H90.1 - Einseitige Schallleitungsschwerhörigkeit
H90.1 ist der ICD-10-Code für einseitige Schallleitungsschwerörigkeit mit normalem Hörvermögen auf der anderen Seite. Diese Hörstörung entsteht durch eine Beeinträchtigung der Schallweiterleitung im Außen- oder Mittelohr.
Wissenswertes über "H90.1"
H90.1 ist der ICD-10-Code für einseitige Schallleitungsschwerörigkeit mit normalem Hörvermögen auf der anderen Seite. Diese Hörstörung entsteht durch eine Beeinträchtigung der Schallweiterleitung im Außen- oder Mittelohr.
Definition und ICD-10-Code H90.1
H90.1 ist ein Diagnosecode aus der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) und bezeichnet eine einseitige Schallleitungsschwerörigkeit bei normalem Hörvermögen auf der kontralateralen (gegenüberliegenden) Seite. Bei einer Schallleitungsschwerörigkeit ist die mechanische Übertragung von Schallwellen vom Außenohr über das Mittelohr zum Innenohr gestört, während der Hörnerv und das Innenohr selbst in der Regel intakt sind.
Ursachen
Eine Schallleitungsschwerörigkeit gemäß H90.1 kann durch verschiedene Erkrankungen und Zustände ausgelöst werden:
- Otitis media (Mittelohrentzündung): Eine der häufigsten Ursachen, insbesondere bei Kindern. Flüssigkeit oder Eiter im Mittelohr behindern die Schwingung der Gehörknöchelchen.
- Ohrenschmalzpfropf (Cerumen obturans): Verstopfung des Gehörgangs durch angesammeltes Ohrenschmalz.
- Otosklerose: Eine Erkrankung, bei der die Gehörknöchelchen, insbesondere der Steigbügel, durch knochige Umbauprozesse in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt werden.
- Trommelfellperforation: Ein Loch oder Riss im Trommelfell, oft nach Infektionen oder Verletzungen.
- Paukenergüss (Seromukotympanum): Ansammlung von Flüssigkeit im Mittelohr ohne akute Entzündungszeichen.
- Fehlbildungen: Angeborene Strukturveränderungen des Außen- oder Mittelohrs.
Symptome
Die typischen Beschwerden bei H90.1 umfassen:
- Einseitige Hörminderung, die sich vor allem bei Gesprächen und im Lärm bemerkbar macht
- Gefühl von Druckgefühl oder Verschluss im betroffenen Ohr
- Gedumpftes oder dumpfes Hören (wie durch Watte)
- Gelegentlich Tinnitus (Ohrgeräusche) auf der betroffenen Seite
- Schwierigkeiten bei der Richtungswahrnehmung von Geräuschen
Diagnose
Die Diagnose einer Schallleitungsschwerörigkeit nach H90.1 erfolgt durch verschiedene Untersuchungen:
- Otoskopie: Sichtprüfung des Gehörgangs und Trommelfells mit einem Otoskop.
- Audiometrie (Tonaudiogramm): Messung der Hörschwelle bei verschiedenen Frequenzen. Bei Schallleitungsschwerörigkeit zeigt sich eine typische Differenz zwischen Luft- und Knochenleitung (sogenannte Luftknochenleitungsdifferenz oder Air-Bone-Gap).
- Tympanometrie: Messung der Beweglichkeit des Trommelfells zur Beurteilung des Mittelohrs.
- Weber- und Rinne-Test: Stimmgabelversuche zur orientierenden Differenzierung zwischen Schalleitungs- und Schallempfindungsstörungen.
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:
- Cerumen-Entfernung: Spülung oder manuelle Entfernung von Ohrenschmalz beim HNO-Arzt.
- Antibiotika oder Nasentropfen: Bei bakterieller Mittelohrentzündung oder Tube-Dysfunktion.
- Paukenröhrchen (Tympanostomie): Einsetzen kleiner Röhrchen in das Trommelfell zur Drainage bei chronischem Paukenergüss, besonders bei Kindern.
- Operativer Eingriff (Tympanoplastik, Stapedektomie): Bei Trommelfellperforation oder Otosklerose können operative Verfahren zur Wiederherstellung der normalen Schallleitung eingesetzt werden.
- Hörgerät: Bei dauerhafter Hörminderung kann die Versorgung mit einem Hörgerät oder einem knochenverankerten Hörsystem (z. B. BAHA) sinnvoll sein.
Abgrenzung zu verwandten ICD-10-Codes
Im ICD-10-Kapitel H90 werden verschiedene Formen der Hörminderung unterschieden:
- H90.0: Beidseitige Schallleitungsschwerörigkeit
- H90.1: Einseitige Schallleitungsschwerörigkeit bei normalem Hörvermögen der Gegenseite
- H90.2: Schallleitungsschwerörigkeit, nicht näher bezeichnet
- H90.3–H90.5: Schallempfindungsstörungen (sensorineural)
- H90.6–H90.8: Kombinierte Schallleitungs- und Schallempfindungsstörungen
Quellen
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) / BfArM: ICD-10-GM Version 2024, Kapitel VIII, H90 – H90.1 Schallleitungsschwerörigkeit, einseitig mit normalem Hörvermögen auf der nicht betroffenen Seite.
- Boenninghaus, H.-G. & Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. 14. Auflage. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2012.
- World Health Organization (WHO): International Classification of Diseases, 10th Revision (ICD-10). H90 Conductive and sensorineural hearing loss. Genf 2019.
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