Hüftgelenksdysplasie: Ursachen, Symptome & Behandlung
Die Hüftgelenksdysplasie ist eine Fehlbildung des Hüftgelenks, bei der die Hüftpfanne zu flach ist. Sie kann angeboren sein und wird häufig im Neugeborenenscreening erkannt.
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Die Hüftgelenksdysplasie ist eine Fehlbildung des Hüftgelenks, bei der die Hüftpfanne zu flach ist. Sie kann angeboren sein und wird häufig im Neugeborenenscreening erkannt.
Was ist eine Hüftgelenksdysplasie?
Die Hüftgelenksdysplasie (auch: Hüftdysplasie) bezeichnet eine Fehlentwicklung des Hüftgelenks, bei der die Hüftpfanne (Acetabulum) zu flach, zu steil oder zu klein ausgebildet ist. Dadurch wird der Hüftkopf (Caput femoris) nicht ausreichend überdacht und kann sich aus der Pfanne verschieben oder vollständig heraustreten – man spricht dann von einer Hüftluxation. Die Hüftgelenksdysplasie gehört zu den häufigsten angeborenen Skelettfehlbildungen und betrifft Mädchen etwa vier- bis fünfmal häufiger als Jungen.
Ursachen
Die genauen Ursachen der Hüftgelenksdysplasie sind vielfältig und nicht immer eindeutig geklärt. Folgende Faktoren gelten als begünstigend:
- Genetische Veranlagung: Familiäre Häufung ist bekannt; Kinder betroffener Eltern haben ein erhöhtes Risiko.
- Hormonelle Einflüsse: Mütterliche Hormone (z. B. Relaxin) können die Gelenkkapsel des Neugeborenen lockern und eine Instabilität begünstigen.
- Intrauterine Lageanomalie: Eine Beckenendlage (Steißlage) während der Schwangerschaft erhöht das Risiko erheblich.
- Platzmangel im Mutterleib: Mehrlinge, Fruchtwassermangel oder ein großes Kind können die Hüftentwicklung beeinträchtigen.
- Postnatale Wickeltechniken: Eng gewickelte Beine in Streckstellung können eine bestehende Dysplasie verstärken.
Symptome
Bei Neugeborenen und Säuglingen ist die Hüftgelenksdysplasie in der Regel schmerzlos und äußert sich durch folgende Zeichen:
- Eingeschränkte Abspreizbarkeit eines oder beider Hüftgelenke
- Asymmetrische Oberschenkel- oder Gesäßfalten
- Beinlängendifferenz (ein Bein erscheint kürzer)
- Schnapp- oder Klickgeräusche beim Bewegen des Hüftgelenks (klinische Tests)
Bei unbehandelter Dysplasie können im Kindes- und Erwachsenenalter Schmerzen, ein Hinken sowie eine frühzeitige Hüftarthrose (Koxarthrose) auftreten.
Diagnose
Die Diagnose der Hüftgelenksdysplasie erfolgt durch:
- Klinische Untersuchung: Ortolani- und Barlow-Test beim Neugeborenen zur Überprüfung der Hüftstabilität.
- Sonographie (Ultraschall): Standardmäßiges Neugeborenen-Screening in Deutschland gemäß den U2- und U3-Vorsorgeuntersuchungen. Die Methode nach Graf ermöglicht eine genaue Einteilung der Hüftreife in verschiedene Typen (Typ I bis IV).
- Röntgenuntersuchung: Ab dem zweiten Lebenshalbjahr und bei älteren Kindern oder Erwachsenen zur weiteren Beurteilung.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Bei komplexen Befunden oder zur präoperativen Planung.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Dysplasie und dem Alter des Patienten. Ziel ist es, den Hüftkopf korrekt in der Pfanne zu zentrieren und eine normale Gelenkentwicklung zu fördern.
Konservative Behandlung (Säuglinge und Kleinkinder)
- Spreizhosenbehandlung: Eine Spreizhose oder ein Spreizkissen (z. B. Pavlik-Bandage) hält die Hüften in gebeugter und gespreizter Stellung und fördert die Pfannenentwicklung. Diese Methode ist bei leichteren Formen sehr effektiv.
- Repositionsbehandlung: Bei stärkerer Luxation kann eine sanfte manuelle Einrenkung unter Narkose notwendig sein, gefolgt von einer Gipsruhigstellung (Becken-Bein-Gips).
Operative Behandlung
- Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen oder die Diagnose erst später gestellt wird, sind operative Eingriffe notwendig. Dazu zählen offene Repositionen sowie Becken- und Femurosteotomien (Knochenumstellungsoperationen) zur Korrektur der Gelenkgeometrie.
Behandlung im Erwachsenenalter
- Bei spät diagnostizierter oder unbehandelter Dysplasie kommen gelenkerhaltende Operationen (z. B. periazetabuläre Osteotomie) oder, bei fortgeschrittener Arthrose, der künstliche Hüftgelenkersatz (Totalendoprothese) in Betracht.
Prognose
Bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter Behandlung ist die Prognose der Hüftgelenksdysplasie in der Regel sehr gut. Die meisten betroffenen Kinder entwickeln ein normales, gesundes Hüftgelenk. Je später die Behandlung beginnt, desto aufwendiger und langwieriger ist sie – und desto größer ist das Risiko für bleibende Gelenkschäden.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU): S2k-Leitlinie Hüftdysplasie (2016, aktualisiert 2021). AWMF-Register Nr. 033-001.
- Graf R. – Die Sonographie der Säuglingshüfte und therapeutische Konsequenzen. 6. Auflage. Stuttgart: Thieme Verlag, 2010.
- World Health Organization (WHO): International Classification of Diseases, ICD-10-GM, Kapitel XVII – Angeborene Fehlbildungen.
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