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K59.2 – Neurogene Darmstörung: Ursachen & Therapie

K59.2 ist der ICD-10-Code für neurogene Darmstörung. Dabei ist die Darmfunktion durch eine Schädigung des Nervensystems beeinträchtigt.

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Wissenswertes über "K59.2"

K59.2 ist der ICD-10-Code für neurogene Darmstörung. Dabei ist die Darmfunktion durch eine Schädigung des Nervensystems beeinträchtigt.

Was bedeutet K59.2?

Der ICD-10-Code K59.2 steht für die neurogene Darmstörung (auch: neurogene Darmfunktionsstörung). Hierbei ist die normale Steuerung der Darmbewegungen und der Stuhlentleerung durch eine Schädigung oder Erkrankung des Nervensystems beeinträchtigt. Der Darm arbeitet nicht mehr selbstständig und koordiniert, was zu erheblichen Beschwerden im Alltag führen kann.

Ursachen

Die neurogene Darmstörung entsteht durch eine Unterbrechung oder Beeinträchtigung der Nervenverbindungen, die den Darm steuern. Häufige Ursachen sind:

  • Rückenmarksverletzungen (z. B. nach Unfällen oder Operationen)
  • Multiple Sklerose
  • Morbus Parkinson
  • Spina bifida (angeborene Fehlbildung der Wirbelsäule)
  • Diabetes mellitus mit autonomer Neuropathie
  • Schlaganfall oder andere Hirnschäden
  • Tumoren, die auf das Rückenmark oder Nerven drücken

Symptome

Die Symptome einer neurogenen Darmstörung hängen davon ab, welche Nerven betroffen sind und ob es sich um eine Schädigung des oberen oder unteren Motoneurons handelt:

  • Verstopfung (Obstipation): verlangsamte Darmpassage, seltener Stuhlgang
  • Stuhlinkontinenz: unkontrollierter Abgang von Stuhl
  • Blähungen und Bauchkrämpfe
  • Schwierigkeiten bei der Entleerung (Defäkationsprobleme)
  • Fehlende oder veränderte Wahrnehmung des Stuhldrangs

Oberes Motoneuron-Syndrom

Bei Schädigungen oberhalb des Sakralmarks (z. B. Halsmark- oder Brustmarkverletzungen) ist der Darm üblicherweise spastisch. Der Schließmuskel ist erhöht gespannt, und der Stuhlgang muss durch Techniken wie digitale Stimulation ausgelöst werden.

Unteres Motoneuron-Syndrom

Bei Schädigungen im Bereich des Sakralmarks oder darunter (z. B. Cauda-equina-Syndrom) ist der Darm schlaff. Der Schließmuskel hat einen verminderten Tonus, was zu Inkontinenz führen kann.

Diagnose

Die Diagnose einer neurogenen Darmstörung erfolgt durch eine Kombination verschiedener Untersuchungen:

  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Befragung zu Beschwerden, Stuhlgewohnheiten und der Grunderkrankung
  • Neurologische Untersuchung: Beurteilung der Reflexe und der Nervenfunktion
  • Kolontransitmessung: Messung der Darmpassagezeit mit Röntgenkapseln
  • Anorektale Manometrie: Druckmessung im Enddarm und Schließmuskelbereich
  • MRT oder CT der Wirbelsäule: Darstellung von Nervenschäden oder Tumoren
  • Defäkographie: Bildgebung der Stuhlentleerung

Behandlung

Die Behandlung der neurogenen Darmstörung zielt darauf ab, eine regelmäßige und kontrollierte Darmentleerung zu ermöglichen und die Lebensqualität zu verbessern. Sie richtet sich nach der Grunderkrankung und dem Schweregrad der Beschwerden.

Konservative Maßnahmen

  • Darmmanagement-Programm: Festlegen fester Entleerungszeiten, oft in Verbindung mit Mahlzeiten (gastrokolischer Reflex)
  • Diätänderungen: ballaststoffreiche Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Digitale Rektumstimulation: manuelle Stimulation des Enddarms zur Auslösung der Darmentleerung
  • Digitale Ausräumung: manuelle Entfernung von Stuhl bei fehlender Eigenmotorik
  • Klistiere und Einläufe: transanale Irrigation zur Reinigung des Darms

Medikamentöse Therapie

  • Laxanzien (Abführmittel): z. B. Macrogol, Bisacodyl zur Unterstützung der Darmentleerung
  • Prokinetika: Medikamente zur Förderung der Darmbeweglichkeit
  • Suppositorien (Darmzäpfchen): z. B. Glycerin oder Bisacodyl-Zäpfchen zur lokalen Stimulation

Interventionelle und chirurgische Optionen

  • Transanale Irrigation (TAI): regelmäßiges Spülen des Darms über den After mit Wasser
  • Sakrale Neurostimulation: elektrische Stimulation der Sakralnerven zur Verbesserung der Darmfunktion
  • Stomachirurgie: in schweren Fällen Anlage eines künstlichen Darmausgangs (Stoma)

Quellen

  1. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) / BfArM: ICD-10-GM Version 2024, Kapitel XI – Krankheiten des Verdauungssystems, K59.2.
  2. Krogh K, Christensen P. Neurogenic colorectal and pelvic floor dysfunction. Best Practice & Research Clinical Gastroenterology. 2009;23(4):531–543. doi:10.1016/j.bpg.2009.04.012.
  3. Stiens SA, Bergman SB, Goetz LL. Neurogenic bowel dysfunction after spinal cord injury: clinical evaluation and rehabilitative management. Archives of Physical Medicine and Rehabilitation. 1997;78(3 Suppl):S86–S102.

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