Skaphoidfraktur – Ursachen, Symptome & Behandlung
Die Skaphoidfraktur ist ein Knochenbruch des Kahnbeins im Handgelenk. Sie zählt zu den häufigsten Handgelenksverletzungen und erfordert frühzeitige Diagnose und Behandlung.
Wissenswertes über "Skaphoidfraktur"
Die Skaphoidfraktur ist ein Knochenbruch des Kahnbeins im Handgelenk. Sie zählt zu den häufigsten Handgelenksverletzungen und erfordert frühzeitige Diagnose und Behandlung.
Was ist eine Skaphoidfraktur?
Die Skaphoidfraktur (auch Kahnbeinfraktur oder Scaphoidfraktur) ist ein Knochenbruch des Kahnbeins (Os scaphoideum), einem der acht kleinen Handwurzelknochen im Handgelenk. Das Kahnbein liegt auf der Daumenseite des Handgelenks und spielt eine zentrale Rolle bei der Stabilität und Beweglichkeit des Handgelenks. Skaphoidfrakturen gehören zu den häufigsten Frakturen der Handwurzelknochen und werden nicht selten übersehen, da sie im röntgenologischen Erstbefund oft nicht sichtbar sind.
Ursachen und Entstehung
Die Skaphoidfraktur entsteht überwiegend durch ein indirektes Trauma, am häufigsten durch einen Sturz auf die ausgestreckte Hand (sogenannter FOOSH-Mechanismus: Fall on Outstretched Hand). Typische Situationen sind:
- Sport- und Freizeitunfälle (z. B. Fahrrad- oder Skiunfälle)
- Sturz im Alltag oder auf glattem Untergrund
- Verkehrsunfälle
- Direktes Anpralltrauma des Handgelenks
Betroffen sind häufig jüngere, sportlich aktive Männer zwischen 15 und 40 Jahren.
Symptome
Die Beschwerden bei einer Skaphoidfraktur können zunächst gering ausgeprägt sein, weshalb die Verletzung leicht mit einer einfachen Verstauchung verwechselt wird. Typische Symptome sind:
- Schmerzen in der Tabatiere (anatomische Tabatiere: die Vertiefung auf der Daumenseite des Handgelenks)
- Schwellung und Drückschmerz im Bereich des Handgelenks
- Einschränkung der Handgelenksbeweglichkeit
- Schmerzzunahme bei Belastung oder Drehbewegungen
- Gelegentlich Blutergüsse (Hämatome) im Handgelenksbereich
Ein klassisches klinisches Zeichen ist der Druckschmerz in der anatomischen Tabatiere, der bei Verdacht auf eine Skaphoidfraktur immer untersucht werden sollte.
Diagnose
Die Diagnose der Skaphoidfraktur kann herausfordernd sein, da sie im konventionellen Röntgenbild (besonders in den ersten Tagen nach dem Unfall) häufig nicht zu erkennen ist. Folgende diagnostische Verfahren kommen zum Einsatz:
- Röntgenaufnahme des Handgelenks in mehreren Ebenen (als Erstuntersuchung)
- Magnetresonanztomographie (MRT): Goldstandard bei unklarem Röntgenbefund, erkennt Frakturen und Durchblutungsstörungen frühzeitig
- Computertomographie (CT): Gute Darstellung der Frakturgeometrie und -lage, wichtig für die Operationsplanung
- Skelettszintigraphie: Seltener eingesetzt, bei unklaren Fällen möglich
Bei klinischem Verdacht und negativem Röntgenbefund empfiehlt sich eine MRT-Untersuchung oder eine Röntgenkontrolle nach 10–14 Tagen.
Klassifikation
Skaphoidfrakturen werden anhand ihrer Lage und Stabilität eingeteilt. Die gebräuchlichste Einteilung ist die nach Herbert:
- Typ A: Stabile Fraktur (z. B. Fissur oder vollständige, nicht verschobene Fraktur)
- Typ B: Instabile Fraktur (z. B. verschoben, quer oder mit Beteiligung des Pols)
- Typ C: Verzögerte Heilung (Pseudarthrose)
- Typ D: Pseudarthrose (nicht verheilte Fraktur)
Behandlung
Konservative Therapie
Stabile, nicht verschobene Frakturen können in vielen Fällen konservativ behandelt werden. Dabei wird das Handgelenk für mehrere Wochen (typischerweise 8–12 Wochen) in einem Gipsverband oder einer Schiene ruhiggestellt. Regelmäßige Kontrollen per Röntgen oder MRT sind während der Heilungsphase notwendig.
Operative Therapie
Instabile, verschobene oder nicht heilende Frakturen erfordern in der Regel eine operative Behandlung. Dabei kommen folgende Verfahren zum Einsatz:
- Percutane Schraubenosteosynthese: Minimalinvasive Fixierung der Fraktur mit einer Kleinfragmentschraube (Herbert-Schraube), oft arthroskopisch assistiert
- Offene Reposition und Osteosynthese: Bei stark verschobenen Frakturen oder Pseudarthrosen
- Knochentransplantation (Spongiosaplastik): Bei Pseudarthrosen oder avaskularer Nekrose des Kahnbeins
Komplikationen
Eine nicht oder spät erkannte Skaphoidfraktur kann zu ernsthaften Komplikationen führen:
- Pseudarthrose: Nicht verheilte Fraktur mit dauerhafter Instabilität
- Avaskulare Nekrose: Absterben des Knochengewebes durch gestörte Blutversorgung (besonders am proximalen Pol des Kahnbeins)
- SNAC-Wrist (Scaphoid Non-union Advanced Collapse): Fortschreitende Arthrose des Handgelenks als Folge einer Pseudarthrose
- Chronische Schmerzen und dauerhafter Funktionsverlust des Handgelenks
Prognose
Bei frühzeitiger und sachgerechter Behandlung ist die Prognose der Skaphoidfraktur in der Regel gut. Die vollständige Ausheilung dauert je nach Frakturtyp und Behandlung zwischen 6 Wochen und mehreren Monaten. Wird die Fraktur übersehen oder unzureichend behandelt, erhöht sich das Risiko für Langzeitkomplikationen erheblich. Eine frühzeitige Vorstellung beim Arzt nach einem Sturz auf die Hand ist daher dringend empfohlen.
Quellen
- Browner, B.D. et al.: Skeletal Trauma: Basic Science, Management, and Reconstruction. Elsevier, 5. Auflage, 2014.
- Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU): Leitlinie Skaphoidfraktur. AWMF-Registernummer 012-016, 2020.
- Buijze, G.A. et al.: Clinical diagnosis and diagnostic imaging methods for scaphoid fractures. Journal of Hand Surgery, 2012; 37(7): 1426–1433. PubMed PMID: 22727870.
Meistgekaufte Produkte
Der universelle Immunschutz
Als eines der wertvollsten körpereigenen Immunproteine ist Lactoferrin ein natürlicher Bestandteil des Immunsystems
Für eine gesunde Mundflora & Zahnpflege
Formulierte Lutschtabletten mit AB-Dentalac, Milchsäurebakterien und Lactoferrin CLN®Die neusten Einträge
3 Beiträge in dieser Lexikon KategorieMonteggia-Fraktur
Ammoniumchlorid
Natriumsulfit
Die meistgelesenen Einträge
3 Beiträge in dieser Lexikon KategorieMagnesiumcarbonat
Kaloriengehalt
Kölner Liste
Verwandte Suchbegriffe: Skaphoidfraktur