H74.3 Verwachsung der Gehörknöchelchen
H74.3 bezeichnet laut ICD-10 eine Verwachsung der Gehörknöchelchen im Mittelohr, die zu einer eingeschränkten Schallleitung und Hörverlust führen kann.
Wissenswertes über "H74.3"
H74.3 bezeichnet laut ICD-10 eine Verwachsung der Gehörknöchelchen im Mittelohr, die zu einer eingeschränkten Schallleitung und Hörverlust führen kann.
Was bedeutet ICD-10 H74.3?
Der ICD-10-Code H74.3 steht für Verwachsung der Gehörknöchelchen (Ossikelankylosis), eine Erkrankung des Mittelohrs. Die drei kleinen Knochen des Mittelohrs – Hammer (Malleus), Amboss (Incus) und Steigbügel (Stapes) – sind normalerweise beweglich und leiten Schallwellen vom Trommelfell an das Innenohr weiter. Bei einer Verwachsung verkleben oder verknochern diese Strukturen miteinander oder mit der Mittelohrwand, wodurch ihre Beweglichkeit eingeschränkt wird.
Ursachen
Die Verwachsung der Gehörknöchelchen kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:
- Otosklerose: Eine der häufigsten Ursachen, bei der es zu einer krankhaften Knochenumbauprozessen im Mittel- und Innenohr kommt.
- Chronische Mittelohrentzündung (Otitis media chronica): Wiederholte oder langanhaltende Entzündungen können zu Narbengewebe und Verwachsungen führen.
- Trauma: Verletzungen des Mittelohrs können zu Vernarbungen und Ankylosen führen.
- Angeborene Fehlbildungen: In seltenen Fällen sind Verwachsungen der Gehörknöchelchen angeboren.
- Tympanosklerose: Kalkablagerungen im Mittelohr nach chronischen Entzündungen können die Beweglichkeit der Knöchelchen einschränken.
Symptome
Das Leitsymptom bei H74.3 ist ein Schalleitungsschwerhörigkeit, also ein Hörverlust, der durch eine gestörte mechanische Übertragung des Schalls entsteht. Typische Beschwerden umfassen:
- Allmählich zunehmender Hörverlust, meist einseitig
- Dumpfes oder gedDämpftes Hören
- Ohrgeräusche (Tinnitus), insbesondere bei Otosklerose
- Gelegentlich Schwindelgefühl
- Kaum Ohrenschmerzen, sofern keine aktive Entzündung vorliegt
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung und speziellen Hörtests:
- Otoskopie: Inspektion des Gehörgangs und Trommelfells
- Tympanometrie: Messung der Beweglichkeit des Trommelfells und der Mittelohrfunktion; bei Verwachsungen zeigt sich häufig eine verminderte Compliance (Typ As oder Typ B Kurve)
- Audiogramm (Tonaudiometrie): Nachweis einer Schalleitungsschwerhörigkeit mit Knochen-Luft-Differenz
- Computertomographie (CT) des Felsenbeins: Zur Visualisierung der Ossikelstruktur und zum Nachweis von Verkalkungen oder Verwachsungen
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß der Verwachsung und dem Leidensdruck des Patienten:
Konservative Maßnahmen
- Versorgung mit einem Hörgerät zur Kompensation des Hörverlustes, insbesondere wenn ein chirurgischer Eingriff nicht möglich oder gewünscht ist
- Bei otosklerosebedingter Erkrankung: in bestimmten Fällen medikamentöse Therapieversuche (z. B. Natriumfluorid), deren Wirksamkeit jedoch begrenzt ist
Chirurgische Maßnahmen
- Stapedektomie / Stapedotomie: Operative Entfernung oder Mobilisierung des Steigbügels bei Otosklerose, oft mit Einsetzen einer Prothese
- Ossikulo-plastik (Tympanoplastik Typ III/IV): Rekonstruktion der Gehörknöchelchenkette bei ausgedehnten Verwachsungen oder nach Entzündungen
- Implantierbare Hörsysteme: Bei unzureichendem Ergebnis konventioneller Hörgeräte oder nach mehrfachen Operationen
Prognose
Die Prognose hängt von der Ursache und dem Ausmaß der Verwachsung ab. Bei frühzeitiger operativer Therapie, insbesondere bei der Stapedotomie, ist in vielen Fällen eine deutliche Verbesserung des Hörens möglich. Bei ausgedehnten Verwachsungen oder gleichzeitig bestehendem Innenohrschaden ist die Prognose zurückhaltender zu bewerten.
Quellen
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) / BfArM: ICD-10-GM Version 2024, Kapitel VIII: Krankheiten des Ohres und des Warzenfortsatzes (H60–H95). https://www.bfarm.de/icd10gm
- Boenninghaus H.-G., Lenarz T.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. 14. Auflage. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2012.
- Kempf H.-G., Lenarz T.: Otosklerose und Stapeschirurgie. In: Laryngo-Rhino-Otologie, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2007.
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