H70.0 – Akute Mastoiditis: Ursachen & Therapie
H70.0 bezeichnet die akute Mastoiditis – eine bakterielle Entzündung des Warzenfortsatzes hinter dem Ohr, meist als Komplikation einer Mittelohrentzündung.
Wissenswertes über "H70.0"
H70.0 bezeichnet die akute Mastoiditis – eine bakterielle Entzündung des Warzenfortsatzes hinter dem Ohr, meist als Komplikation einer Mittelohrentzündung.
Was ist H70.0 – Akute Mastoiditis?
H70.0 ist der ICD-10-Code für die akute Mastoiditis, eine bakterielle Entzündung des Mastoids (Warzenfortsatz des Schläfenbeins), eines knöchernen Fortsatzes direkt hinter der Ohrmuschel. Das Mastoid enthält luftgefüllte Zellen, die mit dem Mittelohr in Verbindung stehen und sich im Rahmen einer unbehandelten oder komplizierten Mittelohrentzündung infizieren können.
Ursachen
Die akute Mastoiditis entsteht überwiegend als Komplikation einer akuten Otitis media (Mittelohrentzündung). Bakterien breiten sich aus dem Mittelohr in die Mastoidzellen aus. Häufige Erreger sind:
- Streptococcus pneumoniae
- Staphylococcus aureus
- Streptococcus pyogenes
- Haemophilus influenzae
- Pseudomonas aeruginosa (vor allem bei chronischen Verläufen)
Begünstigende Faktoren sind verzögerte oder unvollständige Behandlung einer Mittelohrentzündung, ein gesächwächtes Immunsystem sowie anatomische Besonderheiten.
Symptome
Die typischen Beschwerden der akuten Mastoiditis umfassen:
- Schmerzen hinter oder im Bereich des Ohres
- Rötung und Schwellung über dem Warzenfortsatz
- Abstehen der Ohrmuschel (durch Druckentwicklung)
- Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl
- Ohrausfluss (Otorrhoe)
- Hörverlust oder Druckgefühl im Ohr
Bei Kindern unter zwei Jahren können die Symptome weniger spezifisch sein, weshalb eine frühzeitige ärztliche Untersuchung besonders wichtig ist.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt klinisch und wird durch bildgebende Verfahren gestützt:
- Klinische Untersuchung: Inspektion des äußeren Ohres, Palpation des Mastoids, Otoskopie
- Blutuntersuchung: Erhöhte Entzündungswerte (CRP, Leukozytose)
- CT des Felsenbeins: Goldstandard zur Beurteilung des Mastoids und zum Ausschluss von Komplikationen
- MRT: Bei Verdacht auf intrakranielle Ausbreitung
- Abstrich/Kultur: Erregernachweis zur gezielten Antibiotikatherapie
Behandlung
Die Therapie der akuten Mastoiditis umfasst:
Konservative Behandlung
Bei unkomplizierten Fällen wird eine intravenöse Antibiotikatherapie eingeleitet, häufig mit Breitspektrumantibiotika wie Amoxicillin-Clavulansäure oder Cephalosporinen. Zusätzlich können abschwellende Nasentropfen und Schmerzmedikamente eingesetzt werden.
Operative Behandlung
Bei Komplikationen oder fehlendem Ansprechen auf die Antibiotikatherapie ist ein operativer Eingriff notwendig:
- Parazentese: Einschnitt ins Trommelfell zur Entlastung des Mittelohrs
- Mastoidektomie: Operative Entfernung des erkrankten Mastoidgewebes
- Drainage eines subperiostalen Abszesses, wenn vorhanden
Komplikationen
Ohne rechtzeitige Behandlung kann die akute Mastoiditis zu schweren Komplikationen führen:
- Subperiostaler oder epiduraler Abszess
- Meningitis (Hirnhautentzündung)
- Sinusthrombose (Gerinnsel in Hirnvenen)
- Fazialisparese (Lähmung des Gesichtsnervs)
- Labyrinthitis (Entzündung des Innenohrs)
Quellen
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) – ICD-10-GM Version 2024, Kapitel H70.0
- Limänsky S. et al. – Acute Mastoiditis in Children – Pediatric Infectious Disease Journal, 2021
- Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde – S2k-Leitlinie Otitis media, AWMF 2020
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