Bissschiene: Anwendung, Arten & Wirkung
Eine Bissschiene ist eine zahntechnische Apparatur aus Kunststoff, die zum Schutz der Zähne bei nächtlichem Knirschen oder Kieferproblemen getragen wird.
Wissenswertes über "Bissschiene"
Eine Bissschiene ist eine zahntechnische Apparatur aus Kunststoff, die zum Schutz der Zähne bei nächtlichem Knirschen oder Kieferproblemen getragen wird.
Was ist eine Bissschiene?
Eine Bissschiene (auch Okklusionsschiene oder Aufbissschiene genannt) ist eine individuell angepasste Apparatur aus hartem oder weichem Kunststoff, die über die Zähne des Ober- oder Unterkiefers gesteckt wird. Sie gehört zu den am häufigsten eingesetzten Hilfsmitteln in der Zahnmedizin und wird sowohl zur Behandlung als auch zur Vorbeugung verschiedener Beschwerden im Kiefer- und Zahnbereich eingesetzt.
Anwendungsgebiete
Bissschienen werden für unterschiedliche medizinische Zwecke eingesetzt:
- Bruxismus: Bei nächtlichem Zähneknirschen oder -pressen schützt die Schiene die Zahnsubstanz vor übermäßigem Abrieb.
- Kiefergelenksbeschwerden (CMD): Bei der Craniomandibulären Dysfunktion hilft die Schiene, den Kiefer in eine entspannte, optimale Position zu bringen und Muskelverspannungen zu lösen.
- Kopf- und Nackenschmerzen: Beschwerden, die durch Fehlstellungen des Kiefers ausgelöst werden, können durch eine Bissschiene gelindert werden.
- Sportschutz: Spezielle Sportschutzschienen schützen die Zähne bei Kontaktsportarten vor mechanischen Verletzungen.
- Kieferorthopädische Therapie: Nach einer Zahnspangenbehandlung wird die Schiene als Retainer eingesetzt, um das Ergebnis zu stabilisieren.
Arten von Bissschienen
Harte Aufbissschiene (Michigan-Schiene)
Die Michigan-Schiene ist die am häufigsten verwendete Form. Sie besteht aus hartem Acrylkunststoff und wird meist für den Oberkiefer angefertigt. Sie ist besonders geeignet bei Bruxismus und Kiefergelenksbeschwerden.
Weiche Knirscherschiene
Diese Schiene besteht aus einem flexiblen, weichen Kunststoff und wird oft bei leichtem bis mittelschwerem Knirschen eingesetzt. Sie ist angenehmer zu tragen, bietet jedoch bei starkem Knirschen weniger Schutz als die harte Variante.
Schnarcherschiene (Unterkieferprotrusionsschiene)
Diese spezielle Schiene verlagert den Unterkiefer leicht nach vorne, wodurch die Atemwege geöffnet werden. Sie wird therapeutisch bei Schnarchen und leichter bis mittelschwerer Schlafapnoe eingesetzt.
Sportschutzschiene
Individuell angepasste oder konfektionierte Schutzschienen für den Sport schützen Zähne, Kiefer und Weichteile vor Verletzungen durch Stöße und Aufprall.
Herstellung und Anpassung
Eine maßgefertigte Bissschiene wird vom Zahnarzt oder Kieferorthopäden verordnet. Zunächst wird ein präziser Abdruck beider Kiefer genommen, aus dem ein zahntechnisches Labor die individuelle Schiene herstellt. Nach der Fertigstellung erfolgt eine genaue Einschleifen- und Anpassungssitzung beim Zahnarzt, bei der die Okklusion (der Biss) exakt eingestellt wird. Regelmäßige Kontrolltermine sind wichtig, um den Sitz und die Funktion der Schiene zu überprüfen.
Tragehinweise und Pflege
Die meisten Bissschienen werden nachts getragen, da Bruxismus und Kieferpressen häufig im Schlaf auftreten. Einige Schienen werden jedoch auch tagsüber angewendet. Für die Pflege empfiehlt sich:
- Tägliche Reinigung mit einer weichen Zahnbürste und klarem Wasser oder speziellen Reinigungstabletten.
- Aufbewahrung in einem Behälter mit etwas Wasser oder trocken, je nach Schienenmaterial.
- Vermeidung von heißem Wasser, da dies die Schiene verformen kann.
- Regelmäßige zahntechnische Kontrolle auf Verschleiß und korrekten Sitz.
Wirksamkeit und wissenschaftliche Evidenz
Die Wirksamkeit von Bissschienen, insbesondere der Michigan-Schiene, bei der Behandlung von Bruxismus und Kiefergelenksbeschwerden ist durch zahlreiche klinische Studien gut belegt. Sie reduzieren die Belastung des Kiefergelenks, entspannen die Kaumuskulatur und schützen die Zahnhartsubstanz vor weiterem Abrieb. Die Schiene behandelt dabei häufig die Symptome, nicht immer die Grundursache – weshalb eine Kombination mit anderen Therapien wie Physiotherapie, Entspannungstechniken oder Stressmanagement empfohlen werden kann.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) – Leitlinie zur Okklussionsschiene (2022). Verfügbar unter: www.dgzmk.de
- Fricton J et al. – Systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials evaluating intraoral orthopedic appliances for temporomandibular disorders. Journal of Orofacial Pain, 2010;24(3):237-254.
- Lobbezoo F et al. – Bruxism defined and graded: an international consensus. Journal of Oral Rehabilitation, 2013;40(1):2-4.
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