H90.3 – Beidseitige Schallleitungsschwerhörigkeit
H90.3 bezeichnet eine beidseitige Schallleitungsschwerhörigkeit. Hierbei ist die Schallweiterleitung zum Innenohr beeinträchtigt, was zu einem verminderten Hörvermögen führt.
Wissenswertes über "H90.3"
H90.3 bezeichnet eine beidseitige Schallleitungsschwerhörigkeit. Hierbei ist die Schallweiterleitung zum Innenohr beeinträchtigt, was zu einem verminderten Hörvermögen führt.
Definition
H90.3 ist ein Diagnosecode aus der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) und bezeichnet eine beidseitige Schallleitungsschwerhörigkeit (auch: bilaterale konduktive Schwerhörigkeit). Bei dieser Form der Schwerhörigkeit ist die mechanische Weiterleitung von Schall über den äußeren Gehörgang, das Trommelfell oder die Gehörknöchelchen des Mittelohrs zum Innenohr beeinträchtigt.
Ursachen
Schallleitungsschwerhörigkeit kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, die die mechanische Schallweiterleitung behindern:
- Ohrenschmalzpfropf (Cerumen obturans): Verstopfung des äußeren Gehörgangs durch angesammeltes Ohrenschmalz
- Mittelohrentzündung (Otitis media): Entzündung des Mittelohrs, oft mit Flüssigkeitsansammlung
- Seromukotympanon (Paukenhöhlenerguß): Flüssigkeitsansammlung hinter dem Trommelfell ohne akute Entzündung
- Trommelfellperforation: Ein Loch oder Riss im Trommelfell
- Otosklerose: Krankhafte Verknöcherung im Mittelohr, die die Beweglichkeit der Gehörknöchelchen einschränkt
- Fehlbildungen: Angeborene Anomalien des äußeren Ohrs oder Mittelohrs
- Fremdkörper: Im äußeren Gehörgang eingebrachte Fremdkörper
Symptome
Die typischen Symptome einer beidseitigen Schallleitungsschwerhörigkeit umfassen:
- Verminderte Lautstärkewahrnehmung auf beiden Ohren
- Gefühl von Dumpfheit oder Verstopftsein der Ohren
- Schwierigkeiten beim Verstehen von Sprache, insbesondere in lauten Umgebungen
- Autoophonie (verstärktes Wahrnehmen der eigenen Stimme)
- Gelegentlich Ohrenschmerzen oder Drückgefühl im Ohr
Diagnose
Die Diagnose einer Schallleitungsschwerhörigkeit erfolgt durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt) mithilfe verschiedener Untersuchungsmethoden:
- Otoskopie: Direkte Betrachtung des Gehörgangs und Trommelfells mit einem Otoskop
- Stimmgabeltest (Weber- und Rinne-Test): Einfache Tests zur Unterscheidung von Schalleitungs- und Schallempfindungsstörungen
- Tonaudiometrie: Messung des Hörvermögens über verschiedene Frequenzen; bei Schallleitungsschwerhörigkeit zeigt sich eine Luftleitungsstörung bei erhaltener Knochenleitung
- Tympanometrie: Messung der Beweglichkeit des Trommelfells zur Beurteilung des Mittelohrs
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache:
- Zerumenentfernung: Professionelle Entfernung eines Ohrenschmalzpfropfs durch den HNO-Arzt
- Medikamentöse Therapie: Antibiotika oder abschwellende Mittel bei Mittelohrentzündung
- Parazentese und Paukendrainage: Kleiner Einschnitt ins Trommelfell zur Ableitung von Flüssigkeit aus dem Mittelohr
- Operative Eingriffe: Z.B. Tympanoplastik (Trommelfellrekonstruktion) oder Stapesplastik bei Otosklerose
- Hörgeräte: Bei dauerhafter Schwerhörigkeit, insbesondere wenn eine operative Behandlung nicht möglich ist
- Knochenverankerte Hörsysteme (BAHA): Bei schwereren Fällen oder Fehlbildungen des Ohrs
Verlauf und Prognose
Die Prognose einer Schallleitungsschwerhörigkeit ist in vielen Fällen gut, da die Ursache häufig behandelbar ist. Bei frühzeitiger und angemessener Therapie kann das Hörvermögen in vielen Fällen vollständig oder weitgehend wiederhergestellt werden. Unbehandelt kann eine beidseitige Schwerhörigkeit jedoch zu erheblichen Einschränkungen im Alltag und bei Kindern zu Entwicklungsverzögerungen führen.
Quellen
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): ICD-10-GM Version 2024, Kapitel VIII: Krankheiten des Ohres und des Warzenfortsatzes (H60-H95). Bundesministerium für Gesundheit, Berlin.
- Boenninghaus, H.-G.; Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. 14. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2012.
- World Health Organization (WHO): ICD-10: International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, 10th Revision. WHO, Genf 2019. Verfügbar unter: https://www.who.int/classifications/icd/
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