S63.5 – Verstauchung Fingergelenk | ICD-10
S63.5 ist ein ICD-10-Code für die Verstauchung und Zerrung von Fingergelenken. Diese Verletzungen betreffen Bänder und Gelenke der Finger.
Wissenswertes über "S63.5"
S63.5 ist ein ICD-10-Code für die Verstauchung und Zerrung von Fingergelenken. Diese Verletzungen betreffen Bänder und Gelenke der Finger.
Definition und ICD-10-Code S63.5
S63.5 ist der offizielle Diagnosecode der ICD-10-Klassifikation (Internationale Klassifikation der Krankheiten, 10. Revision) und steht für Verstauchung und Zerrung von Gelenken und Bändern der Finger. Dieser Code wird in der medizinischen Dokumentation und Abrechnung verwendet, wenn Fingergelenke durch übermäßige Krafteinwirkung gezerrt oder verstaucht wurden, ohne dass dabei ein Knochen gebrochen ist.
Anatomischer Hintergrund
Die Finger bestehen aus mehreren kleinen Gelenken, die durch straffe Bandstrukturen stabilisiert werden. Man unterscheidet:
- Grundgelenke (MCP-Gelenke): Verbindung zwischen Mittelhand und erstem Fingerglied
- Mittelgelenke (PIP-Gelenke): Verbindung zwischen erstem und zweitem Fingerglied
- Endgelenke (DIP-Gelenke): Verbindung zwischen zweitem und drittem Fingerglied
Die Seitenbänder (Kollateralbänder) sowie das palmarseitige Band (Palmarplatte) gewährleisten die Stabilität dieser Gelenke. Bei einer Zerrung oder Verstauchung werden diese Bandstrukturen überdehnt oder teilweise eingerissen.
Ursachen
Typische Ursachen für eine Verstauchung oder Zerrung der Fingergelenke (S63.5) sind:
- Sportunfalle, z. B. beim Ballsport (Volleyball, Basketball, Handball)
- Stürze mit aufgestützter Hand
- Direkte Krafteinwirkung auf einen ausgestreckten Finger
- Verdrehung oder übermäßige Beugung bzw. Streckung eines Fingers
- Arbeitsunfälle oder Alltagsverletzungen
Symptome
Nach einer Verstauchung oder Zerrung eines Fingergelenks können folgende Beschwerden auftreten:
- Schmerzen im betroffenen Gelenk, besonders bei Bewegung oder Druck
- Schwellung und Ödembildung um das Gelenk
- Bluterguss (Hämatom) durch Einblutungen ins Gewebe
- Bewegungseinschränkung des betroffenen Fingers
- Instabilitätsgefühl im Gelenk bei höhergradigen Bandverletzungen
Schweregrade
Bandverletzungen werden medizinisch in drei Schweregrade eingeteilt:
- Grad I: Überdehnung der Bänder ohne Riss, leichte Schmerzen und geringe Schwellung
- Grad II: Teilriss des Bandes mit deutlicher Schwellung, Druckschmerz und leichter Instabilität
- Grad III: Vollständiger Bandriss mit ausgeprägter Instabilität und Funktionseinschränkung
Diagnose
Die Diagnose einer Fingergelenksverstauchung (S63.5) erfolgt durch:
- Klinische Untersuchung: Abtasten (Palpation) des Gelenks, Prüfung der Stabilität und Beweglichkeit
- Röntgenaufnahme: Zum Ausschluss von Knochenbrucken (Frakturen)
- Ultraschall (Sonographie): Zur Beurteilung der Bandstrukturen
- MRT (Magnetresonanztomographie): Bei unklaren Befunden oder Verdacht auf komplexe Verletzungen
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Verletzung:
Konservative Behandlung
- PECH-Schema: Pause, Eis, Kompression, Hochlagern in der Akutphase
- Ruhigstellung: Durch Schienen oder Tape-Verbände für 2–6 Wochen je nach Schweregrad
- Schmerztherapie: Entzündungshemmende Medikamente (z. B. Ibuprofen)
- Physiotherapie: Zur Wiederherstellung von Kraft und Beweglichkeit
Operative Behandlung
Bei vollständigem Bandriss (Grad III) oder begleitenden knochöchernen Ausrissen kann eine operative Bandrekonstruktion notwendig sein. Dies ist vor allem bei instabilen Verletzungen des Daumengrundgelenks (sog. Skidaumen) wichtig.
Prognose und Heilungsverlauf
Leichte Verstauchungen heilen in der Regel innerhalb von 2–4 Wochen ab. Schwerere Bandverletzungen können 6–12 Wochen in Anspruch nehmen. Ohne angemessene Behandlung besteht das Risiko einer chronischen Gelenkinstabilität oder frühzeitiger Arthrose. Eine konsequente physiotherapeutische Nachbehandlung ist entscheidend für ein gutes Langzeitergebnis.
Quellen
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) / BfArM: ICD-10-GM, Kapitel XIX, S63.5 – Verstauchung und Zerrung von Gelenken und Bändern der Finger. www.bfarm.de
- Unfallchirurgie und Orthopädie: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) zu Bandverletzungen der Hand. www.dgu-online.de
- Towfigh H, Hierner R, Langer M, Zoege M: Handchirurgie. Springer Verlag, 2011.
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