Amaurosis fugax: Ursachen, Symptome & Behandlung
Amaurosis fugax ist eine plötzliche, vorübergehende Erblindung eines Auges, die meist nur Sekunden bis Minuten dauert und auf eine vorübergehende Durchblutungsstörung hinweist.
Wissenswertes über "Amaurosis fugax"
Amaurosis fugax ist eine plötzliche, vorübergehende Erblindung eines Auges, die meist nur Sekunden bis Minuten dauert und auf eine vorübergehende Durchblutungsstörung hinweist.
Was ist Amaurosis fugax?
Amaurosis fugax (lateinisch für „flüchtige Erblindung“) bezeichnet eine plötzlich auftretende, vorübergehende Sehstörung oder vollständige Erblindung eines Auges. Die Episode dauert in der Regel Sekunden bis wenige Minuten und klingt danach vollständig ab. Viele Betroffene beschreiben das Gefühl, als ob ein dunkler Vorhang von oben oder unten über das Sichtfeld gezogen wird. Da es sich um eine vorübergehende ischämische Attacke (TIA) des Auges handeln kann, gilt Amaurosis fugax als medizinischer Notfall und müssen zeitnah abgeklärt werden.
Ursachen
Die häufigste Ursache ist eine vorübergehende Unterbrechung der Blutversorgung der Arteria centralis retinae (Zentralarterie der Netzhaut) oder der Arteria ophthalmica. Die wichtigsten Auslöser sind:
- Arteriosklerose: Ablagerungen in den Gefäßwänden (Plaques) können Blutgerinnsel bilden oder ablagerungsbedingte Embolien verursachen.
- Karotisstenose: Verengung der Halsschlagader, die das Auge mit Blut versorgt.
- Herzerkrankungen: Vorhofflimmern oder Herzklappenfehler können Blutgerinnsel bilden, die in die Augengefäße gelangen.
- Vaskulitis: Entzündliche Gefäßerkrankungen, z. B. die Arteriitis temporalis (Riesenzellarteriitis).
- Migräne: Selten kann eine Migräne mit Aura ähnliche Sehstörungen verursachen.
- Hyperkoagulabilität: Erhöhte Blutgerinnungsneigung durch Gerinnungsstörungen.
Symptome
Das Leitsymptom ist der plötzliche, schmerzlose Sehverlust auf einem Auge. Typische Beschreibungen der Betroffenen umfassen:
- Ein dunkler oder grauer Vorhang, der das Gesichtsfeld von oben, unten oder seitlich überdeckt.
- Vollständige, vorübergehende Erblindung eines Auges.
- Verschwommenes oder vernebeltes Sehen.
- Die Episode dauert üblicherweise weniger als 10 Minuten, selten länger als 30 Minuten.
Zusätzliche Symptome wie Körperschwäche, Sprachstörungen oder Taubheitsgefühl können auf einen gleichzeitigen Schlaganfall hinweisen und erfordern sofortige ärztliche Hilfe.
Diagnose
Da Amaurosis fugax ein Warnsignal für einen bevorstehenden Schlaganfall sein kann, ist eine rasche Diagnostik entscheidend. Folgende Untersuchungen werden eingesetzt:
- Anamnese und klinische Untersuchung: Genaue Beschreibung der Episoden, Risikofaktoren und Begleiterkrankungen.
- Augenhintergrunduntersuchung (Funduskopie): Beurteilung der Netzhautgefäße auf Emboli oder Gefäßveränderungen.
- Ultraschall der Halsschlagadern (Duplexsonographie): Nachweis von Verengungen oder Plaques in der Arteria carotis.
- EKG und Herzultraschall (Echokardiographie): Ausschluss kardialer Emboliequellen wie Vorhofflimmern.
- Blutuntersuchungen: Gerinnungsstatus, Blutfettwerte, Blutzucker, Entzündungsparameter (z. B. BSG bei Verdacht auf Arteriitis temporalis).
- Bildgebung (MRT/CT des Gehirns): Ausschluss zerebraler Ischämien oder anderer struktureller Veränderungen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache und zielt darauf ab, einen Schlaganfall oder dauerhaften Sehverlust zu verhindern:
- Thrombozytenaggregationshemmer: Acetylsalic&ylsäure (ASS) oder Clopidogrel zur Vorbeugung weiterer Gerinnsel.
- Antikoagulation: Bei Vorhofflimmern oder anderen kardialen Emboliequellen werden Gerinnungshemmer eingesetzt.
- Karotis-Endarteriektomie oder Stenting: Bei hochgradiger Karotisstenose kann ein operativer Eingriff zur Gefäßeröffnung notwendig sein.
- Behandlung der Risikofaktoren: Blutdrucksenkung, Einstellung des Blutzuckers, Cholesterinsenkung (Statine), Rauchstopp.
- Kortikosteroide: Bei Arteriitis temporalis zur Verhinderung eines dauerhaften Sehverlustes.
Prognose und Bedeutung
Amaurosis fugax ist ein wichtiges Warnsignal: Innerhalb der ersten Tage nach einer Episode ist das Risiko eines Schlaganfalls erheblich erhöht. Studien zeigen, dass bis zu 10–15 % der Betroffenen innerhalb von 90 Tagen einen Schlaganfall erleiden. Eine rasche medizinische Abklärung und konsequente Behandlung können dieses Risiko deutlich reduzieren. Bei entsprechender Therapie ist die Prognose in vielen Fällen gut.
Quellen
- Hamann, G.F. et al. – Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie: Transitorische ischämische Attacke (TIA). Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), 2022.
- Rothwell, P.M. et al. – A simple score (ABCD) to identify individuals at high early risk of stroke after transient ischaemic attack. The Lancet, 2005; 366(9479): 29–36.
- World Health Organization (WHO) – Cardiovascular diseases: prevention and management. WHO Technical Report, Genf.
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