfall (ischämisch oder hämorrhagisch)
  • Multiple Sklerose
  • Hirn- und Rückenmarkstumoren
  • Traumatische Verletzungen des Gehirns oder Rückenmarks
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
  • Entzündliche Erkrankungen (z. B. Enzephalitis, Myelitis)
  • Zervikale Myelopathie (Schädigung des Rückenmarks durch Bandscheibenvorfall oder Verengung des Wirbelkanals)

Diagnose und klinische Bedeutung

Pyramidenbahnzeichen werden im Rahmen der neurologischen Untersuchung erhoben. Ein positiver Befund ist ein wichtiger Hinweis auf eine Schädigung des ersten motorischen Neurons (oberes Motoneuron). Sie werden häufig kombiniert mit weiteren Befunden wie Spastik (erhöhter Muskeltonus), Parese (Lähmung) und abgeschwächten oder erloschenen Bauchhautreflexen bewertet.

Zur weiteren Abklärung der Ursache kommen bildgebende Verfahren wie MRT (Magnetresonanztomographie) oder CT (Computertomographie) des Gehirns und Rückenmarks sowie elektrophysiologische Untersuchungen wie MEP (motorisch evozierte Potenziale) zum Einsatz.

Behandlung

Die Behandlung von Pyramidenbahnzeichen richtet sich stets nach der zugrundeliegenden Erkrankung. Es gibt keine isolierte Therapie der Pyramidenbahnzeichen selbst, da sie Symptome einer anderen Erkrankung sind. Je nach Ursache kommen folgende Therapieoptionen infrage:

  • Schlaganfall: Thrombolyse, Thrombektomie, Rehabilitation
  • Multiple Sklerose: immunmodulatorische Therapie, Kortikosteroide bei Schüben
  • Tumoren: Operation, Bestrahlung, Chemotherapie
  • Spastik: Physiotherapie, Muskelrelaxanzien (z. B. Baclofen, Botulinumtoxin)
  • Zervikale Myelopathie: je nach Schweregrad konservative oder operative Therapie

Quellen

  1. Duus' Neurologisch-topische Diagnostik: Anatomie, Funktion, Klinik. Tatu L, Bogousslavsky J (Hrsg.). Thieme Verlag, 11. Auflage, 2021.
  2. S. Silbernagl, F. Lang: Taschenatlas Pathophysiologie. Thieme Verlag, 5. Auflage, 2019.
  3. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Leitlinien zur neurologischen Diagnostik. Abrufbar unter: www.dgn.org

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