L03.1 – Phlegmone der Finger und Zehen
L03.1 bezeichnet die Phlegmone der Finger und Zehen – eine bakterielle Hautinfektion, die tiefes Gewebe befallen kann und ärztlicher Behandlung bedarf.
Wissenswertes über "L03.1"
L03.1 bezeichnet die Phlegmone der Finger und Zehen – eine bakterielle Hautinfektion, die tiefes Gewebe befallen kann und ärztlicher Behandlung bedarf.
Was ist L03.1?
Der ICD-10-Code L03.1 steht für die Phlegmone der Finger und Zehen (auch: Zellulitis der Finger und Zehen). Eine Phlegmone ist eine akute, diffuse und eitrige Entzündung des Bindegewebes, die sich – im Gegensatz zu einem Abszess – nicht klar abgrenzt, sondern in das umliegende Gewebe ausbreitet. Bei L03.1 ist das tief liegende Weichteilgewebe der Finger und Zehen betroffen.
Ursachen
Die Erkrankung wird überwiegend durch Bakterien verursacht, die über kleine Hautverletzungen in tiefere Gewebeschichten eindringen. Häufige Erreger sind:
- Streptococcus pyogenes (Gruppe-A-Streptokokken)
- Staphylococcus aureus, einschließlich MRSA
- In seltenen Fällen gramnegative Bakterien bei immungeschwächten Patienten
Typische Eintrittspforten sind:
- Schnittwunden, Schründe oder Risse an der Haut
- Nagelverletzungen oder eingewachsene Nägel
- Insektenstiche oder Tierbisse
- Pilzinfektionen (z. B. Fußpilz), die die Hautbarriere schädigen
Risikofaktoren
Bestimmte Grunderkrankungen und Lebensumstände erhöhen das Risiko für eine Phlegmone:
- Diabetes mellitus (gestörte Wundheilung, Polyneuropathie)
- Lymphödem oder chronische Veneninsuffizienz
- Immunschwäche (z. B. durch Medikamente oder HIV)
- Adipositas
- Schlechte Durchblutung der Extremitäten
Symptome
Die klassischen Entzündungszeichen treten lokal am betroffenen Finger oder Zeh auf:
- Rötung (Rubor) der Haut
- Schwellung (Tumor) des Gewebes
- Wärme (Calor) im betroffenen Bereich
- Schmerz (Dolor) bei Berührung oder Bewegung
- Eingeschränkte Beweglichkeit des Fingers oder Zehs
- Bei schwereren Verläufen: Fieber, Schüttelfrost, allgemeines Krankheitsgefühl
Diagnose
Die Diagnose erfolgt in erster Linie klinisch durch die Beurteilung des Lokalbefundes. Zusätzliche Maßnahmen können sein:
- Blutuntersuchung: erhöhte Entzündungswerte (CRP, Leukozyten)
- Wundabstrich zur Erregeridentifikation und Resistenzbestimmung
- Bildgebung (Ultraschall, MRT) bei Verdacht auf tief reichende Infektion oder Abszessbildung
Behandlung
Konservative Therapie
Im frühen Stadium wird die Phlegmone mit Antibiotika behandelt. Die Wahl des Antibiotikums richtet sich nach dem vermuteten oder nachgewiesenen Erreger. Häufig eingesetzte Substanzen sind Penicillin, Amoxicillin-Clavulansäure oder Cephalosporine. Bei MRSA-Verdacht kommen Clindamycin oder Cotrimoxazol zum Einsatz. Zusätzlich werden Ruhigstellung, Hochlagerung und kühlende Umschläge empfohlen.
Operative Therapie
Bildet sich ein Abszess oder spricht die Infektion nicht auf Antibiotika an, ist eine chirurgische Intervention erforderlich. Dabei wird das betroffene Gewebe eröffnet, später ausgespült und drainiert. In schweren Fällen kann eine stationäre Aufnahme mit intravenaser Antibiotikagabe notwendig sein.
Wann sofort zum Arzt?
Bei rascher Ausbreitung der Rötung, hohem Fieber, starkem Schmerz oder sichtbaren roten Streifen (Anzeichen einer Lymphangitis) sollte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, da das Risiko einer Sepsis besteht.
Quellen
- Robert Koch-Institut (RKI): Ratgeber für Ärzte – Staphylococcus aureus, 2023. Verfügbar unter: www.rki.de
- Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG): Leitlinie zur Therapie bakterieller Haut- und Weichteilinfektionen, AWMF-Register Nr. 013-038, 2021.
- Eron LJ et al. – Managing skin and soft tissue infections: expert panel recommendations on key decision points. Journal of Antimicrobial Chemotherapy, 2003;52(Suppl 1):i3–i17.
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