K55.9 - Gefäßkrankheit des Darmes | ICD-10
K55.9 ist ein ICD-10-Diagnosecode für eine nicht näher bezeichnete Gefäßkrankheit des Darmes. Dabei wird die Blutversorgung des Darms gestört, was zu Ischämie und Gewebsschäden führen kann.
Wissenswertes über "K55.9"
K55.9 ist ein ICD-10-Diagnosecode für eine nicht näher bezeichnete Gefäßkrankheit des Darmes. Dabei wird die Blutversorgung des Darms gestört, was zu Ischämie und Gewebsschäden führen kann.
Definition und ICD-10-Einordnung
K55.9 ist ein Diagnosecode aus der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) und steht für eine nicht näher bezeichnete Gefäßkrankheit des Darmes. Der Code gehört zur Gruppe K55, welche vaskuläre Erkrankungen des Darmes umfasst. Er wird verwendet, wenn eine Ischämie (Durchblutungsstörung) des Darms vorliegt, die keiner spezifischeren Unterkategorie zugeordnet werden kann.
Ursachen
Eine vaskuläre Darmerkrankung entsteht durch eine unzureichende Blutversorgung des Darms. Mögliche Ursachen sind:
- Arterielle Verschlüsse: Blutgerinnsel oder Ablagerungen (Arteriosklerose) können die Mesenterialarterien, die den Darm versorgen, blockieren.
- Venöse Thrombose: Gerinnsel in den Darmpfortadern behindern den Blutabfluss.
- Niedriger Blutdruck: Ein anhaltend niedriger Blutdruck (z. B. bei Schock) kann die Darmdurchblutung kritisch reduzieren.
- Herzerkrankungen: Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern können Embolien verursachen, die in Darmarterien gelangen.
- Gefäßverengungen: Chronische Arteriosklerose der Mesenterialgefäße führt zu einer schleichenden Minderversorgung.
Symptome
Die Beschwerden hängen von der Art und dem Ausmaß der Durchblutungsstörung ab. Häufige Symptome sind:
- Plötzliche, starke Bauchschmerzen (bei akuter Ischämie)
- Krampfartige Bauchschmerzen nach dem Essen (bei chronischer Ischämie, sog. Angina abdominalis)
- Übelkeit und Erbrechen
- Blutiger Durchfall
- Aufgeblähter, harter Bauch
- Gewichtsverlust (bei chronischen Verläufen)
- Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl
Diagnose
Die Diagnose einer intestinalen Ischämie erfordert eine sorgfältige Untersuchung:
- Laborwerte: Erhöhte Laktatwerte, Leukozytose und Erhöhung von Entzündungsmarkern (CRP, Procalcitonin) können auf eine Darmischämie hinweisen.
- CT-Angiographie: Die Computertomographie mit Kontrastmittel gilt als Goldstandard zur Darstellung der Mesenterialgefäße und möglicher Verschlüsse.
- Duplex-Sonographie: Ultraschalluntersuchung zur Beurteilung der Blutflusses in den Mesenterialgefäßen.
- Koloskopie: Darmspiegelung zur direkten Beurteilung der Darmschleimhaut bei Verdacht auf ischämische Kolitis.
- MRT: In bestimmten Fällen zur genaueren Gefäßdarstellung eingesetzt.
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung:
Konservative Behandlung
- Gabe von Antikoagulanzien (Blutverdünnern) zur Verhinderung weiterer Gerinnsel
- Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich
- Schmerztherapie
- Behandlung der Grunderkrankung (z. B. Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen)
Interventionelle und operative Therapie
- Katheterbasierte Verfahren: Lyse von Blutgerinnseln oder Einsetzen eines Stents zur Wiedereröffnung der Gefäße (Revaskularisation)
- Chirurgische Eingriffe: Bei ausgedehnter Darmnekrose kann eine Darmresektion (operative Entfernung des geschädigten Darmabschnitts) notwendig sein.
Prognose
Die Prognose hängt stark vom Zeitpunkt der Diagnose und der eingeleiteten Therapie ab. Eine akute mesenteriale Ischämie ist ein medizinischer Notfall mit hoher Sterblichkeit, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird. Chronische Verläufe können bei frühzeitiger Therapie oft gut behandelt werden.
Quellen
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) / BfArM: ICD-10-GM Version 2024, Kapitel XI, Gruppe K55.
- Tilsed J.V. et al. - ESTES Guidelines: Acute Mesenteric Ischaemia. European Journal of Trauma and Emergency Surgery, 2016.
- Leitlinienprogramm der DGVS: S2k-Leitlinie Intestinale Ischämie, Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, 2021.
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