Jejunumpermeabilitätstest – Diagnose der Darmbarriere
Der Jejunumpermeabilitätstest misst die Durchlässigkeit der Dünndarmschleimhaut im Bereich des Jejunums. Er hilft, Erkrankungen wie Zöliakie oder Morbus Crohn frühzeitig zu erkennen.
Wissenswertes über "Jejunumpermeabilitätstest"
Der Jejunumpermeabilitätstest misst die Durchlässigkeit der Dünndarmschleimhaut im Bereich des Jejunums. Er hilft, Erkrankungen wie Zöliakie oder Morbus Crohn frühzeitig zu erkennen.
Was ist der Jejunumpermeabilitätstest?
Der Jejunumpermeabilitätstest ist ein diagnostisches Verfahren, das die Durchlässigkeit (Permeabilität) der Schleimhaut des Jejunums – dem mittleren Abschnitt des Dünndarms – untersucht. Eine gesunde Darmschleimhaut fungiert als selektive Barriere: Sie lässt Nährstoffe passieren, hält aber Schadstoffe, Bakterien und unverdaute Nahrungsbestandteile zurück. Ist diese Barriere geschädigt, spricht man von einer erhöhten intestinalen Permeabilität oder einem sogenannten „Leaky Gut“.
Wie funktioniert der Test?
Der Jejunumpermeabilitätstest basiert in der Regel auf der oralen Gabe von Zucker-Sonden-Molekülen, die vom Körper normalerweise nicht oder nur in geringem Maße resorbiert werden. Am häufigsten kommen dabei folgende Substanzen zum Einsatz:
- Lactulose: ein größeres Disaccharid-Molekül, das bei intakter Schleimhaut kaum die Darmbarriere passiert
- Mannitol oder Rhamnose: kleinere Monosakkaride, die bei gesunder Schleimhaut leicht absorbiert werden
- 51Cr-EDTA: ein radioaktiv markiertes Molekül, das in spezialisierten Einrichtungen eingesetzt wird
Nach Einnahme der Testsubstanz wird der Urin über einen definierten Zeitraum (meist 5–6 Stunden) gesammelt und analysiert. Das Lactulose/Mannitol-Verhältnis im Urin gibt Aufschluss darüber, wie durchlässig die Darmschleimhaut ist: Ein erhöhter Quotient deutet auf eine geschädigte Barrierefunktion hin.
Wann wird der Test eingesetzt?
Der Jejunumpermeabilitätstest wird in folgenden klinischen Situationen eingesetzt:
- Verdacht auf Zöliakie (Gluten-Unverträglichkeit) oder andere Malabsorptionssyndrome
- Diagnose und Verlaufskontrolle von Morbus Crohn und anderen entzündlichen Darmerkrankungen (CED)
- Abklärung bei chronischen Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall unklarer Ursache
- Beurteilung der Darmbarriere nach intensivmedizinischen Behandlungen oder Chemotherapie
- Forschungszwecke bei Patienten mit Reizdarmsyndrom, Nahrungsmittelallergien oder Autoimmunerkrankungen
Diagnose und Interpretation
Die Auswertung des Tests erfolgt durch Messung der ausgeschiedenen Testsubstanzen im Urin mittels chromatografischer Methoden (z. B. HPLC). Ein erhöhtes Lactulose/Mannitol-Verhältnis weist auf eine erhöhte Jejunumpermeabilität hin. Die Normwerte können je nach Labor und verwendeter Methode variieren. Der Test sollte stets im Kontext anderer klinischer Befunde und Untersuchungen (z. B. Biopsien, Blutbild, Antikörpertests) bewertet werden.
Mögliche Einschränkungen
- Nierenfunktionsstörungen können die Ausscheidung der Testsubstanzen beeinflussen
- Bestimmte Medikamente (z. B. nichtsteroidale Antirheumatika) können die Permeabilität vorübergehend erhöhen
- Der Test erfasst primär den Dünndarm und ist für den Dickdarm weniger geeignet
Klinische Bedeutung
Eine erhöhte intestinale Permeabilität wird mit einer Vielzahl von Erkrankungen in Verbindung gebracht, darunter entzündliche Darmerkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Nahrungsmittelallergien und metabolische Störungen. Der Jejunumpermeabilitätstest liefert wichtige Informationen zur Darmbarrierefunktion und kann als nicht-invasive Ergänzung zur Darmbiopsie dienen.
Quellen
- Piche T. et al. - Intestinal permeability and irritable bowel syndrome. Neurogastroenterology & Motility, 2009.
- Grootjans J. et al. - Non-invasive assessment of barrier integrity and function of the human gut. World Journal of Gastrointestinal Surgery, 2010.
- Fasano A. - Leaky gut and autoimmune diseases. Clinical Reviews in Allergy & Immunology, 2012.
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