K55.0 – Akute vaskuläre Darmerkrankung | ICD-10
K55.0 ist der ICD-10-Code für akute vaskuläre Darmerkrankungen, insbesondere die akute Darmiscämie. Dabei wird der Darm durch mangelnde Durchblutung geschädigt.
Wissenswertes über "K55.0"
K55.0 ist der ICD-10-Code für akute vaskuläre Darmerkrankungen, insbesondere die akute Darmiscämie. Dabei wird der Darm durch mangelnde Durchblutung geschädigt.
Was bedeutet der ICD-10-Code K55.0?
Der ICD-10-Code K55.0 bezeichnet akute vaskuläre Erkrankungen des Darms, also Erkrankungen, bei denen die Blutversorgung des Darms plötzlich und schwerwiegend gestört ist. Der bekannteste und klinisch bedeutsamste Zustand unter diesem Code ist die akute Mesenterialischämie (auch: akuter Darminfekt durch Durchblutungsstörung). Dabei wird das Darmgewebe aufgrund von Sauerstoff- und Nährstoffmangel geschädigt oder stirbt ab (Darminfarkt).
Ursachen
Die akute Darmiscämie kann durch verschiedene Mechanismen ausgelöst werden:
- Arterieller Verschluss: Ein Blutgerinnsel (Thrombus) oder ein eingeschwemmtes Gerinnsel (Embolus) verstopft eine der versorgenden Darmschlagadern, häufig die Arteria mesenterica superior.
- Venöser Verschluss: Eine Thrombose der Mesenterialgefäße behindert den Blutabfluss, was ebenfalls zur Iscämie führt.
- Non-okklusive Mesenterialischämie (NOMI): Ohne direkten Gefäßverschluss entsteht durch einen Kreislaufschock oder eine stark verminderte Herzleistung ein kritischer Blutflussabfall im Darm.
- Aortendissektion: Eine Einblutung in die Aortenwand kann die abgehenden Darmgefäße verlegen.
Symptome
Die Symptome der akuten Darmiscämie sind oft heftig und erfordern sofortige medizinische Abklärung:
- Plötzlich einsetzende, starke Bauchschmerzen (oft zunächst ohne Befund bei der körperlichen Untersuchung – sogenannter Missverhalt)
- Übelkeit und Erbrechen
- Durchfall, teilweise blutig
- Aufgeblähter, harter Bauch im späteren Verlauf
- Fieber und allgemeine Verschlechterung des Allgemeinzustands
- Im fortgeschrittenen Stadium: Zeichen eines Peritonismus (Bauchfellentzündung) und Schocksymptome
Diagnose
Die Diagnose einer akuten Darmiscämie ist dringlich und sollte schnellstmöglich gestellt werden, da jede Verzögerung das Risiko eines lebensbedrohlichen Darminfarkts erhöht:
- Laborwerte: Erhöhte Laktatwerte, Leukozytose, CRP-Anstieg und Erhöhung von D-Dimeren können hinweisend sein.
- CT-Angiographie des Abdomens: Methode der Wahl zur Darstellung von Gefäßverschlüssen und Darmwandveränderungen.
- Sonographie: Als erste Orientierung, jedoch weniger zuverlässig.
- Konventionelle Angiographie: Bei gezielter gefäßchirurgischer Intervention möglich.
- Laparoskopie / Laparotomie: Zur direkten Beurteilung der Darmdurchblutung bei unklarem Befund oder bei operativer Behandlung.
Behandlung
Die Behandlung der akuten Darmiscämie ist ein medizinischer Notfall und muss sofort eingeleitet werden:
- Revaskularisation: Wiederherstellung der Blutversorgung durch katheterbasierte Eingriffe (z. B. Thrombektomie, Stent) oder offene gefäßchirurgische Operationen.
- Antikoagulation: Gabe von Heparin zur Verhinderung weiterer Gerinnselbildung.
- Chirurgische Resektion: Bei bereits abgestorbenem Darmgewebe (Darmnekrose) muss der betroffene Darmabschnitt entfernt werden.
- Intensivmedizinische Behandlung: Stabilisierung des Kreislaufs, Antibiotikagabe bei Verdacht auf bakterielle Translokation oder Peritonitis.
- Ernährungstherapie: Nach dem Eingriff oft parenterale (intravenöse) Ernährung notwendig.
Prognose
Die Prognose der akuten Darmiscämie ist ernst. Trotz moderner Behandlungsmöglichkeiten liegt die Sterblichkeitsrate je nach Ausmaß und Zeitpunkt der Diagnose bei 50–80 %. Eine frühzeitige Diagnose und schnelle Therapieeinleitung sind entscheidend für das Überleben der Patientinnen und Patienten.
Quellen
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) / BfArM: ICD-10-GM Version 2024, Kapitel XI – Krankheiten des Verdauungssystems, K55.0.
- Acosta S. - Mesenteric ischemia. In: Current Opinion in Critical Care, 2015; 21(2):171-178. PubMed PMID: 25692805.
- Tilsed J.V.T. et al. - ESTES guidelines: acute mesenteric ischaemia. In: European Journal of Trauma and Emergency Surgery, 2016; 42(2):253-270.
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