D64.8 – Sonstige näher bezeichnete Anämien
D64.8 ist ein ICD-10-Diagnosecode für sonstige näher bezeichnete Anämien, die keiner anderen Kategorie zuzuordnen sind, wie z. B. sidero-blastische oder leukoerythroblastische Anämie.
Wissenswertes über "D64.8"
D64.8 ist ein ICD-10-Diagnosecode für sonstige näher bezeichnete Anämien, die keiner anderen Kategorie zuzuordnen sind, wie z. B. sidero-blastische oder leukoerythroblastische Anämie.
Was bedeutet der Diagnosecode D64.8?
Der ICD-10-Code D64.8 steht für sonstige näher bezeichnete Anämien – also Anämieformen, die medizinisch eindeutig diagnostiziert und beschrieben wurden, jedoch keiner der übrigen spezifischen Anämiekategorien des ICD-10-Klassifikationssystems zugeordnet werden können. Eine Anämie (umgangssprachlich: Blutarmut) liegt vor, wenn die Anzahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) oder der Gehalt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin im Blut unter den normalen Referenzwert fällt.
Welche Anämieformen fallen unter D64.8?
Unter diesem Code werden verschiedene, seltener vorkommende oder spezifisch charakterisierte Anämieformen zusammengefasst, darunter:
- Sideroblastische Anämie: Eine Störung der Blutbildung, bei der die Vorstufen der roten Blutkörperchen (Sideroblasten) Eisen nicht ordnungsgemäß in Hämoglobin einbauen können. Eisen lagert sich stattdessen in den Zellen ab.
- Leukoerythroblastische Anämie: Eine Anämieform, bei der unreife Blutvorläuferzellen im peripheren Blut nachweisbar sind, häufig als Zeichen einer Knochenmarkerkrankung.
- Sekundäre sideroblastische Anämie: Entsteht als Folge einer anderen Grunderkrankung oder durch bestimmte Medikamente oder Substanzen (z. B. Isoniazid, Alkohol, Blei).
- Weitere seltene, klinisch näher definierte Anämieformen, die eine präzise Bezeichnung erhalten, aber keinem anderen ICD-10-Code zuzuordnen sind.
Ursachen
Die Ursachen für Anämien unter D64.8 sind vielfältig und hängen von der jeweiligen Unterform ab:
- Genetische Faktoren: Angeborene Störungen des Häm-Stoffwechsels oder der Erythropoese (Blutbildung)
- Medikamentöse Ursachen: Bestimmte Antibiotika, Chemotherapeutika oder andere Substanzen können die Blutbildung beeinträchtigen
- Toxische Einflüsse: Chronische Alkoholexposition oder Schwermetallvergiftungen (z. B. Blei)
- Sekundäre Erkrankungen: Knochenmarkerkrankungen, myeloproliferative Erkrankungen oder Infiltrationen des Knochenmarks
- Nährstoffmängel: Mangel an Vitamin B6 (Pyridoxin), der für die Hämsynthese benötigt wird
Symptome
Die klinischen Symptome bei Anämien unter D64.8 entsprechen häufig dem allgemeinen Anämiebild, können jedoch je nach Unterform variieren:
- Müdigkeit, Schwäche und allgemeines Krankheitsgefühl
- Blasse Haut und Schleimhäute
- Kurzatmigkeit (Dyspnoe) bei körperlicher Belastung
- Herzrasen (Tachykardie) oder Herzk&lopfen
- Schwindel und Kopfschmerzen
- Vergrößerte Milz (Splenomegalie) bei bestimmten Unterformen
- Zeichen einer Eisenakkumulation in Organen (z. B. Leber, Pankreas) bei der sideroblastischen Anämie
Diagnose
Die Diagnose einer Anämie der Kategorie D64.8 erfordert eine sorgfältige klinische und labordiagnostische Abklärung:
- Blutbild (Differentialblutbild): Bestimmung von Hämoglobin, Hämatokrit, Erythrozytenzahl sowie der Blutkörperchengröße (MCV, MCH, MCHC)
- Retikulozytencount: Beurteilung der Aktivität der Blutbildung im Knochenmark
- Eisenstatus: Serumferritin, Serumeisen, Transferrinsättigung
- Knochenmarkpunktion und -biopsie: Goldstandard zur Diagnose sideroblastischer und leukoerythroblastischer Anämien; Nachweis von Ringsideroblasten
- Genetische Diagnostik: Bei Verdacht auf hereditäre Formen
- Bestimmung von Vitamin B6: Bei Verdacht auf Pyridoxin-responsive sideroblastische Anämie
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach der spezifischen Unterform und der zugrunde liegenden Ursache:
- Vitamin B6 (Pyridoxin): Hochdosierte Gabe bei Pyridoxin-responsiver sideroblastischer Anämie kann die Hämoglobinsynthese verbessern
- Behandlung der Grunderkrankung: Bei sekundären Formen steht die Therapie der auslösenden Erkrankung im Vordergrund
- Absetzen auslösender Medikamente oder Substanzen: Bei medikamentös oder toxisch bedingter Anämie
- Bluttransfusionen: Bei schwerer Anämie zur symptomatischen Behandlung
- Eisenchelierung: Bei sideroblastischer Anämie mit Eisenakkumulation zur Vorbeugung von Organschäden
- Stammzelltransplantation: In ausgewählten Fällen schwerer, therapierefraktärer Verläufe
Quellen
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) / BfArM: ICD-10-GM Version 2024 – Kapitel III: Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe, Code D64.8
- Swerdlow SH et al. (Hrsg.): WHO Classification of Tumours of Haematopoietic and Lymphoid Tissues. 4. Auflage, IARC Press, Lyon, 2017
- Kasper DL et al. (Hrsg.): Harrison's Principles of Internal Medicine. 21. Auflage, McGraw-Hill Education, 2022 – Kapitel: Anemias
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