D63.0 – Anämie bei Neubildungen erklärt
D63.0 ist der ICD-10-Code für Anämie bei Neubildungen. Dabei handelt es sich um eine Blutarmut, die als Folge einer Krebserkrankung auftritt und die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen kann.
Wissenswertes über "D63.0"
D63.0 ist der ICD-10-Code für Anämie bei Neubildungen. Dabei handelt es sich um eine Blutarmut, die als Folge einer Krebserkrankung auftritt und die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen kann.
Was bedeutet D63.0?
Der ICD-10-Code D63.0 bezeichnet eine Anämie bei Neubildungen, also eine Blutarmut, die im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung (Neoplasie) auftritt. Es handelt sich dabei nicht um eine eigenständige Erkrankung, sondern um eine Begleiterkrankung (Komorbidität), die häufig bei Tumor- oder Krebspatienten festgestellt wird. Die Anämie wird in diesem Kontext als sogenannte sekundäre Anämie klassifiziert.
Ursachen
Die Anämie bei Neubildungen kann durch verschiedene Mechanismen entstehen:
- Tumorbedingte Blutungen: Tumoren können innere Blutungen verursachen, die zu einem Verlust roter Blutkörperchen führen.
- Knochenmarkinfiltration: Wenn Tumorzellen das Knochenmark befallen, wird die normale Blutbildung (Hämatopoese) gestört.
- Entzündungsbedingte Hemmung: Krebserkrankungen lösen Entzündungsreaktionen aus, die die Produktion roter Blutkörperchen hemmen (Anämie der chronischen Erkrankung).
- Nährstoffmangel: Durch verminderte Nahrungsaufnahme oder Malabsorption kann es zu Eisen-, Vitamin-B12- oder Folatsäuremangel kommen.
- Chemotherapie und Strahlentherapie: Behandlungen gegen Krebs können das Knochenmark schädigen und die Produktion von Erythrozyten (rote Blutkörperchen) reduzieren.
- Hämolyse: In manchen Fällen löst der Tumor einen erhöhten Abbau roter Blutkörperchen aus.
Symptome
Die Symptome der tumor-assoziierten Anämie ähneln denen anderer Anämieformen, können jedoch durch die Grunderkrankung verstärkt werden:
- Ausgeprägte Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue)
- Blässe der Haut und Schleimhäute
- Kurzatmigkeit, besonders bei körperlicher Anstrengung
- Schwindel und Kopfschmerzen
- Herzrasen (Tachykardie)
- Konzentrationsprobleme
- Verminderte körperliche Belastbarkeit
Diagnose
Die Diagnose einer Anämie bei Neubildungen erfolgt in der Regel über folgende Untersuchungen:
- Blutbild (Hämogramm): Bestimmung von Hämoglobin (Hb), Hämatokrit, Erythrozytenzahl und weiteren Blutwerten.
- Retikulozytenzählung: Beurteilung der Neubildungsrate roter Blutkörperchen im Knochenmark.
- Eisenstoffwechsel-Parameter: Serumferritin, Transferrinsättigung und löslicher Transferrinrezeptor.
- Vitamin-B12 und Folatsäure: Ausschluss eines Mangelzustands.
- Knochenmarkbiopsie: Bei Verdacht auf Knochenmarkinfiltration durch Tumorzellen.
- Bildgebung: Zur Beurteilung des Primärtumors und möglicher Metastasen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Anämie sowie nach dem Allgemeinzustand und der Grunderkrankung des Patienten:
Ernährungsmed. Maßnahmen und Substitution
- Eisensubstitution: Oral oder intravenös, insbesondere bei nachgewiesenem Eisenmangel.
- Vitamin-B12 und Folatsäure: Ergänzung bei entsprechendem Mangel.
Medikamentöse Therapie
- Erythropoese-stimulierende Agenzien (ESA): Substanzen wie Epoetin alfa oder Darbepoetin alfa können die Produktion roter Blutkörperchen anregen. Der Einsatz ist auf bestimmte klinische Situationen (z.B. während einer Chemotherapie) beschränkt und muss sorgfältig abgewogen werden.
Bluttransfusion
- Bei schwerer Anämie mit Hb-Werten unter 7–8 g/dl oder ausgeprägt symptomatischen Patienten kann eine Bluttransfusion notwendig sein, um den Hämoglobinwert rasch anzuheben.
Behandlung der Grunderkrankung
- Die effektivste langfristige Therapie bleibt die Behandlung des zugrunde liegenden Tumors durch Chirurgie, Chemotherapie, Strahlentherapie oder Immuntherapie.
Prognose und Lebensqualität
Die Anämie bei Neubildungen ist ein häufiges Problem, das die Lebensqualität von Krebspatienten erheblich beeinträchtigt. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung kann die Fatigue reduzieren, die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern und die Verträglichkeit von Krebstherapien erhöhen. Die Prognose hängt in erster Linie von der Grunderkrankung ab.
Quellen
- Steinmetz, H.T. (2012): Anämie und Tumor. In: Der Onkologe, Springer Verlag.
- Aapro, M. et al. (2018): Management of anaemia and iron deficiency in patients with cancer: ESMO Clinical Practice Guidelines. Annals of Oncology, 29(Suppl 4), iv96–iv110.
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): ICD-10-GM Version 2024, Kapitel D63.0.
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