H81.2 – Vestibuläre Neuronitis: Ursachen & Therapie
H81.2 ist der ICD-10-Code für Vestibuläre Neuronitis, eine Erkrankung des Gleichgewichtsnerven, die plötzlichen, starken Schwindel verursacht.
Wissenswertes über "H81.2"
H81.2 ist der ICD-10-Code für Vestibu läre Neuronitis, eine Erkrankung des Gleichgewichtsnerven, die plötzlichen, starken Schwindel verursacht.
Was ist H81.2 – Vestibuläre Neuronitis?
Der ICD-10-Code H81.2 steht für die Vestibuläre Neuronitis (auch: Neuronitis vestibularis). Dabei handelt es sich um eine Entzündung oder Funktionsstörung des Nervus vestibularis, des Nervenanteils, der für die Weiterleitung von Gleichgewichtsinformationen vom Innenohr zum Gehirn zuständig ist. Die Erkrankung zählt zu den häufigsten Ursachen eines akuten, anhaltenden Schwindels und tritt meist plötzlich auf.
Ursachen
Die genaue Ursache der Vestibulären Neuronitis ist nicht vollständig geklärt. Als wahrscheinlichste Ursache gilt eine virale Infektion, insbesondere durch Herpesviren (z. B. Herpes-simplex-Virus Typ 1), die den Gleichgewichtsnerven schädigt oder entzündet. Häufig berichten Patienten von einem vorangegangenen Atemwegsinfekt. Zu den möglichen Ursachen zählen:
- Virale Infektionen (insbesondere Herpesviren)
- Immunologische Reaktionen nach Infekten
- Durchblutungsstörungen im Bereich des Vestibularisnerven (seltener)
Symptome
Das Leitsymptom der Vestibulären Neuronitis ist ein plötzlich einsetzender, heftiger Drehschwindel, der über Stunden bis Tage anhalten kann. Typische Begleitsymptome sind:
- Starke Übelkeit und Erbrechen
- Gleichgewichtsstörungen und unsicherer Gang
- Nystagmus (unwillkürliche, rhythmische Augenbewegungen)
- Gefühl des Fallens oder Schwankens
Im Gegensatz zur Labyrinthitis treten bei der Vestibulären Neuronitis in der Regel keine Hörminderung und kein Tinnitus auf, da nur der Gleichgewichtsanteil des achten Hirnnervs betroffen ist.
Diagnose
Die Diagnose wird in erster Linie klinisch gestellt. Wichtige diagnostische Maßnahmen umfassen:
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Beurteilung des Nystagmus (typischerweise horizontal-rotatorisch, in eine Richtung schlagend)
- HINTS-Test (Head Impulse, Nystagmus, Test of Skew): Klinisches Untersuchungsverfahren zur Abgrenzung gegenüber zentralen Ursachen
- Kalorische Prüfung: Nachweis einer einseitigen Unterfunktion des Gleichgewichtsorgans
- MRT des Schädels: Zum Ausschluss zentralneröser Ursachen wie Schlaganfall oder Tumor
Behandlung
Die Behandlung der Vestibulären Neuronitis erfolgt symptomatisch und kausal:
Akutbehandlung
- Antivertiginosa (z. B. Dimenhydrinat, Meclizin) zur kurzfristigen Linderung von Schwindel und Übelkeit
- Antiemetika bei starkem Erbrechen
- Kortikosteroide (z. B. Methylprednisolon): Können die Erholung des Vestibularisnerven fördern und werden in der Akutphase eingesetzt
Langzeitbehandlung und Rehabilitation
- Vestibuläre Rehabilitation: Physiotherapeutische Übungen zur Förderung der zentralen Kompensation sind die wichtigste Maßnahme zur vollständigen Erholung
- Frühzeitige Mobilisierung und Bewegungsübungen werden empfohlen
Die Prognose ist in den meisten Fällen gut. Die Mehrzahl der Patienten erholt sich innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten vollständig. Bei einem Teil der Betroffenen können jedoch längerfristige Gleichgewichtsstörungen bestehen bleiben.
Quellen
- Strupp M, Brandt T. Vestibular neuritis. Seminars in Neurology. 2009;29(5):509–519. doi:10.1055/s-0029-1241040
- World Health Organization (WHO). ICD-10 Version 2019: H81.2 – Vestibular neuronitis. https://icd.who.int/browse10/2019/en#/H81.2
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Leitlinie: Schwindel – Diagnose und Therapie. Stand 2022. https://www.dgn.org
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