H90.8 - Kombinierter Hörverlust ICD-10
H90.8 ist ein ICD-10-Diagnosecode für einen kombinierten Hörverlust, der sowohl schallleitende als auch schallempfindende Anteile umfasst, ohne nähere Angabe.
Wissenswertes über "H90.8"
H90.8 ist ein ICD-10-Diagnosecode für einen kombinierten Hörverlust, der sowohl schallleitende als auch schallempfindende Anteile umfasst, ohne nähere Angabe.
Definition und Einordnung
H90.8 ist ein Diagnosescode nach dem Internationalen Klassifikationssystem für Krankheiten (ICD-10) und beschreibt einen kombinierten Schalleitungs- und Schallempfindungsschwerhörigkeit ohne weitere Spezifizierung. Das bedeutet, dass bei der betroffenen Person beide Formen des Hörverlusts gleichzeitig vorliegen, ohne dass eine genaue seitliche Zuordnung (links, rechts oder beidseitig) dokumentiert ist.
Formen des Hörverlusts
Um den Code H90.8 vollständig zu verstehen, ist es hilfreich, die beiden Grundtypen des Hörverlusts zu kennen:
- Schallleitungsschwerörigkeit (konduktiver Hörverlust): Gestörte Übertragung von Schallwellen über das Außen- oder Mittelohr. Ursachen können Ohrenschmalzpfropf, Mittelohrentzündung oder Trommelfelldefekte sein.
- Schallempfindungsschwerörigkeit (sensorineuraler Hörverlust): Schädigung des Innenohrs oder des Hörnervs. Häufige Ursachen sind Altersschwerörigkeit, Lärmbedingter Hörverlust oder genetische Faktoren.
- Kombinierter Hörverlust: Beim kombinierten Typ liegen beide Schädigungsformen gleichzeitig vor. Dieser Typ wird unter H90.8 kodiert, wenn keine genaue Seitenangabe gemacht wird.
Ursachen
Ein kombinierter Hörverlust kann verschiedene Ursachen haben:
- Chronische Mittelohrentzündungen mit zusätzlicher Innenohrbeteiligung
- Altersbedingte Veränderungen kombiniert mit vorbestehenden Mittelohrproblemen
- Otosklerose mit Innenohr-Beteiligung
- Traumatische Schädigung des Ohres
- Bestimmte Medikamente (ototoxische Substanzen) kombiniert mit anatomischen Veränderungen
- Genetische Erkrankungen, die mehrere Strukturen des Ohres betreffen
Symptome
Typische Beschwerden bei einem kombinierten Hörverlust umfassen:
- Verminderte Hörfähigkeit in verschiedenen Frequenzbereichen
- Schwierigkeiten, Sprache zu verstehen, insbesondere in geräuschvoller Umgebung
- Ohrgeräusche (Tinnitus) in manchen Fällen
- Druckgefühl im Ohr
- Sozialer Rückzug durch Kommunikationsprobleme
Diagnose
Zur Feststellung und Kodierung eines H90.8-Hörverlusts werden folgende diagnostische Maßnahmen eingesetzt:
- Audiogramm (Tonaudiometrie): Messung der Hörschwelle bei verschiedenen Frequenzen zur Differenzierung von Schalleitungs- und Schallempfindungsanteil
- Tympanometrie: Beurteilung der Mittelohrfunktion
- Stimmgabelversuche (z.B. Weber- und Rinne-Test) zur ersten Einschätzung
- HNO-ärztliche Untersuchung zur Abklärung der zugrunde liegenden Ursache
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach der Ursache und dem Ausmaß des Hörverlusts:
- Konservative Maßnahmen: Behandlung von Grunderkrankungen wie Mittelohrentzündungen mit Medikamenten
- Operative Eingriffe: Bei strukturellen Veränderungen des Mittelohrs (z.B. Tympanoplastik)
- Hörgerate: Häufig die wichtigste Maßnahme bei dauerhaftem kombiniertem Hörverlust
- Cochlea-Implantat: Bei schwerem bis an Taubheit grenzendem Innenohrschaden
- Rehabilitation: Hörtraining und audiologische Rehabilitation zur Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit
Klinische Relevanz des Codes H90.8
Der ICD-10-Code H90.8 wird in der ärztlichen Dokumentation, Abrechnung und Statistik verwendet. Er signalisiert, dass eine genauere Differenzierung nach Seite (H90.6 für beidseitig, H90.7 für einseitig) nicht vorgenommen wurde. Eine präzise Kodierung ist wichtig für eine korrekte Abrechnung und für die epidemiologische Erfassung von Hörstörungen.
Quellen
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) / BfArM: ICD-10-GM Version 2024 - Kapitel VIII: Krankheiten des Ohres und des Warzenfortsatzes (H60-H95). www.bfarm.de
- World Health Organization (WHO): International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, 10th Revision (ICD-10). Geneva: WHO, 2019.
- Boenninghaus H-G, Lenarz T: HNO. 14. Auflage. Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2012.
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