H90.4 – Beidseitige Schallleitungsschwerhörigkeit
H90.4 ist der ICD-10-Code für beidseitige Schallleitungsschwerhörigkeit. Dabei ist die Weiterleitung von Schall über Außen- oder Mittelohr gestört.
Wissenswertes über "H90.4"
H90.4 ist der ICD-10-Code für beidseitige Schallleitungsschwerhörigkeit. Dabei ist die Weiterleitung von Schall über Außen- oder Mittelohr gestört.
Was bedeutet der ICD-10-Code H90.4?
Der ICD-10-Code H90.4 steht für eine beidseitige Schallleitungsschwerhörigkeit ohne Angabe einer Schallempfindungsstörung. Das bedeutet, dass auf beiden Seiten die Weiterleitung des Schalls über den äußeren Gehörgang und das Mittelohr zu den Strukturen des Innenohrs gestört ist. Das Innenohr selbst (Cochlea, Hörnerv) ist dabei in der Regel nicht beeinträchtigt.
Ursachen
Eine Schallleitungsschwerhörigkeit kann durch verschiedene Erkrankungen oder Veränderungen des Außen- oder Mittelohrs entstehen:
- Ohrenschmalzpfropf (Cerumen obturans): Ansammlung von Ohrenschmalz im Gehörgang, die den Schallweg blockiert.
- Otitis media (Mittelohrentzündung): Entzündung im Mittelohr, häufig mit Flüssigkeitsansammlung verbunden.
- Serotöses Mittelohr (Paukenhöhlenergüss): Flüssigkeit hinter dem Trommelfell, die die Schallweiterleitung dämpft.
- Trommelfellperforation: Ein Loch im Trommelfell durch Entzündung, Trauma oder Druckveränderungen.
- Otosklerose: Eine Verknöcherung der Gehörknöchelchen, insbesondere des Stapes (Steigbügel).
- Fehlbildungen des Mittelohrs: Angeborene oder erworbene Veränderungen der Gehörknöchelchenkette.
- Fremdkörper im Gehörgang.
Symptome
Die typischen Symptome einer beidseitigen Schallleitungsschwerhörigkeit (H90.4) umfassen:
- Verminderte Hörfähigkeit auf beiden Ohren
- Gefühl von Druck oder Verstopftsein im Ohr
- Gedämpftes oder dumpfes Hören
- Schwierigkeiten beim Verstehen von Sprache, besonders in lärmiger Umgebung
- Gelegentlich Tinnitus (Ohrgeräusche)
Diagnose
Die Diagnose einer Schallleitungsschwerhörigkeit wird durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt) gestellt. Folgende Untersuchungen kommen zum Einsatz:
- Otoskopie: Sichtuntersuchung des äußeren Gehörgangs und des Trommelfells mit einem Otoskop.
- Reintonaudiometrie: Messung der Hörschwelle bei verschiedenen Frequenzen; zeigt typischerweise eine Luftleitungs-Knochenleitungs-Lücke (Air-Bone-Gap).
- Tympanometrie: Messung der Beweglichkeit des Trommelfells und der Funktion des Mittelohrs.
- Stimmgabeltest (Weber und Rinne): Einfache Orientierungsuntersuchung zur Unterscheidung von Schallleitungs- und Schallempfindungsstörung.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Schallleitungsschwerhörigkeit:
- Ohrenschmalzentfernung: Aussrüsten, Auspülen oder Absaugen des Gehörgangs durch den Arzt.
- Medikamentöse Therapie: Antibiotika oder entzündungshemmende Mittel bei Mittelohrentzündung.
- Paukendrainage (Paukenröhrchen): Kleines Röhrchen im Trommelfell zur Belüftung des Mittelohrs bei chronischem Paukenhöhlenergüss.
- Operative Eingriffe: Zum Beispiel Tympanoplastik (Trommelfellrekonstruktion) oder Stapedektomie bei Otosklerose.
- Hörgeräteversorgung: Bei dauerhafter oder nicht operabler Schwerhörigkeit können Hörgeräte die Hörfähigkeit verbessern.
Abgrenzung zu verwandten ICD-10-Codes
Im ICD-10-Klassifikationssystem gibt es weitere Codes, die H90.4 ergänzen oder von ihm abzugrenzen sind:
- H90.0: Schallleitungsschwerhörigkeit beidseits (ohne weitere Angabe in manchen Klassifikationsversionen)
- H90.1: Schallleitungsschwerhörigkeit einseitig mit normalem Gehör auf der anderen Seite
- H90.2: Schallleitungsschwerhörigkeit, nicht näher bezeichnet
- H90.3 bis H90.8: Weitere Formen der Schwerhörigkeit, einschließlich gemischter und sensorineuraler Formen
Quellen
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): ICD-10 Version 2019 – Kapitel VIII: Krankheiten des Ohres und des Warzenfortsatzes (H60-H95). Abgerufen unter: https://icd.who.int/
- Strutz J., Mann W. (Hrsg.): Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie. 3. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2021.
- Boenninghaus H.-G., Lenarz T.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. 14. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2012.
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