M49.0 – Tuberkulose der Wirbelsäule
M49.0 ist ein ICD-10-Diagnosecode für Tuberkulose der Wirbelsäule. Er beschreibt eine durch Mykobakterien verursachte Infektion, die Wirbelkörper und Bandscheiben beschädigen kann.
Wissenswertes über "M49.0"
M49.0 ist ein ICD-10-Diagnosecode für Tuberkulose der Wirbelsäule. Er beschreibt eine durch Mykobakterien verursachte Infektion, die Wirbelkörper und Bandscheiben beschädigen kann.
Was ist M49.0?
Der ICD-10-Code M49.0 steht für Tuberkulose der Wirbelsäule, auch bekannt als Spondylitis tuberculosa oder Pott-Krankheit. Es handelt sich um eine spezifische Form der extrapulmonalen Tuberkulose, bei der das Mycobacterium tuberculosis die Wirbelkörper, Bandscheiben und umliegendes Gewebe befällt. Diese Erkrankung ist eine der ältesten bekannten Infektionskrankheiten des Knochens und kann zu schwerwiegenden strukturellen Schäden der Wirbelsäule führen.
Ursachen
Die Tuberkulose der Wirbelsäule wird durch das Bakterium Mycobacterium tuberculosis verursacht. Die Erreger gelangen in der Regel auf hämatogenem Weg (also über den Blutkreislauf) von einem primären Infektionsherd, meistens der Lunge, zur Wirbelsäule. Seltener erfolgt die Ausbreitung über das Lymphsystem. Zu den Risikofaktoren zählen:
- Kontakt mit an Tuberkulose erkrankten Personen
- Geschwächtes Immunsystem (z. B. bei HIV-Infektion, Diabetes mellitus oder immunsuppressiver Therapie)
- Mangelernährung und Armut
- Leben oder Herkunft aus Ländern mit hoher Tuberkulose-Prävalenz
- Höheres Lebensalter
Symptome
Die Symptome der Wirbelsäulentuberkulose entwickeln sich häufig schleichend über Monate bis Jahre. Typische Beschwerden sind:
- Rückenschmerzen, oft im Bereich der Brust- oder Lendenwirbelsäule, die sich in Ruhe verschlimmern können
- Fieber und Nachtschweiß
- Ungewollter Gewichtsverlust und allgemeine Schwäche
- Steifigkeit der Wirbelsäule
- Im fortgeschrittenen Stadium: Kyphose (Buckelförmige Krümmung der Wirbelsäule, sog. Pott-Buckel)
- Neurologische Ausfälle wie Taubheitsgefühl, Schwäche in den Beinen oder im schlimmsten Fall eine Paraplegie (Lähmung beider Beine)
- Abszesse (Eiteransammlungen) im Bereich der Wirbelsäule
Diagnose
Die Diagnose der Spondylitis tuberculosa erfordert eine Kombination aus klinischer Untersuchung, bildgebenden Verfahren und mikrobiologischen Tests:
- Bildgebung: MRT (Magnetresonanztomografie) gilt als Goldstandard zur Beurteilung von Wirbelkörpern, Bandscheiben und Weichteilen. Auch Röntgen und CT werden eingesetzt.
- Laboruntersuchungen: Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), C-reaktives Protein (CRP) und Blutbild können auf eine Entzündung hinweisen.
- Tuberkulin-Hauttest (Mantoux-Test) und Interferon-Gamma-Release-Assay (IGRA) zum Nachweis einer Tuberkulose-Infektion.
- Biopsie: Entnahme von Gewebe aus dem betroffenen Wirbel zur mikrobiologischen und histologischen Untersuchung – dieser Schritt ist oft entscheidend für die Diagnosebestätigung.
Behandlung
Medikamentöse Therapie
Die Standardbehandlung der Wirbelsäulentuberkulose basiert auf einer kombinierten Antibiotikatherapie, auch antituberkulöse Therapie (ATT) genannt. In der Regel wird folgendes Schema eingesetzt:
- Intensivphase (2 Monate): Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid und Ethambutol
- Erhaltungsphase (4–10 Monate): Isoniazid und Rifampicin
Die Gesamtdauer der Therapie beträgt in der Regel mindestens 6 bis 12 Monate, bei neurologischen Komplikationen auch länger.
Operative Therapie
Ein chirurgischer Eingriff kann notwendig sein bei:
- Neurologischen Ausfällen oder drohender Lähmung
- Instabilität der Wirbelsäule
- Großen Abszessen, die nicht medikamentös behandelt werden können
- Fehlschlagen der konservativen Therapie
Unterstützende Maßnahmen
Zusätzlich können Ruhigstellung (z. B. durch ein Korsett), Physiotherapie und ernährungsmedizinische Unterstützung den Heilungsprozess fördern.
Prognose
Bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter Behandlung ist die Prognose der Wirbelsäulentuberkulose im Allgemeinen gut. Spätfolgen wie bleibende Wirbeldeformitäten oder neurologische Schäden können jedoch auftreten, wenn die Erkrankung spät erkannt oder nicht ausreichend behandelt wird.
Quellen
- World Health Organization (WHO): Global Tuberculosis Report 2023. Genf: WHO; 2023. Verfügbar unter: https://www.who.int/teams/global-tuberculosis-programme/tb-reports
- Rajasekaran S, Soundararajan DCR, Shetty AP, Kanna RM. Spinal Tuberculosis: Current Concepts. Global Spine Journal. 2018;8(4 Suppl):96S–108S.
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): ICD-10-GM Version 2024 – Code M49.0. Verfügbar unter: https://www.dimdi.de
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