Dumdum Geschosse: Wirkung, Verletzungen & Recht
Dumdum Geschosse sind Projektile, die beim Aufprall aufpilzen und sich verformen. Sie verursachen große Gewebeverletzungen und sind im Krieg völkerrechtlich verboten.
Wissenswertes über "Dumdum Geschosse"
Dumdum Geschosse sind Projektile, die beim Aufprall aufpilzen und sich verformen. Sie verursachen große Gewebeverletzungen und sind im Krieg völkerrechtlich verboten.
Was sind Dumdum Geschosse?
Dumdum Geschosse (auch Dum-Dum-Geschosse oder Deformationsgeschosse genannt) sind Projektile, die so konstruiert sind, dass sie beim Auftreffen auf ein Ziel ihre Form verändern – sie pilzen auf, spreizen sich auf oder zerplatzen. Dadurch wird eine deutlich größere Wundhöhle im Gewebe erzeugt als bei einem herkömmlichen Vollmantelgeschoss. Der Name leitet sich von der britischen Munitionsfabrik in Dum Dum bei Kalkutta (Indien) ab, wo diese Geschosse im ausgehenden 19. Jahrhundert entwickelt wurden.
Konstruktion und Typen
Es gibt verschiedene Bauformen von Deformationsgeschossen:
- Hohlspitzgeschoss (Hollow Point): Das Projektil besitzt eine Hohlspitze, die beim Aufprall das Aufpilzen einleitet.
- Weichspitzgeschoss (Soft Point): Die Bleispitze ist nicht von einem Mantel umgeben und verformt sich beim Eindringen ins Ziel.
- Teilmantelgeschoss: Nur der hintere Teil des Geschosses ist von einem Metallmantel umgeben; die Spitze bleibt weich und verformbar.
Durch die Aufpilzwirkung erhöht sich der Querschnitt des Projektils erheblich. Die Energie wird über eine größere Fläche abgegeben, was zu massiven Gewebezerstörungen führt.
Medizinische Wundballistik
Aus medizinischer Sicht verursachen Dumdum Geschosse besonders schwere Schussverletzungen. Die Wundballistik beschreibt, wie ein Projektil im Körpergewebe wirkt:
- Permanent cavity (permanente Wundhöhle): Der direkte Gewebeverlust durch das Projektil ist bei Deformationsgeschossen durch den vergrößerten Querschnitt deutlich größer.
- Temporary cavity (temporäre Wundhöhle): Durch die Energieübertragung entsteht eine kurzzeitige, größere Dehnung des Gewebes, die zu zusätzlichen Zerreißungen führen kann.
- Fragmentierung: Einige Geschosstypen zersplittern zusätzlich, was zu multiplen Verletzungspunkten im Gewebe führt.
Typische medizinische Befunde bei Schussverletzungen durch Deformationsgeschosse sind große, unregulmäßige Austrittswünde (sofern das Geschoss den Körper verlässt), massive innere Blutungen, ausgepragte Organ- und Weichteilschäden sowie erhöhter Bedarf an chirurgischen Notfallinterventionen.
Behandlung von Schussverletzungen
Die Versorgung von Schusswunden durch Deformationsgeschosse erfordert in der Regel eine sofortige chirurgische Intervention. Folgende Maßnahmen sind in der Traumaversorgung essenziell:
- Blutstillung: Kompression, Tourniquet und chirurgische Blutstillung zur Kontrolle lebensbedrohlicher Blutungen.
- Wunddebridement: Entfernung von zerstörtem Gewebe, Fremdmaterial und Geschossteilchen.
- Rekonstruktive Chirurgie: Wiederherstellung beschädigter Strukturen wie Gefäße, Nerven und Organe.
- Intensivmedizin: Überwachung und Stabilisierung bei schwerem Trauma, Schockbehandlung.
- Infektionsprophylaxe: Antibiotikagabe und Tetanusschutz sind bei Schusswunden obligatorisch.
Völkerrechtliche und rechtliche Lage
Der Einsatz von Dumdum Geschossen im Kriegsrecht ist seit der Haager Erklärung von 1899 verboten. Diese Vereinbarung untersagt ausdrücklich die Verwendung von Geschossen, die sich im menschlichen Körper leicht ausdehnen oder abplatten. Das Verbot gilt für zwischenstaatliche bewaffnete Konflikte und ist Bestandteil des humanitären Völkerrechts.
Im zivilen Bereich hingegen sind Hohlspitz- und Deformationsgeschosse in vielen Ländern für Strafverfolgungsbehörden und zur Jagd erlaubt oder sogar vorgeschrieben, da sie das Risiko von Übergangsdurchschüssen und damit verbundenen Kollateralverletzungen reduzieren. In Deutschland regelt das Waffengesetz (WaffG) in Verbindung mit der Allgemeinen Waffengesetz-Verordnung (AWaffV) die Verwendung solcher Munition.
Bedeutung in der Notfall- und Katastrophenmedizin
Kenntnisse über die Wirkung von Deformationsgeschossen sind für Ärzte, Notfälle, Rettungsdienstpersonal und Militärärzte von großer Bedeutung. Eine rasche Einschätzung der Verletzungsschwere auf Basis der verwendeten Munition kann lebensrettend sein und die Priorisierung bei der Triage entscheidend beeinflussen.
Quellen
- Tikka, S. & Leppaniemi, A. (2014). Wound Ballistics: An Introduction. Scandinavian Journal of Surgery, 103(2), 76–81.
- Haager Erklärung betreffend Dum-Dum-Geschosse (1899). Internationale Friedenskonferenz, Den Haag. Verfügbar über das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK): www.icrc.org
- Bundesministerium der Justiz: Waffengesetz (WaffG) und Allgemeine Waffengesetz-Verordnung (AWaffV), aktuelle Fassung. www.gesetze-im-internet.de
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