Schlaf ist für junge Mütter eines der zentralen Themen im ersten Lebensjahr – und oft auch darüber hinaus. Gerade wenn sich endlich ein Rhythmus eingependelt hat, scheint plötzlich alles wieder von vorne zu beginnen: Dein Baby wacht häufiger auf, braucht länger zum Einschlafen oder verweigert tagsüber den Mittagsschlaf. Dieses Phänomen wird als Schlafregression bezeichnet.
Aus entwicklungsbiologischer Sicht ist eine Schlafregression kein Rückschritt, sondern Ausdruck eines neurologischen Fortschritts. In bestimmten Entwicklungsphasen durchläuft das kindliche Gehirn enorme Reifungsprozesse. Neue neuronale Verschaltungen, motorische Meilensteine, kognitive Sprünge und emotionale Entwicklungen beeinflussen das Schlafmuster unmittelbar. Das bedeutet: Das Nervensystem ist in Hochleistung – und das zeigt sich besonders nachts.
Für Dich als junge Mutter ist diese Phase oft kräftezehrend. Gleichzeitig hilft es, die biologischen Hintergründe zu verstehen: Schlafregressionen sind zeitlich begrenzt, individuell unterschiedlich stark ausgeprägt und meist eng an sogenannte Entwicklungsschübe gekoppelt.
Schlafregression 8 Monate, 12 Monate, 18 Monate, 2 Jahre – wissenschaftlich erklärt
Schlafregression mit 8 Monaten – Motorik & Objektpermanenz
Mit etwa 8 Monaten erleben viele Babys eine ausgeprägte Schlafveränderung. Neurologisch betrachtet befindet sich das Gehirn in einer Phase intensiver Synaptogenese – also der Bildung neuer neuronaler Verbindungen.
Typische Entwicklungsfaktoren:
- Krabbeln, Hochziehen, erste Stehversuche
- Entwicklung der Objektpermanenz (Verstehen, dass Mama auch dann existiert, wenn sie nicht sichtbar ist)
- Zunehmende Fremdelphase
Die Objektpermanenz führt paradoxerweise dazu, dass Dein Baby nachts stärker realisiert, dass Du nicht im Raum bist. Das kann Trennungsangst auslösen. Gleichzeitig verarbeitet das Gehirn neue motorische Fähigkeiten im Schlaf – was zu häufigem Erwachen führt.
Dauer: meist 2–6 Wochen
Schlafregression mit 12 Monaten – Autonomie & Gedächtnis
Um den ersten Geburtstag herum steht das Kind an der Schwelle vom Baby zum Kleinkind. Die präfrontale Hirnrinde entwickelt sich weiter, Gedächtnisleistungen nehmen zu und erste bewusste Handlungen entstehen.
Wissenschaftliche Hintergründe:
- Beginnendes episodisches Gedächtnis
- Erste Autonomiebestrebungen
- Häufiger Laufbeginn
Das Kind erinnert sich stärker an Gewohnheiten und Rituale – aber auch an Trennungssituationen. Gleichzeitig steigt der Wunsch nach Selbstständigkeit. Dieses Spannungsfeld kann abends zu Protest führen.
Schlafregression mit 18 Monaten – Sprachentwicklung & Trotzphase
Mit etwa 18 Monaten kommt es häufig zu einer besonders intensiven Phase. Sprachzentren im Gehirn – insbesondere Broca- und Wernicke-Areal – reifen weiter aus. Gleichzeitig beginnt die sogenannte Autonomiephase.
Typische Veränderungen:
- Wortschatzexplosion
- Stärkere Emotionsregulation (noch unreif)
- Beginn der Trotzphase
Das limbische System entwickelt sich schneller als der präfrontale Cortex. Das bedeutet: Gefühle sind stark, die Regulation noch begrenzt. Einschlafen erfordert jedoch genau diese Fähigkeit zur Selbstregulation – was erklärt, warum es schwieriger wird.
Schlafregression mit 2 Jahren – Kognition & Fantasie

Mit etwa zwei Jahren tritt häufig eine erneute Schlafveränderung auf. Das Denken wird symbolischer, die Fantasie entwickelt sich – und damit auch neue Ängste.
Neurologisch:
- Ausbau neuronaler Netzwerke im Frontallappen
- Zunehmende Vorstellungskraft
- Erste „Warum“-Fragen
Kinder beginnen, Situationen innerlich durchzuspielen. Das kann abends zu Grübeln, Aufstehen oder Ängsten vor Dunkelheit führen.
Natürliche Unterstützung bei Schlafregression
Als junge Mutter wünschst Du Dir vor allem eines: praktikable Lösungen ohne Druck. Wichtig ist zu verstehen, dass Schlafregressionen keine Erziehungsfehler sind.
Natürliche Behandlungsmethoden
- Konstante Abendrituale (immer gleiche Reihenfolge, gleiche Uhrzeit)
- Reduzierte Reizüberflutung am Abend
- Körperkontakt und Co-Regulation
- Gedimmtes Licht (Melatoninproduktion unterstützen)
- Ruhige Umgebung ohne Bildschirmlicht
Oxytocin – das Bindungshormon – spielt eine zentrale Rolle bei der Stressregulation. Nähe wirkt physiologisch beruhigend auf das kindliche Nervensystem.
Natürliche Prophylaxe
- Tagsüber ausreichend Bewegung
- Feste Tagesstruktur
- Frühzeitige Einführung eines beruhigenden Abendrituals
- Achtsame Reaktion auf Übermüdung
- Förderung von Selbstregulation durch sichere Bindung
Wissenschaftlich gilt: Ein sicheres Bindungsverhalten korreliert mit besserer Schlafregulation im Kleinkindalter.
Fazit
Eine Schlafregression ist kein Rückschritt, sondern Ausdruck von Wachstum. Jede Phase steht in engem Zusammenhang mit neurologischer Reifung, emotionaler Entwicklung und neuen Fähigkeiten. Auch wenn diese Zeiten herausfordernd sind – sie sind vorübergehend.
Für Dich als junge Mutter bedeutet das: Du machst nichts falsch. Dein Kind lernt – auch nachts. Und Du darfst Dir in dieser Phase genauso Fürsorge schenken wie Deinem Kind.