- Was ist eine Lungenembolie?
- Symptome: Woran Du eine Lungenembolie erkennen könntest
- Ursachen und Risikofaktoren einer Lungenembolie
- Wie sich das Risiko einer Lungenembolie senken lässt
- Wie wird eine Lungenembolie diagnostiziert?
- Therapie einer Lungenembolie
- Fazit: Lungenembolie früh erkennen und richtig handeln
Eine Lungenembolie ist ein medizinischer Notfall, der oft plötzlich auftritt und innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden kann. Viele Betroffene verspüren zunächst nur unspezifische Beschwerden wie Atemnot, Brustschmerzen oder einen ungewohnten Leistungsabfall. Gerade weil diese Symptome auch bei harmloseren Erkrankungen auftreten können, wird eine Lungenembolie häufig zu spät erkannt.
Sie gehört zu den häufigsten tödlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Europa und Deutschland. Aus medizinischer Sicht entsteht sie durch ein Blutgerinnsel, das ein Blutgefäß in der Lunge verstopft. Dadurch wird die Sauerstoffaufnahme gestört und das Herz stark belastet. Ziel dieses Artikels ist es, Dir die Erkrankung von den Ursachen über Symptome und Diagnostik bis hin zu Behandlung und Nachsorge verständlich zu erklären.
Was ist eine Lungenembolie?
Bei einer Lungenembolie verschließt ein Blutgerinnsel ein oder mehrere Blutgefäße in der Lunge. In den meisten Fällen entsteht dieses Gerinnsel nicht dort, sondern in den tiefen Venen der Beine oder des Beckens. Von dort wird es mit dem Blutstrom in die Lunge gespült.
Sobald ein Lungengefäß blockiert ist, steigt der Druck in den Lungenarterien stark an. Das rechte Herz muss plötzlich gegen diesen erhöhten Widerstand anpumpen. Anders als das linke Herz ist es dafür anatomisch nicht ausgelegt. Wird ein größerer Teil der Lungengefäße verschlossen, kann das rechte Herz überfordert werden. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem akuten Rechtsherzversagen, das für viele frühe Todesfälle bei Lungenembolie verantwortlich ist [2].
Wie häufig ist eine Lungenembolie?
Die Lungenembolie ist keine seltene Erkrankung. Jedes Jahr erkranken in Europa mehrere zehntausend Menschen daran. Besonders häufig betroffen sind ältere Menschen, vor allem über 70 Jahre. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko deutlich an. In Deutschland werden jährlich über 100.000 Menschen wegen einer Lungenembolie im Krankenhaus behandelt. Trotz moderner Medizin sterben noch immer etwa 10 bis 15 Prozent der Betroffenen während des Krankenhausaufenthalts. Besonders gefährlich ist die erste Phase nach Symptombeginn: Viele Todesfälle ereignen sich bereits in den ersten Stunden. Das zeigt, wie wichtig es ist, Warnzeichen frühzeitig ernst zu nehmen [1,3].
Geschlechtsspezifische Unterschiede
Bei einer Lungenembolie gibt es wichtige Unterschiede zwischen Frauen und Männern, sowohl bei den Risikofaktoren als auch bei den typischen Beschwerden. Frauen sind bei der Diagnose im Durchschnitt etwas älter und berichten häufiger über Atemnot als Hauptsymptom. Klassische Warnzeichen wie blutiger Husten treten bei ihnen dagegen teilweise seltener auf.
Hinzu kommt, dass bei Frauen besondere Risikofaktoren eine Rolle spielen. Dazu gehören Schwangerschaft, die Zeit nach der Geburt sowie hormonelle Einflüsse, etwa durch die Einnahme der Pille oder eine Hormonersatztherapie. Diese Faktoren können das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln erhöhen. Weil die Beschwerden bei Frauen oft weniger eindeutig sind, wird eine Lungenembolie bei ihnen in manchen Fällen später erkannt. Umso wichtiger ist es, auch bei ungewöhnlichen oder milden Symptomen aufmerksam zu sein [5,7].
Symptome: Woran Du eine Lungenembolie erkennen könntest
Die Beschwerden bei einer Lungenembolie können sehr unterschiedlich sein. Manche Menschen haben nur leichte Symptome, andere geraten innerhalb kürzester Zeit in einen lebensbedrohlichen Zustand. Das häufigste Anzeichen ist plötzlich auftretende Atemnot, entweder in Ruhe oder schon bei geringer Belastung. Viele Betroffene berichten zusätzlich über:
- Brustschmerzen, oft stechend und beim Atmen stärker
- beschleunigten Herzschlag oder Herzklopfen
- schnelle oder flache Atmung
Weitere mögliche Symptome sind Schwindel, Angstgefühle, Ohnmacht, Husten oder blutiger Auswurf. Bei etwa jedem vierten Betroffenen zeigen sich außerdem Zeichen einer Thrombose im Bein, zum Beispiel eine einseitige Schwellung, Schmerzen in der Wade oder ein Spannungsgefühl [3,4].
Wichtig ist: Nicht alle Symptome müssen gleichzeitig auftreten. Auch milde oder ungewöhnliche Beschwerden könnten Ausdruck einer Lungenembolie sein.
Typische Symptome einer Lungenembolie & ihre Bedeutung
| Symptom/Zeichen | Häufigkeit | Was steckt dahinter? | Wann ernst nehmen? |
| Plötzlich auftretende Atemnot | Sehr häufig | Durch die Gefäßverstopfung kann weniger Sauerstoff im Blut aufgenommen werden | Bei plötzlichem Beginn, auch in Ruhe oder bei geringer Belastung |
| Brustschmerzen (oft stechend) | Häufig | Reizung des Lungenfells oder Durchblutungsstörung | Wenn atemabhängig oder zusammen mit Atemnot |
| Beschleunigter Herzschlag | Häufig | Das Herz versucht, den Sauerstoffmangel auszugleichen | Bei gleichzeitigem Schwindel oder Schwäche |
| Schnelle oder flache Atmung | Häufig | Kompensationsmechanismus bei Sauerstoffmangel | Wenn die Atmung deutlich schneller als normal ist |
| Schwindel oder Ohnmacht | Gelegentlich | Zeichen einer Kreislaufbelastung | Immer sofort medizinisch abklären |
| Husten, ggf. blutiger Auswurf | Seltener | Kleine Lungeninfarkte durch Gefäßverschluss | Besonders bei zusätzlicher Atemnot |
| Einseitige Beinschwellung oder Wadenschmerz | Etwa 25 % | Hinweis auf eine tiefe Beinvenenthrombose | Wenn gleichzeitig Atembeschwerden auftreten |
Quellen: [3,4,5]
Ursachen und Risikofaktoren einer Lungenembolie
Eine Lungenembolie entsteht meist durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren. In der Medizin wird dieses Zusammenspiel mit der sogenannten Virchow-Trias beschrieben. Sie umfasst eine Verlangsamung des Blutflusses, eine Schädigung der Gefäßinnenwand sowie eine erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes. Erst wenn mehrere dieser Mechanismen gleichzeitig wirksam werden, steigt das Risiko für die Bildung eines Blutgerinnsels deutlich an.
Zu den typischen Risikofaktoren zählen eine längere Immobilisation, etwa nach Operationen, Verletzungen oder langen Reisen, sowie größere chirurgische Eingriffe, insbesondere an Hüfte, Knie oder im Bauchraum. Auch Krebserkrankungen gehen mit einem erhöhten Thromboserisiko einher, ebenso wie Schwangerschaft und die Zeit nach der Geburt. Darüber hinaus können genetische Faktoren eine Rolle spielen. Manche Menschen haben eine angeborene Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln, was sich vor allem bei jüngeren Betroffenen mit wiederholten Thrombosen zeigt. Zusätzlich ist heute bekannt, dass schwere Infektionen die Blutgerinnung aktivieren und dadurch das Risiko für Thrombosen und Lungenembolien deutlich erhöhen können [1,2,5].
Wie sich das Risiko einer Lungenembolie senken lässt
Nicht jede Lungenembolie lässt sich verhindern. Dennoch gibt es Maßnahmen, mit denen sich das Risiko deutlich reduzieren lässt, insbesondere bei Menschen mit bekannten Risikofaktoren. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Vermeidung von längerem Bewegungsmangel. Nach Operationen, bei längerer Bettlägerigkeit oder auf langen Reisen ist es wichtig, frühzeitig wieder aktiv zu werden oder regelmäßig die Beine zu bewegen.
Bei erhöhtem Risiko können Kompressionsstrümpfe helfen, den Blutfluss in den Beinvenen zu verbessern und so der Bildung von Blutgerinnseln vorzubeugen. In bestimmten Situationen, etwa nach größeren Operationen oder bei schweren Erkrankungen, wird zusätzlich eine medikamentöse Thromboseprophylaxe mit blutverdünnenden Medikamenten eingesetzt. Diese erfolgt immer nach ärztlicher Abwägung.
Auch im Alltag lassen sich präventive Faktoren beeinflussen. Dazu gehören ausreichende Flüssigkeitszufuhr, regelmäßige körperliche Aktivität und das Vermeiden von längerem Sitzen ohne Bewegungspausen. Menschen mit bekannten Risikofaktoren oder einer früheren Thrombose oder Lungenembolie sollten mögliche Warnzeichen ernst nehmen und präventive Maßnahmen frühzeitig mit dem behandelnden Arzt besprechen [5,8,9].
Wie wird eine Lungenembolie diagnostiziert?
Die Diagnostik folgt einem festen Ablauf. Zunächst schätzt der Arzt anhand der Symptome und bestimmter Kriterien ein, wie wahrscheinlich eine Lungenembolie ist. Das hilft, unnötige Untersuchungen zu vermeiden und gefährliche Verläufe schneller zu erkennen.
Ist das Risiko niedrig oder mittel, wird häufig ein sogenannter D-Dimer-Bluttest durchgeführt. Fällt dieser negativ aus, kann eine Lungenembolie meist sicher ausgeschlossen werden. Ist der Test positiv oder das Risiko von Anfang an hoch, folgt eine bildgebende Untersuchung. Der wichtigste Test ist die CT-Pulmonalisangiographie. Dabei wird mithilfe von Kontrastmittel sichtbar gemacht, ob ein Blutgefäß in der Lunge verstopft ist. Zusätzlich kann beurteilt werden, ob das rechte Herz bereits belastet ist [3,4].
Therapie einer Lungenembolie
Die wichtigste Behandlung bei einer Lungenembolie ist die sogenannte Blutverdünnung. Sie sorgt dafür, dass sich bestehende Blutgerinnsel nicht weiter vergrößern und senkt das Risiko, dass neue Gerinnsel entstehen oder sich weitere Gefäße verstopfen. In den meisten Fällen wird diese Behandlung mindestens drei Monate durchgeführt. Bestehen weiterhin Risikofaktoren, kann eine längere Therapie notwendig sein [3,5].
Bei besonders schweren Formen der Lungenembolie, bei denen der Kreislauf instabil ist und das Herz stark belastet wird, reicht eine reine Blutverdünnung oft nicht aus. In solchen Situationen muss das Gerinnsel möglichst schnell aufgelöst oder entfernt werden. Dafür wird häufig ein Medikament eingesetzt, das das Blutgerinnsel auflöst. Alternativ können spezielle Verfahren genutzt werden, bei denen das Gerinnsel über einen Katheter oder durch einen chirurgischen Eingriff entfernt wird – beispielsweise, wenn eine medikamentöse Auflösung nicht möglich ist [2].
Fazit: Lungenembolie früh erkennen und richtig handeln
Eine Lungenembolie ist ein akuter medizinischer Notfall, bei dem Zeit eine entscheidende Rolle spielt. Da die Symptome oft unspezifisch sind, wird die Erkrankung nicht selten verzögert erkannt. Umso wichtiger ist es, Warnzeichen ernst zu nehmen, Risikofaktoren zu kennen und bei Verdacht frühzeitig medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Moderne Diagnostik und Therapie ermöglichen heute in vielen Fällen eine gute Prognose, sofern die Behandlung rechtzeitig beginnt.
Quellen:
- Fritze, J. (2023). Lungenembolie. In Die ärztliche Begutachtung. Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-61937-7_62
- Ebner, M. (2022). Untersuchungen zur Risikostratifizierung bei akuter Lungenembolie.(Dissertation/Habilitationsschrift) Charité – Universitätsmedizin Berlin
- Hobohm, L., Keller, K., & Konstantinides, S. Lungenembolie. Zeitschrift für Pneumologie, 20, 284–293. (2023) https://doi.org/10.1007/s10405-023-00508-x
- Hecker, M., Sommer, N., Hecker, A., et al. Lungenembolie. Medizinische Klinik – Intensivmedizin und Notfallmedizin, 111, 163–178 (2016) https://doi.org/10.1007/s00063-015-0114-z
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). (2023). S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und Lungenembolie (Registernr. 065-002, Version 5.5, Stand 14.02.2023). AWMF-Leitlinienregister.
- Schellhaass, A., Walther, A., Konstantinides, S. V., & Böttiger, B. W. (2010). Diagnostik und Therapie der akuten Lungenembolie. Deutsches Ärzteblatt International, 107(34–35), 589–595. https://doi.org/10.3238/arztebl.2010.0589
- Rappold, L. F. (2018). Untersuchung geschlechtsspezifischer Unterschiede für den Verlauf einer akuten Lungenembolie (Inaugural-Dissertation). Georg-August-Universität Göttingen. https://ediss.uni-goettingen.de/handle/11858/00-1735-0000-002E-E35C-0
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). (2015). S3-Leitlinie: Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE) (Registernr. 003-001, Stand 15.10.2015). AWMF-Leitlinienregister.
- Toenges, R., et al. (2017). Essentials zu der S3-Leitlinie zur Prophylaxe venöser Thromboembolien (deutschsprachige Leitlinien-Zusammenfassung). Thieme. https://doi.org/10.1055/s-0042-122166