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H74.2 – Diskontinuität der Gehörknöchelchen

H74.2 bezeichnet die Diskontinuität der Gehörknöchelchen im Mittelohr, die zu einer Schallleitungsschwerhörigkeit führt und verschiedene Ursachen haben kann.

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Wissenswertes über "H74.2"

H74.2 bezeichnet die Diskontinuität der Gehörknöchelchen im Mittelohr, die zu einer Schallleitungsschwerhörigkeit führt und verschiedene Ursachen haben kann.

Was ist H74.2?

Der ICD-10-Code H74.2 steht für die Diskontinuität der Gehörknöchelchen (auch: Unterbrechung der Gehörknöchelchenkette). Dabei ist die mechanische Verbindung zwischen den drei kleinen Knochen des Mittelohrs – Hammer (Malleus), Amboss (Incus) und Steigbügel (Stapes) – unterbrochen oder beschädigt. Diese Knochen sind für die Übertragung von Schallschwingungen vom Trommelfell zum Innenohr verantwortlich.

Ursachen

Eine Diskontinuität der Gehörknöchelchen kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:

  • Traumatische Verletzungen: Schädel-Hirn-Trauma, Barotrauma oder direkte Verletzungen des Ohres können die Knöchelchen verrenken oder brechen.
  • Chronische Mittelohrentzündung (Otitis media chronica): Langanhaltende Entzündungen können das Knochengewebe abbauen.
  • Cholesteatom: Dieses aggressiv wachsende Epidermisgewebe kann die Gehörknöchelchen zerstören.
  • Iatrogene Ursachen: Komplikationen nach Ohrenoperationen.
  • Angeborene Fehlbildungen: Seltene strukturelle Anomalien des Mittelohrs.

Symptome

Das Leitsymptom bei H74.2 ist eine Schallleitungsschwer­hörigkeit, die je nach Ausmaß der Unterbrechung unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann:

  • Deutliche Hörminderung auf dem betroffenen Ohr
  • Gefühl von Dämpfung oder Verstopfung im Ohr
  • Tinnitus (Ohrgeräusche) kann begleitend auftreten
  • Keine oder kaum Schmerzen bei rein mechanischer Unterbrechung

Diagnose

Zur Diagnose einer Gehörknöchelchendiskontinuität kommen folgende Untersuchungen zum Einsatz:

  • Audiometrie: Das Reinton-Audiogramm zeigt einen typischen Schallleitungsdefekt mit einer Knochen-Luft-Lücke (Air-Bone-Gap), oft von 50–60 dB.
  • Tympanometrie: Das Tympanogramm kann auffällige Muster zeigen, z. B. einen hochamplitudigen Typ-Ad-Befund.
  • Hochauflösende Computertomographie (HR-CT) des Felsenbeins: Ermöglicht die genaue Darstellung der Gehörknöchelchen und die Lokalisation der Unterbrechung.
  • HNO-ärztliche Inspektion und Mikroskopie: Beurteilung des Trommelfells und des äußeren Gehörgangs.

Behandlung

Die Therapie richtet sich nach der Ursache und dem Ausmaß der Schädigung:

Operative Behandlung

Die wichtigste Behandlungsmöglichkeit ist die Tympanoplastik (Mittelohrrekonstruktion), bei der die unterbrochene Gehörknöchelchenkette wiederhergestellt wird. Je nach Befund werden folgende Verfahren eingesetzt:

  • Ossikuloplastik: Wiederherstellung der Knöchelchenkette durch Eigenknorpel, Knochen oder Prothesen (z. B. PORP oder TORP – partielle bzw. totale Ossikelprothesen).
  • Cholesteatom-Sanierung: Bei Cholesteatom als Ursache wird zunächst das Cholesteatom entfernt, bevor eine Rekonstruktion erfolgt.

Konservative und apparative Therapie

Wenn eine Operation nicht möglich oder nicht gewünscht ist, kann eine Hörgeräteversorgung (insbesondere knochenverankerte Geräte wie BAHA) die Hörleistung verbessern.

Prognose

Die Prognose hängt stark von der Ursache und dem gewählten Therapieverfahren ab. Nach erfolgreicher operativer Rekonstruktion kann das Hörvermögen in vielen Fällen deutlich verbessert oder normalisiert werden. Bei frühzeitiger Behandlung sind die Erfolgsaussichten gut.

Quellen

  1. Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 268. Auflage, De Gruyter, 2020.
  2. Tos M. Manual of Middle Ear Surgery. Thieme, 1993–2009.
  3. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): ICD-10-GM, Kapitel VIII – Krankheiten des Ohres. Verfügbar unter: https://www.dimdi.de

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