Schilddrüsenkrebs – Ursachen, Symptome & Behandlung
Schilddrüsenkrebs ist eine bösartige Erkrankung der Schilddrüse. Er gehört zu den häufigsten endokrinen Tumoren und ist in vielen Fällen gut behandelbar.
Wissenswertes über "Schilddrüsenkrebs"
Schilddrüsenkrebs ist eine bösartige Erkrankung der Schilddrüse. Er gehört zu den häufigsten endokrinen Tumoren und ist in vielen Fällen gut behandelbar.
Was ist Schilddrüsenkrebs?
Schilddrüsenkrebs (medizinisch: Schilddrüsenkarzinom) ist eine bösartige Veränderung des Schilddrüsengewebes. Die Schilddrüse ist eine schmetterlingsförmige Drüse im vorderen Halsbereich, die wichtige Hormone produziert, welche den Stoffwechsel, das Wachstum und zahlreiche weitere Körperfunktionen regulieren. Schilddrüsenkrebs ist der häufigste bösartige Tumor des endokrinen Systems und hat in den meisten Fällen eine günstige Prognose.
Arten von Schilddrüsenkrebs
Es gibt verschiedene Typen von Schilddrüsenkarzinomen, die sich in ihrem Ursprung, Wachstumsverhalten und ihrer Prognose unterscheiden:
- Papilläres Schilddrüsenkarzinom: Mit etwa 70–80 % der Fälle die häufigste Form. Wächst langsam und hat eine sehr gute Prognose.
- Follikuläres Schilddrüsenkarzinom: Macht rund 10–15 % der Fälle aus. Neigt eher zur Ausbreitung über das Blut (hämatogene Metastasierung).
- Medulläres Schilddrüsenkarzinom: Geht von den kalzitoninproduzierenden C-Zellen aus. Kann familiär gehäuft auftreten (MEN-Syndrom).
- Anaplastisches Schilddrüsenkarzinom: Seltene, aber sehr aggressive Form mit schlechter Prognose. Betrifft hauptsächlich ältere Menschen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für die Entstehung von Schilddrüsenkrebs sind nicht vollständig geklärt. Folgende Faktoren können das Risiko erhöhen:
- Strahlenexposition: Insbesondere im Kindesalter erhöht Bestrahlung des Hals- und Kopfbereiches das Risiko erheblich.
- Genetische Veranlagung: Familiäre Häufung, besonders beim medullären Karzinom im Rahmen eines MEN-2-Syndroms.
- Schilddrüsenerkrankungen: Bestehende gutartige Knoten (Adenome) oder Hashimoto-Thyreoiditis können das Risiko leicht erhöhen.
- Jodmangel: Kann das Risiko für follikuläre Karzinome erhöhen.
- Weibliches Geschlecht und Alter: Frauen erkranken häufiger, das Risiko steigt mit dem Alter.
Symptome
Im Frühstadium verursacht Schilddrüsenkrebs häufig keine Beschwerden. Mögliche Symptome bei fortgeschrittener Erkrankung sind:
- Tastbarer oder sichtbarer Knoten am Hals
- Heiserkeit oder Veränderungen der Stimme
- Schluckbeschwerden
- Atemprobleme oder Gefühl von Druck im Hals
- Geschwollene Lymphknoten am Hals
- Anhaltende Halsschmerzen
Viele Schilddrüsenknoten sind gutartig. Ein neu aufgetretener oder wachsender Knoten sollte jedoch ärztlich abgeklärt werden.
Diagnose
Die Diagnose von Schilddrüsenkrebs erfolgt durch mehrere Untersuchungsschritte:
- Ultraschall (Sonographie): Erste Methode zur Beurteilung von Schilddrüsenknoten.
- Feinnadelpunktion (FNP): Eine feine Nadel entnimmt Zellen aus dem Knoten zur mikroskopischen Untersuchung.
- Blutuntersuchungen: Messung von Schilddrüsenhormonen (TSH, T3, T4) und spezifischer Tumormarker wie Thyreoglobulin oder Kalzitonin.
- Szintigraphie: Nuklearmedizinische Untersuchung zur Beurteilung der Schilddrüsenaktivität.
- CT oder MRT: Bildgebende Verfahren zur Beurteilung der Ausdehnung und möglicher Metastasen.
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach dem Typ, dem Stadium und dem individuellen Gesundheitszustand des Patienten. Wichtigste Behandlungsmöglichkeiten sind:
Operation (Thyreoidektomie)
In den meisten Fällen ist die operative Entfernung der Schilddrüse (totale Thyreoidektomie) die Therapie der ersten Wahl. Auch betroffene Lymphknoten können entfernt werden.
Radiojodtherapie
Nach der Operation erhalten viele Patienten radioaktives Jod (Jod-131), das verbliebene Schilddrüsenzellen und Metastasen zerstört. Diese Methode eignet sich vor allem für papilläre und follikuläre Karzinome.
Hormontherapie (TSH-Suppression)
Nach der Operation werden Schilddrüsenhormone (L-Thyroxin) eingenommen, um den TSH-Spiegel zu senken und das Wachstum möglicher verbliebener Tumorzellen zu hemmen.
Strahlentherapie und zielgerichtete Therapien
Bei fortgeschrittenen oder therapieresistenten Karzinomen kommen externe Bestrahlung oder moderne Medikamente (z. B. Tyrosinkinase-Inhibitoren) zum Einsatz.
Prognose
Die Prognose von Schilddrüsenkrebs hängt stark vom Typ und Stadium ab. Das papilläre und follikuläre Karzinom haben bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung eine sehr hohe 10-Jahres-Überlebensrate von über 90 %. Das anaplastische Karzinom hingegen hat eine deutlich schlechtere Prognose. Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen sind entscheidend für eine langfristige Überwachung.
Quellen
- Deutsche Krebsgesellschaft & Deutsche Krebshilfe: S3-Leitlinie Schilddrüsenkarzinom. AWMF-Registernummer 031-056OL (2023).
- World Health Organization (WHO): Classification of Tumours of Endocrine Organs. 4th Edition. IARC Press, Lyon (2022).
- Haugen BR et al.: 2015 American Thyroid Association Management Guidelines for Adult Patients with Thyroid Nodules and Differentiated Thyroid Cancer. Thyroid. 2016;26(1):1–133.
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