Milzfunktionstest – Diagnose & Bedeutung
Der Milzfunktionstest ist ein diagnostisches Verfahren zur Beurteilung der Funktion der Milz. Er hilft, Erkrankungen wie Hyposplenismus oder Asplenie frühzeitig zu erkennen.
Tipps & Infos zu Gesundheitsthemen Tipps & Infos zu GesundheitsthemenWissenswertes über "Milzfunktionstest"
Der Milzfunktionstest ist ein diagnostisches Verfahren zur Beurteilung der Funktion der Milz. Er hilft, Erkrankungen wie Hyposplenismus oder Asplenie frühzeitig zu erkennen.
Was ist ein Milzfunktionstest?
Der Milzfunktionstest bezeichnet eine Gruppe diagnostischer Untersuchungen, mit denen die Funktion der Milz beurteilt wird. Die Milz ist ein wichtiges Organ des Immunsystems und des blutbildenden Systems. Sie filtert das Blut, beseitigt veraltete oder beschädigte rote Blutkörperchen und spielt eine zentrale Rolle bei der Abwehr von bestimmten Krankheitserregern, insbesondere von bekapselten Bakterien wie Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae und Neisseria meningitidis.
Ein Milzfunktionstest wird eingesetzt, wenn der Verdacht besteht, dass die Milz ihre Aufgaben nicht oder nur eingeschränkt erfüllt. Dies kann nach einer operativen Entfernung der Milz (Splenektomie), bei bestimmten Bluterkrankungen oder bei angeborenen Immundefekten der Fall sein.
Wann wird ein Milzfunktionstest durchgeführt?
Der Test ist besonders relevant bei folgenden klinischen Situationen:
- Nach einer Splenektomie (operative Milzentfernung), z. B. nach einem Trauma oder bei Erkrankungen wie Morbus Hodgkin
- Bei Verdacht auf Hyposplenismus (verminderte Milzfunktion), z. B. bei Sichelzellkrankheit, Zöliakie oder systemischem Lupus erythematodes
- Bei Asplenie (angeborenes oder erworbenes Fehlen der Milz)
- Zur Überwachung von Patienten mit hämatologischen Erkrankungen wie Thalassämie
- Bei wiederkehrenden schweren Infektionen durch bekapselte Bakterien
Methoden des Milzfunktionstests
Blutausstrich und Nachweis von Howell-Jolly-Körperchen
Die am häufigsten verwendete Methode ist die mikroskopische Untersuchung eines Blutausstrichs. Dabei wird nach sogenannten Howell-Jolly-Körperchen gesucht. Dabei handelt es sich um kleine Reste von Zellkernmaterial in roten Blutkörperchen, die normalerweise von einer gesunden Milz herausgefiltert werden. Sind diese Einschlüsse im Blut nachweisbar, deutet dies auf eine eingeschränkte oder fehlende Milzfunktion hin.
Szintigraphie der Milz
Bei der Milzszintigraphie werden mit einem schwach radioaktiven Stoff markierte rote Blutkörperchen in die Blutbahn injiziert. Eine Gammakamera misst anschließend, in welchem Ausmaß die Milz diese markierten Zellen aufnimmt und abbaut. Dieses Verfahren liefert Informationen sowohl über die Funktion als auch über die Größe und Lage der Milz.
Pitted Red Cell Count (Grübchenzählung)
Eine weitere Methode ist die Bestimmung der sogenannten Pitted Red Cells (Erythrozyten mit Membrangrübchen). Mithilfe eines Interferenz-Phasenkontrastmikroskops wird der Anteil dieser veränderten roten Blutkörperchen im Blut gemessen. Ein erhöhter Anteil weist auf eine verminderte Milzfilterfunktion hin. Dieser Test gilt als besonders sensitiv für die Beurteilung der Milzfunktion.
Bildgebende Verfahren
Ergänzend können bildgebende Verfahren wie Ultraschall (Sonographie), Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt werden, um Größe, Lage und strukturelle Veränderungen der Milz darzustellen. Diese Verfahren ersetzen jedoch keine funktionellen Tests.
Was sagen die Testergebnisse aus?
Ein auffälliger Milzfunktionstest kann folgende Zustände anzeigen:
- Asplenie: vollständiges Fehlen der Milzfunktion, häufig nach Splenektomie oder angeboren
- Hyposplenismus: verminderte, aber noch vorhandene Milzfunktion
- Hypersplenismus: übermäßig gesteigerte Milzfunktion mit verstärktem Abbau von Blutzellen
Patienten mit Asplenie oder schwerem Hyposplenismus haben ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere, lebensbedrohliche Infektionen, insbesondere durch bekapselte Bakterien. Diese Infektionen werden als OPSI (Overwhelming Post-Splenectomy Infection) bezeichnet und erfordern spezielle Vorsorgemaßnahmen.
Konsequenzen und Behandlung
Wird eine eingeschränkte Milzfunktion festgestellt, werden in der Regel folgende Maßnahmen empfohlen:
- Impfungen gegen Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus influenzae Typ b
- Antibiotische Prophylaxe, insbesondere bei Kindern und Hochrisikopatienten
- Aufklärung des Patienten über Warnzeichen schwerer Infektionen und die Notwendigkeit einer sofortigen medizinischen Behandlung bei Fieber
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen zur Überwachung der Milzfunktion
Quellen
- William H. Crosby - The Normal and Pathologic Physiology of the Spleen. In: Williams Hematology, 9. Auflage, McGraw-Hill Education, 2016.
- Davies JM et al. - Review of guidelines for the prevention and treatment of infection in patients with an absent or dysfunctional spleen. Clinical Medicine, 2011; 11(3): 253-256. PubMed PMID: 21725130.
- World Health Organization (WHO) - Immunization of People with Asplenia or Hyposplenia. WHO Technical Report, Genf, 2020. Verfügbar unter: https://www.who.int
Meistgekaufte Produkte
Der universelle Immunschutz
Als eines der wertvollsten körpereigenen Immunproteine ist Lactoferrin ein natürlicher Bestandteil des ImmunsystemsFür eine gesunde Mundflora & Zahnpflege
Formulierte Lutschtabletten mit AB-Dentalac®, probiotischen Milchsäurebakterien und Lactoferrin CLN®Die neusten Einträge
3 Beiträge in dieser Lexikon KategorieSehnenbiopsie
Schilddrüsenhormonrezeptor
Kieferverletzungen
Die meistgelesenen Einträge
3 Beiträge in dieser Lexikon KategorieMagnesiumcarbonat
Kölner Liste
Kaloriengehalt
Verwandte Suchbegriffe: Milzfunktionstest + Milz-Funktionstest + Milzfunktionstestung