Cortisolprovokationstest – Ablauf & Bedeutung
Der Cortisolprovokationstest ist ein diagnostisches Verfahren zur Beurteilung der Nebennierenfunktion und der Stresshormonreaktion der Hypophyse-Nebennieren-Achse.
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Der Cortisolprovokationstest ist ein diagnostisches Verfahren zur Beurteilung der Nebennierenfunktion und der Stresshormonreaktion der Hypophyse-Nebennieren-Achse.
Was ist der Cortisolprovokationstest?
Der Cortisolprovokationstest ist ein endokrinologisches Diagnoseverfahren, mit dem die Funktionsfähigkeit der sogenannten Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) geprüft wird. Diese Achse steuert die Ausschüttung von Cortisol, dem wichtigsten Stresshormon des menschlichen Körpers. Beim Test wird die Nebenniere gezielt stimuliert oder provoziert, um zu messen, ob sie in der Lage ist, ausreichend Cortisol zu produzieren und freizusetzen.
Wann wird der Test angewendet?
Der Cortisolprovokationstest wird eingesetzt, wenn der Verdacht auf eine gestörte Cortisolproduktion besteht. Typische Indikationen sind:
- Nebenniereninsuffizienz (primär oder sekundär) – also eine verminderte oder fehlende Cortisolproduktion
- Morbus Addison – eine Autoimmunerkrankung der Nebennierenrinde
- Hypopituitarismus – eine Unterfunktion der Hypophyse
- Verdacht auf ein Cushing-Syndrom – eine krankhafte Überproduktion von Cortisol
- Kontrolle nach operativen Eingriffen an Hypophyse oder Nebennieren
- Langzeittherapie mit Kortikosteroiden und Beurteilung der Suppression der Eigenproduktion
Wie funktioniert der Test?
Je nach klinischer Fragestellung gibt es verschiedene Varianten des Cortisolprovokationstests:
ACTH-Stimulationstest (Synacthen-Test)
Dies ist die häufigste Form. Dem Patienten wird synthetisches ACTH (Tetracosactid/Synacthen) injiziert, ein Hormon, das normalerweise von der Hypophyse ausgeschüttet wird und die Nebennieren zur Cortisolproduktion anregt. Blutproben werden vor der Injektion sowie 30 und 60 Minuten danach entnommen. Ein normaler Anstieg des Cortisolspiegels deutet auf eine intakte Nebennierenfunktion hin.
Insulin-Hypoglykämie-Test (ITT)
Beim Insulin-Hypoglykämie-Test (auch Insulin-Toleranztest genannt) wird durch Insulingabe ein kontrollierter Blutzuckerabfall (Hypoglykämie) ausgelöst. Dies stellt einen starken physiologischen Stressreiz dar und provoziert eine maximale Aktivierung der HPA-Achse. Der Test gilt als Goldstandard zur Beurteilung der zentralen Cortisolreserve, erfordert aber engmaschige ärztliche Überwachung.
CRH-Test
Hierbei wird Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH) verabreicht, das normalerweise vom Hypothalamus stammt und die Hypophyse zur ACTH-Ausschüttung anregt. Der CRH-Test hilft, zwischen einer primären Nebenniereninsuffizienz und einer sekundären (hypophysären) oder tertiären (hypothalamischen) Ursache zu unterscheiden.
Metyrapon-Test
Metyrapon hemmt die Cortisolsynthese in der Nebennierenrinde und löst dadurch eine kompensatorische Aktivierung der Hypophyse aus. Der Test eignet sich zur Beurteilung der Hypophysenfunktion und zur Differenzierung verschiedener Formen des Cushing-Syndroms.
Dexamethason-Hemmtest
Im Gegensatz zu den Stimulationstests wird hier ein synthetisches Kortikosteroid (Dexamethason) verabreicht, das die Cortisolproduktion normalerweise supprimiert. Bleibt diese Suppression aus, kann dies auf ein Cushing-Syndrom hinweisen. Der Test wird in verschiedenen Varianten durchgeführt (Einzel-Niedrigdosis, Zweitage-Niedrigdosis, Hochdosis).
Vorbereitung und Durchführung
Die genaue Vorbereitung hängt von der gewählten Testvariante ab. Allgemeine Hinweise:
- Die Blutentnahme erfolgt in der Regel morgens zwischen 8 und 9 Uhr, da Cortisol einem zirkadianen Rhythmus unterliegt (morgendliches Maximum)
- Kortikosteroid-Medikamente sollten, wenn medizinisch vertretbar, vor dem Test abgesetzt werden
- Der Patient sollte nüchtern erscheinen, sofern vom Arzt angeordnet
- Beim Insulin-Hypoglykämie-Test ist eine kontinuierliche ärztliche Überwachung zwingend erforderlich
Interpretation der Ergebnisse
Die Beurteilung der Testergebnisse erfolgt immer im klinischen Kontext. Allgemeine Richtwerte (können je nach Labor variieren):
- Normaler Cortisolanstieg beim ACTH-Test: Spitzenwert über 500 nmol/l gilt in den meisten Leitlinien als ausreichend
- Ausbleibender Anstieg: Hinweis auf primäre oder sekundäre Nebenniereninsuffizienz
- Fehlende Suppression beim Dexamethason-Test: Verdacht auf Cushing-Syndrom
- Ergebnisse müssen immer von einem Endokrinologen bewertet werden
Risiken und Nebenwirkungen
Die meisten Varianten des Cortisolprovokationstests sind gut verträglich. Mögliche Risiken umfassen:
- Leichte allergische Reaktionen auf injizierte Substanzen (selten)
- Beim Insulin-Hypoglykämie-Test: schwere Unterzuckerung, Krampfanfälle (daher nur unter strenger Überwachung)
- Kontraindiziert bei koronarer Herzerkrankung, Epilepsie oder schwerer Hypophyseninsuffizienz (je nach Testvariante)
Quellen
- Bornstein SR et al. – Diagnosis and Treatment of Primary Adrenal Insufficiency: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism, 2016.
- Fleseriu M et al. – Consensus on Diagnosis and Management of Cushing's Disease: A Guideline Update. Lancet Diabetes and Endocrinology, 2021.
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) – Leitlinien Endokrinologie, Nebenniereninsuffizienz, 2022.
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