K52.0 – Strahlenkolitis: Ursachen & Behandlung
K52.0 ist der ICD-10-Code für Strahlenkolitis und -enterokolitis – Entzündungen des Darms, die durch ionisierende Strahlung bei Krebstherapien entstehen.
Wissenswertes über "K52.0"
K52.0 ist der ICD-10-Code für Strahlenkolitis und -enterokolitis – Entzündungen des Darms, die durch ionisierende Strahlung bei Krebstherapien entstehen.
Was ist K52.0?
Der ICD-10-Code K52.0 steht für Strahlenkolitis und Strahlenenterokolitis – Entzündliche Erkrankungen des Dick- und/oder Dünndarms, die durch die Einwirkung von ionisierender Strahlung (Radiatio) ausgelöst werden. Diese Erkrankung tritt hauptsächlich als Nebenwirkung von Strahlentherapien bei Krebserkrankungen im Becken-, Bauch- oder Retroperitonealbereich auf.
Ursachen
Die häufigste Ursache der Strahlenkolitis ist eine therapeutische Bestrahlung (Radiotherapie) bei malignen Erkrankungen, insbesondere bei:
- Prostatakrebs
- Gebärmutterhalskrebs und Gebärmutterkrebs
- Rektal- und Kolonkarzinom
- Blasenkrebs
- Lymphomen im Beckenbereich
Die Strahlung schädigt die empfindlichen Schleimhautzellen des Darms direkt und führt zu einer entzündlichen Reaktion sowie langfristigen Veränderungen der Gefäßversorgung des Darmgewebes.
Symptome
Die Symptome können in eine akute und eine chronische Phase unterteilt werden:
Akute Strahlenkolitis (während oder kurz nach der Bestrahlung)
- Durchfall (Diarrhoe)
- Bauchkrämpfe und Schmerzen
- Blähungen
- Blut oder Schleim im Stuhl
- Häufiger Stuhldrang (Tenesmus)
- Übelkeit
Chronische Strahlenkolitis (Monate bis Jahre nach der Bestrahlung)
- Anhaltende Diarrhö oder Verstopfung
- Rektale Blutungen
- Narbige Verengungen des Darms (Strikturen)
- Fistelbildung
- Malabsorption von Nährstoffen
- Gewïchtsverlust
Diagnose
Die Diagnose der Strahlenkolitis erfolgt durch eine Kombination aus:
- Anamnese: Vorherige Strahlentherapie im Bauch- oder Beckenbereich
- Koloskopie / Endoskopie: Beurteilung der Darmschleimhaut, Nachweis von Entzündungszeichen, Erosionen, Ulzerationen oder Teleangiektasien
- Bildgebung: CT oder MRT zur Beurteilung von Strikturen, Fisteln oder Abszessen
- Histologie: Gewebeproben zur Unterscheidung von anderen Darmerkrankungen
- Laboruntersuchungen: Blutbild, Entzündungsmarker (CRP, BSG), Albumin
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und dem zeitlichen Verlauf (akut vs. chronisch):
Konservative Therapie
- Diätische Maßnahmen: Ballaststoffreduzierte, leicht verdauliche Kost; bei Malabsorption ggf. parenterale Ernährung
- Antidiarrhoika: z.B. Loperamid zur Symptomkontrolle
- Topische oder systemische Kortikosteroide: Zur Entzündungsdämpfung
- Sucralfat-Einläufe: Bei rektalen Blutungen
- Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO): Kann die Gewebeheilung fördern
Interventionelle und chirurgische Therapie
- Endoskopische Koagulation: Bei rektalen Blutungen durch Teleangiektasien (z.B. Argon-Plasma-Koagulation)
- Chirurgische Eingriffe: Bei Strikturen, Fisteln oder schwerwiegenden Komplikationen, ggf. Anlage eines Stomas
Prognose
Die akute Strahlenkolitis klingt in der Regel nach Abschluss der Strahlentherapie ab. Die chronische Form kann jedoch therapieresätent verlaufen und erfordert eine langfristige medizinische Begleitung. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind wichtig, da durch die Strahlung geschädigtes Gewebe ein erhöhtes Risiko für Sekundärerkrankungen aufweisen kann.
Quellen
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) / BfArM: ICD-10-GM Version 2024, K52.0 – Strahlenbedingte Gastroenteritis und Kolitis.
- Shadad AK et al. – Gastrointestinal radiation injury: Symptoms, risk factors and mechanisms. World J Gastroenterol. 2013; 19(2): 185–198.
- Stacey R, Green JT – Radiation-induced small bowel disease: latest developments and clinical guidance. Ther Adv Chronic Dis. 2014; 5(1): 15–29.
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