K90.4 – Malabsorption nach Chirurgie | ICD-10
K90.4 ist der ICD-10-Code für Malabsorptionssyndrome nach chirurgischen Eingriffen. Er beschreibt Störungen der Nährstoffaufnahme im Darm infolge von Operationen.
Wissenswertes über "K90.4"
K90.4 ist der ICD-10-Code für Malabsorptionssyndrome nach chirurgischen Eingriffen. Er beschreibt Störungen der Nährstoffaufnahme im Darm infolge von Operationen.
Was bedeutet der ICD-10-Code K90.4?
Der ICD-10-Code K90.4 steht für Malabsorptionssyndrome nach chirurgischen Eingriffen. Malabsorption bezeichnet eine gestörte Aufnahme von Nährstoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen im Dünn- oder Dickdarm. Wenn diese Störung als direkte Folge einer Operation am Magen-Darm-Trakt auftritt, wird sie unter diesem Code klassifiziert.
Ursachen
Der Code K90.4 wird vergeben, wenn eine Malabsorption durch einen chirurgischen Eingriff verursacht wird. Typische Auslöser sind:
- Magenresektion (teilweise oder vollständige Entfernung des Magens, z. B. bei Magenkrebs oder Adipositaschirurgie)
- Dünndarmresektion (Entfernung von Teilen des Dünndarms, z. B. bei Morbus Crohn oder Darmkrebs)
- Bariatrische Eingriffe wie Magenbypass oder Sleeve-Gastrektomie
- Anlage eines Stomas (künstlicher Darmausgang)
- Kolektomie (Entfernung des Dickdarms)
Diese Eingriffe können die Resorptionsfläche des Darms verringern, die Passagezeit des Nahrungsbreis verändern oder die Produktion von Verdauungsenzymen und -säften beeinträchtigen.
Symptome
Die Symptome einer postoperativen Malabsorption können je nach Art und Ausmaß des Eingriffs variieren. Häufige Beschwerden sind:
- Chronischer Durchfall oder breiiger Stuhl
- Fettstuhl (Steatorrhö): glitzernder, übel riechender Stuhl mit erhöhtem Fettgehalt
- Ungewollter Gewichtsverlust
- Blutarmut (Anämie) durch Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure
- Knochenabbau (Osteoporose) durch Kalzium- und Vitamin-D-Mangel
- Allgemeine Schwäche und Müdigkeit
- Mündungsschleimhaut-Veränderungen durch Vitamin- und Spurenelementmängel
- Bauchschmerzen und Blähungen
Diagnose
Die Diagnose einer postoperativen Malabsorption erfolgt anhand verschiedener Untersuchungen:
- Blutuntersuchungen: Bestimmung von Albumin, Präalbumin, Vitaminen (B12, D, E, K), Mineralstoffen (Kalzium, Magnesium, Zink, Eisen) und Hämoglobin
- Stuhluntersuchungen: Nachweis von Fett im Stuhl (Stuhlfettbestimmung), Elastase-Test zur Beurteilung der Bauchspeicheldrüsenfunktion
- Bildgebende Verfahren: Ultraschall, Computertomografie (CT) oder Endoskopie zur Beurteilung des Restdarms
- Atemtests: z. B. H2-Atemtest zum Nachweis einer bakteriellen Fehlbesiedlung des Dünndarms (SIBO)
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Malabsorption:
Ernährungstherapie
Eine angepasste Ernährungstherapie ist die Grundlage der Behandlung. Je nach Situation kommen zum Einsatz:
- Hochkalorische, leicht resorbierbare Kost
- Kleine, häufige Mahlzeiten
- Fettreduzierte Ernährung bei Fettstuhl, ggf. mit MCT-Fetten (mittelkettige Triglyzeride)
- Enterale Ernährung (Sondenkost) oder parenterale Ernährung (intra-venöse Zufuhr) bei schwerer Mangelernährung
Substitution von Nährstoffen
Fehlende Nährstoffe werden gezielt ersetzt, zum Beispiel:
- Vitamin B12 (oft als Injektion, da orale Aufnahme nach Magenresektion eingeschränkt sein kann)
- Eisen, Folsäure, Kalzium, Vitamin D, Zink, Magnesium
- Fettlösliche Vitamine (A, D, E, K)
Medikamentöse Behandlung
- Pankreasenzymer bei unzureichender Verdauungsleistung
- Antibiotika bei bakterieller Dünndarmbesiedelung (SIBO)
- Antidiarrhoika bei starkem Durchfall
Verlaufskontrollen
Regelmäßige Blut- und Nährstoffkontrollen sind wichtig, um Mängel frühzeitig zu erkennen und die Therapie anzupassen.
Quellen
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): ICD-10 Version 2019 – K90 Intestinal malabsorption. Verfügbar unter: https://icd.who.int/browse10/2019/en#/K90
- Kasper H, Burghardt W: Ernährungsmedizin und Diätetik. 12. Auflage. Urban & Fischer Verlag, München 2014.
- Mundi MS et al.: Prevalence of home parenteral and enteral nutrition in the United States. Nutr Clin Pract. 2017;32(6):799–805. doi:10.1177/0884533617718472
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