H81.1 – Benigner paroxysmaler Lageschwindel
H81.1 bezeichnet den benignen paroxysmalen Lageschwindel (BPLS) – eine häufige Gleichgewichtsstörung des Innenohrs mit kurzen, heftigen Schwindelattacken bei Lagewechsel.
Wissenswertes über "H81.1"
H81.1 bezeichnet den benignen paroxysmalen Lageschwindel (BPLS) – eine häufige Gleichgewichtsstörung des Innenohrs mit kurzen, heftigen Schwindelattacken bei Lagewechsel.
Was ist H81.1 – Benigner paroxysmaler Lageschwindel?
Der benigne paroxysmale Lageschwindel (Abkürzung: BPLS, englisch: BPPV – Benign Paroxysmal Positional Vertigo) ist eine der häufigsten Ursachen für Schwindel beim Menschen. Der ICD-10-Code H81.1 beschreibt diese Erkrankung im internationalen Klassifikationssystem für Krankheiten. Der Begriff setzt sich zusammen aus: benigne (gutartig), paroxysmal (anfallartig) und Lageschwindel (ausgelöst durch bestimmte Kopfpositionen). Die Erkrankung ist zwar sehr unangenehm, aber in der Regel harmlos und gut behandelbar.
Ursachen
Der benigne paroxysmale Lageschwindel entsteht durch kleine Kalkkristalle (Otolithen), die sich im Innenohr befinden und ihre normale Position verlassen haben. Diese Kristalle geraten in die halbkreisförmigen Kanäle des Gleichgewichtsorgans und stören dort die Wahrnehmung von Bewegungen, was zu Schwindelanfällen führt.
- Idiopathisch: In vielen Fällen ist keine klare Ursache erkennbar.
- Kopfverletzungen: Traumata können die Otolithen aus ihrer Position lösen.
- Innenohrerkrankungen: Zum Beispiel eine Labyrinthitis oder Morbus Ménière.
- Alter: Mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit zu, da die Kristalle brüchiger werden.
- Längere Bettlägerigkeit: Kann die Ablagerung von Otolithen begünstigen.
- Osteoporose und Vitamin-D-Mangel: Werden als mögliche Risikofaktoren diskutiert.
Symptome
Das Leitsymptom ist ein kurzer, heftiger Drehschwindel, der typischerweise bei bestimmten Kopf- oder Körperbewegungen auftritt. Charakteristisch ist, dass die Attacken meist nur wenige Sekunden bis maximal eine Minute andauern.
- Plötzlicher Drehschwindel beim Aufstehen, Hinlegen oder Umdrehen im Bett
- Schwindel beim Rückwärtsneigen des Kopfes (z. B. beim Blick nach oben)
- Begleitender Nystagmus (unwillkürliche Augenbewegungen)
- Übelkeit und gelegentlich Erbrechen
- Gleichgewichtsstörungen und Unsicherheit beim Gehen
- Kein Hörverlust und kein Tinnitus (im Gegensatz zu anderen Innenohrerkrankungen)
Diagnose
Die Diagnose des benignen paroxysmalen Lageschwindels erfolgt hauptsächlich klinisch, also durch eine gezielte körperliche Untersuchung. Technische Geräte sind meist nicht notwendig.
Dix-Hallpike-Test
Der Dix-Hallpike-Test ist das wichtigste diagnostische Verfahren. Dabei wird der Patient aus der sitzenden Position rasch in die Rückenlage mit zur Seite geneigtem und leicht überstrecktem Kopf gebracht. Ein positiver Test zeigt sich durch das Auftreten von Schwindel und Nystagmus.
Roll-Test (McClure-Pagnini-Test)
Dieser Test wird eingesetzt, wenn der horizontale Bogengang betroffen ist. Der Patient liegt dabei auf dem Rücken und dreht den Kopf zur Seite.
Weitere Diagnostik
- Ausschluss zentralnervöser Ursachen durch MRT oder CT bei untypischen Befunden
- Audiometrie zum Ausschluss von Hörstörungen
- Blutdruckmessungen zum Ausschluss eines orthostatischen Schwindels
Behandlung
Der benigne paroxysmale Lageschwindel ist sehr gut behandelbar. Die Therapie der ersten Wahl sind spezielle Lagerungsmanöver, die die fehlplatzierten Otolithen zurück an ihre richtige Position bringen.
Epley-Manöver
Das Epley-Manöver ist das am häufigsten angewendete und wirksamste Verfahren beim hinteren Bogengang-BPLS. Durch eine Abfolge von Kopfbewegungen werden die Otolithen aus dem Bogengang in den Vorhof des Innenohrs befördert. In vielen Fällen reicht eine einzige Sitzung aus.
Semont-Manöver
Das Semont-Manöver ist eine Alternative zum Epley-Manöver und wird ebenfalls beim hinteren Bogengang eingesetzt.
Barbecue-Roll-Manöver
Bei Beteiligung des horizontalen Bogengangs wird das Barbecue-Roll-Manöver (auch Lempert-Manöver) angewendet.
Medikamentöse Therapie
Medikamente wie Antivertiginosa (z. B. Dimenhydrinat) können zur kurzfristigen Linderung von Übelkeit eingesetzt werden, beheben jedoch nicht die eigentliche Ursache. Eine langfristige medikamentöse Therapie wird nicht empfohlen.
Physiotherapie und Gleichgewichtstraining
Ergänzend kann vestibuläre Rehabilitation durch speziell ausgebildete Physiotherapeuten helfen, das Gleichgewichtssystem zu trainieren und Rückfälle zu reduzieren.
Verlauf und Prognose
Der benigne paroxysmale Lageschwindel hat eine gute Prognose. Nach erfolgreicher Durchführung von Lagerungsmanövern verschwinden die Beschwerden bei den meisten Patienten schnell. Allerdings können Rückfälle auftreten, insbesondere im ersten Jahr nach der Ersterkrankung. In seltenen Fällen werden regelmäßige Wiederholungsbehandlungen nötig.
Quellen
- Bhattacharyya N et al. – Clinical Practice Guideline: Benign Paroxysmal Positional Vertigo (Update). Otolaryngology – Head and Neck Surgery. 2017.
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) – ICD-10-GM Version 2024, Kapitel H81.1.
- Kim JS, Zee DS – Benign Paroxysmal Positional Vertigo. New England Journal of Medicine. 2014;370(12):1138–1147.
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