H70.8 - Sonstige Mastoiditis | ICD-10
H70.8 bezeichnet sonstige Formen der Mastoiditis nach ICD-10. Dabei handelt es sich um Entzündungen des Warzenfortsatzes hinter dem Ohr, die nicht den häufigen Standardformen entsprechen.
Wissenswertes über "H70.8"
H70.8 bezeichnet sonstige Formen der Mastoiditis nach ICD-10. Dabei handelt es sich um Entzündungen des Warzenfortsatzes hinter dem Ohr, die nicht den häufigen Standardformen entsprechen.
Was ist H70.8?
Der ICD-10-Code H70.8 steht für sonstige Formen der Mastoiditis – also Entzündungen des Mastoids (Warzenfortsatzes), die nicht unter die gängigen Hauptkategorien der Mastoiditis fallen. Der Warzenfortsatz ist ein knöcherner Fortsatz des Schuläfenbeins hinter der Ohrmuschel, der Hohlräume (Mastoidzellen) enthält, die mit der Paukenkhöhle des Mittelohrs verbunden sind.
Ursachen
Mastoiditis entsteht meist als Komplikation einer nicht ausreichend behandelten Mittelohrentzündung (Otitis media). Bei H70.8 können zusätzlich folgende Ursachen vorliegen:
- Seltene bakterielle Erreger (z. B. Mycobacterium tuberculosis, anaerobe Keime)
- Chronisch entzündliche Prozesse mit atypischem Verlauf
- Komplikationen nach operativen Eingriffen am Mastoid
- Granulomatosöse Erkrankungen, die das Mastoid betreffen
- Spezifische Infektionen im Rahmen von Immunschwäche
Symptome
Die Symptome einer Mastoiditis können je nach Verlaufsform variieren. Typische Zeichen sind:
- Schmerzen und Druckempfindlichkeit hinter dem betroffenen Ohr
- Rötung und Schwellung der Haut über dem Warzenfortsatz
- Vorstehendes Ohr durch retro-aurikuläre Schwellung
- Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl
- Ohrenausfluss (Otorrhoe)
- Hörverlust auf dem betroffenen Ohr
Bei seltenen oder atypischen Formen (H70.8) können die Beschwerden schleichend beginnen und zunächst weniger ausgeprägt sein.
Diagnose
Die Diagnose wird ärztlich gestellt und umfasst:
- Klinische Untersuchung: Inspektion des äußeren Ohrs und des Bereichs hinter dem Ohr
- Otoskopie: Untersuchung des Gehörgangs und des Trommelfells
- Bildgebung: CT (Computertomographie) oder MRT des Felsenbeins zur Beurteilung der Mastoidzellen
- Laboruntersuchungen: Blutbild, Entzündungsparameter (CRP, BSG)
- Abstrich und Kultur: Erregerisolierung aus Ohrsekret zur gezielten Antibiotikabehandlung
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung:
- Antibiotische Therapie: Häufig intravenous verabreichte Breitspektrum-Antibiotika; bei atypischen Erregern wird das Antibiotikum dem Antibiogramm angepasst
- Operative Intervention (Mastoidektomie): Bei Abszessbildung oder fehlendem Ansprechen auf die konservative Therapie kann eine chirurgische Ausfäumung des Mastoids notwendig sein
- Behandlung der Grunderkrankung: Bei spezifischen Ursachen (z. B. Tuberkulose) wird die entsprechende Zieltherapie eingeleitet
- Engmaschige Kontrolle: Regelmäßige HNO-ärztliche Nachkontrollen zur Überwachung des Heilungsverlaufs
Komplikationen
Eine unbehandelte oder unzureichend therapierte Mastoiditis kann zu schwerwiegenden Komplikationen führen:
- Subperiostaler Abszess (Eiteransammlung unter der Knochenhaut)
- Meningitis (Hirnhautentzündung)
- Hirnabszess
- Labyrinthitis (Entzündung des Innenohrs)
- Fazialisparese (Lähmung des Gesichtsnervs)
- Thrombose des Sinus sigmoideus
Quellen
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) / BfArM: ICD-10-GM Version 2024, Kapitel H70 – Mastoiditis und verwandte Zustände.
- Grevers, G. & Göke, M. (Hrsg.): Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme Verlag, Stuttgart, 2010.
- Kaplan, S.L. et al.: Mastoiditis in children – Diagnosis and Management. Pediatric Infectious Disease Journal, 2020.
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