H60.2 Maligne Otitis externa – Ursachen & Behandlung
H60.2 bezeichnet die maligne Otitis externa, eine schwere bakterielle Infektion des äußeren Gehörgangs, die vor allem ältere Menschen mit Diabetes betrifft.
Wissenswertes über "H60.2"
H60.2 bezeichnet die maligne Otitis externa, eine schwere bakterielle Infektion des äußeren Gehörgangs, die vor allem ältere Menschen mit Diabetes betrifft.
Was ist H60.2 – Maligne Otitis externa?
Der ICD-10-Code H60.2 steht für die maligne Otitis externa (auch nekrotisierende Otitis externa genannt). Trotz des Namens handelt es sich nicht um eine Krebserkrankung, sondern um eine schwerwiegende, lebensbedrohliche Infektion des äußeren Gehörgangs und der umliegenden Knochen- und Weichgewebestrukturen. Sie ist eine seltene, aber gefährliche Komplikation einer Otitis externa (Gehörgangsentzündung).
Ursachen
Die maligne Otitis externa wird in den meisten Fällen durch das Bakterium Pseudomonas aeruginosa verursacht. Es dringt über die Haut des Gehörgangs in tiefere Gewebeschichten vor und kann den Schädelknochen (Schлäfenbein) sowie benachbarte Strukturen befallen.
Wichtige Risikofaktoren sind:
- Diabetes mellitus (häufigster Risikofaktor)
- Geschwächtes Immunsystem (z. B. durch HIV, Chemotherapie oder Immunsuppressiva)
- Hohes Lebensalter
- Vorausgegangene Gehörgangsentzündungen
- Manipulationen am Gehörgang (z. B. mit Wattestsäbchen)
Symptome
Die Erkrankung beginnt häufig wie eine gewöhnliche Gehörgangsentzündung, nimmt jedoch einen deutlich schwereren Verlauf:
- Starke, anhaltende Ohrenschmerzen, die sich nachts verstärken
- Eitriger Ausfluss aus dem Ohr
- Schwellung und Rötung des Gehörgangs
- Granulationsgewebe (fleischiges Gewebe) im Gehörgang
- Bei Fortschreiten: Hirnnervenlähmungen (z. B. Fazialisparese – Lähmung des Gesichtsnervs)
- Kopfschmerzen und Fieber (weniger häufig)
Diagnose
Die Diagnose der malignen Otitis externa erfordert eine Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren:
- Ohrmikroskopie: Beurteilung des Gehörgangs durch den HNO-Arzt
- Abstrich und Erregernachweis: Identifikation des verursachenden Bakteriums
- CT oder MRT: Bildgebung zur Beurteilung der Knochen- und Weichteilbeteiligung
- Szintigraphie (Knochenszintigramm): Nachweis von Knochenentzündung (Osteomyelitis)
- Blut- und Laborwerte: Entzündungsparameter wie CRP und Leukozyten
Behandlung
Die Behandlung der malignen Otitis externa ist intensiv und langwierig:
Antibiotikatherapie
Die wichtigste Maßnahme ist eine langfristige Antibiotikatherapie, oft über 6–8 Wochen. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind Ciprofloxacin (Fluorchinolon) sowie bei Bedarf zusätzlich Piperacillin/Tazobactam oder Ceftazidim. Die Therapie beginnt meist intra-venös im Krankenhaus.
Chirurgische Maßnahmen
In schweren Fällen oder bei Versagen der konservativen Therapie kann eine chirurgische Abtragung von abgestorbenem Gewebe (Debridement) erforderlich sein.
Behandlung der Grunderkrankung
Eine optimale Blutzuckereinstellung bei Diabetes ist entscheidend für den Behandlungserfolg.
Verlaufskontrolle
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen (klinisch und bildgebend) sind notwendig, um den Therapieerfolg zu überwachen und Rückfälle frühzeitig zu erkennen.
Prognose
Bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter Behandlung ist die Prognose gut. Unbehandelt oder bei später Diagnose kann die Erkrankung jedoch lebensbedrohlich werden und zu Osteomyelitis des Schädelknochens, Hirnnervenschäden oder einer Ausbreitung ins Gehirn führen.
Quellen
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): ICD-10-GM Version 2024, Code H60.2 – Maligne Otitis externa.
- Chandler JR. Malignant external otitis. The Laryngoscope, 1968;78(8):1257–1294. PMID: 5668764.
- Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie (DGHNO-KHC): Otitis externa, 2023.
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