K58.0 – Reizdarmsyndrom mit Diarrhoe
K58.0 ist der ICD-10-Code für das Reizdarmsyndrom mit Diarrhoe – eine funktionelle Darmerkrankung mit wiederkehrendem Durchfall und Bauchschmerzen ohne organische Ursache.
Wissenswertes über "K58.0"
K58.0 ist der ICD-10-Code für das Reizdarmsyndrom mit Diarrhoe – eine funktionelle Darmerkrankung mit wiederkehrendem Durchfall und Bauchschmerzen ohne organische Ursache.
Was bedeutet K58.0?
Der Diagnosecode K58.0 entstammt der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) und steht für das Reizdarmsyndrom mit Diarrhoe (auch: Reizdarmsyndrom mit Durchfall). Dabei handelt es sich um eine funktionelle Erkrankung des Darms, bei der keine strukturellen oder organischen Veränderungen nachgewiesen werden können, obwohl die Betroffenen unter erheblichen Beschwerden leiden.
Ursachen
Die genauen Ursachen des Reizdarmsyndroms mit Diarrhoe sind noch nicht vollständig geklärt. Als mögliche Auslöser und begünstigende Faktoren gelten:
- Veränderungen der Darmmotiliät: Beschleunigte Darmpassage führt zu flüssigem Stuhl.
- Viszerale Überempfindlichkeit: Erhöhte Schmerzwahrnehmung im Darm bei normalen Reizen.
- Darmflora-Veränderungen (Dysbiose): Ein Ungleichgewicht der Darmbakterien kann die Funktion des Darms beeinträchtigen.
- Post-infektiöses Reizdarmsyndom: Kann nach einer Magen-Darm-Infektion auftreten.
- Psychosoziale Faktoren: Stress, Angst und Depressionen stehen in engem Zusammenhang mit dem Reizdarmyndrom.
- Ernährungseinflüsse: Bestimmte Lebensmittel (z.B. FODMAP-reiche Nahrungsmittel, Koffein, fettreiche Speisen) können Symptome auslösen.
Symptome
Das Reizdarmsyndrom mit Diarrhoe (K58.0) ist durch folgende typische Beschwerden gekennzeichnet:
- Wiederkehrender, oft imperativer Durchfall (mehr als 3 Stuhlgänge pro Tag)
- Bauchschmerzen und -krämpfe, die sich nach dem Stuhlgang bessern
- Aufgeblähter Bauch (Blähungen)
- Gefühl der unvollständigen Darmentleerung
- Schleimbeimengungen im Stuhl
- Wechsel zwischen Durchfall und normaler Stuhlkonsistenz
Die Beschwerden treten chronisch oder wiederkehrend auf und bestehen in der Regel seit mindestens 6 Monaten.
Diagnose
Die Diagnose K58.0 wird als Ausschlussdiagnose gestellt. Das bedeutet, dass zunächst organische Erkrankungen ausgeschlossen werden müssen, wie etwa:
- Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
- Zoliakie (Glutenunverträglichkeit)
- Infektiöse Darmerkrankungen
- Darmkrebs
- Laktose- oder Fruktoseintoleranz
Zur Diagnosestellung werden eingesetzt:
- Ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung
- Blutbild, Entzündungsmarker (CRP, BSG)
- Stuhluntersuchungen (inkl. Calprotectin)
- Darmspiegelung (Koloskopie) mit Biopsie
- Gegebenenfalls Ultraschall des Bauchs
Die Rom-IV-Kriterien bilden die international anerkannte Grundlage für die Diagnose des Reizdarmsyndroms.
Behandlung
Eine Heilung des Reizdarmsyndroms ist bislang nicht möglich, jedoch können die Beschwerden gut kontrolliert werden. Die Behandlung erfolgt individuell und umfasst mehrere Ansätze:
Ernährungsumstellung
- Low-FODMAP-Diät: Reduktion von fermentierbaren Kohlenhydraten hat sich in Studien als wirksam erwiesen.
- Meiden von individuellen Auslösern (z.B. Koffein, fettreiche Speisen, Alkohol)
- Regelmäßige Mahlzeiten und ausreichende Flüssigkeitszufuhr
Medikamentöse Therapie
- Loperamid: Zur Reduktion der Stuhlfrequenz und -konsistenz
- Spasmolytika (z.B. Butylscopolamin, Mebeverin): Bei Bauchkrämpfen
- Probiotika: Können die Darmflora stabilisieren und Symptome lindern
- Antidepressiva in niedriger Dosierung (z.B. trizyklische Antidepressiva): Bei schweren Fällen mit zusätzlicher psychischer Belastung
Psychotherapeutische und komplementäre Ansätze
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
- Darmgerichtete Hypnotherapie
- Stressmanagement und Entspannungstechniken (z.B. Yoga, progressive Muskelentspannung)
Quellen
- Layer P. et al. – S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2021. AWMF-Registernummer 021-016.
- Lacy B.E. et al. – Bowel Disorders. Gastroenterology, 2016;150(6):1393–1407. (Rom-IV-Kriterien)
- World Gastroenterology Organisation (WGO) – Irritable Bowel Syndrome: A Global Perspective. WGO Global Guidelines, 2015. Verfügbar unter: www.worldgastroenterology.org
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