Quecksilbertherapie – Geschichte, Risiken und aktueller Stand
Die Quecksilbertherapie bezeichnet historische medizinische Behandlungen mit Quecksilberverbindungen. Heute gilt Quecksilber als hochtoxisch und wird in der Medizin nicht mehr therapeutisch eingesetzt.
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Die Quecksilbertherapie bezeichnet historische medizinische Behandlungen mit Quecksilberverbindungen. Heute gilt Quecksilber als hochtoxisch und wird in der Medizin nicht mehr therapeutisch eingesetzt.
Was ist die Quecksilbertherapie?
Die Quecksilbertherapie bezeichnet den historischen medizinischen Einsatz von Quecksilber und seinen Verbindungen zur Behandlung verschiedener Erkrankungen. Über Jahrhunderte hinweg galt Quecksilber als eines der wichtigsten Heilmittel der westlichen und ostasiatischen Medizin. Heute ist bekannt, dass Quecksilber (Hg, lateinisch: Hydrargyrum) ein hochgiftiges Schwermetall ist, das schwere gesundheitliche Schäden verursachen kann. Der therapeutische Einsatz von Quecksilber ist in der modernen Medizin vollständig verlassen worden.
Historischer Hintergrund
Die Verwendung von Quecksilber in der Medizin reicht bis in die Antike zurück. In der europäischen Medizin erlangte die Quecksilbertherapie besondere Bedeutung im 15. und 16. Jahrhundert, als Quecksilberpräparate -- insbesondere Quecksilberchlorid (Kalomel) und Quecksilbersalbe -- zur Behandlung der Syphilis eingesetzt wurden. Die Behandlung wurde als sogenannte Schmierkur durchgeführt, bei der der Patient ganzkörperlich mit Quecksilbersalbe eingerieben wurde.
Weitere historische Anwendungsgebiete
- Behandlung von Syphilis (15.-19. Jahrhundert)
- Einsatz als Abführmittel (Kalomel)
- Desinfektion und Wundbehandlung (Mercurochrom, Quecksilberchlorid)
- Behandlung von Hauterkrankungen wie Psoriasis und Furunkulose
- Einsatz in der Zahnmedizin als Bestandteil von Amalgamfüllungen (Quecksilber-Silber-Legierung)
- Verwendung als Konservierungsmittel in Impfstoffen (Thiomersal)
Wirkmechanismus historischer Quecksilberpräparate
Quecksilberverbindungen wirken durch ihre starke Bindung an Schwefelgruppen in Proteinen und Enzymen. Dadurch werden mikrobielle Proteine inaktiviert, was eine antimikrobielle Wirkung erklärt. Beim Erreger der Syphilis, Treponema pallidum, konnte durch hohe Quecksilberkonzentrationen eine gewisse hemmende Wirkung erzielt werden. Allerdings waren die toxischen Nebenwirkungen auf den menschlichen Organismus erheblich und oft lebensbedrohlich.
Toxizität und Risiken
Quecksilber ist in allen seinen Formen -- elementar, anorganisch und organisch -- toxisch. Die wichtigsten Schadwirkungen betreffen:
- Nervensystem: Zittern, Gedächtnisverlust, Persönlichkeitsveränderungen, Polyneuropathie (sog. Erethismus mercurialis)
- Nieren: Nierenschäden bis hin zum Nierenversagen
- Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Erbrechen, starke Koliken
- Mundhöhle: Zahnausfall, Kiefernekrose, starker Speichelfluss (Salivation)
- Immunsystem: Störungen der Immunfunktion
Bei der historischen Schmierkur traten diese Vergiftungserscheinungen regelmäßig auf. Viele Patienten starben nicht an der Syphilis selbst, sondern an den Folgen der Quecksilberbehandlung.
Moderne Perspektive und aktueller Stand
In der modernen Medizin wird Quecksilber nicht mehr therapeutisch eingesetzt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und nationale Gesundheitsbehörden haben den Einsatz quecksilberhaltiger Produkte im Gesundheitswesen stark eingeschränkt oder verboten. So wurden quecksilberhaltige Fieberthermometer und Blutdruckmessgeräte weitgehend durch sichere Alternativen ersetzt. Auch Thiomersal in Impfstoffen wird zunehmend durch thiomersalfreie Formulierungen substituiert. Das Minamata-Abkommen der Vereinten Nationen (2013) verpflichtet die Unterzeichnerstaaten zur schrittweisen Abschaffung quecksilberhaltiger Produkte und Prozesse weltweit.
Amalgam in der Zahnmedizin
Eine der letzten verbliebenen medizinischen Anwendungen von Quecksilber ist Dentalamalgam, eine Legierung aus Quecksilber, Silber, Zinn und anderen Metallen, die als Zahnfüllungsmaterial verwendet wird. Auch hier wird der Einsatz zunehmend eingeschraenkt: Die EU hat den Einsatz von Amalgam bei Kindern, Schwangeren und Stillenden bereits verboten und plant eine vollstaendige Abschaffung bis 2025/2026.
Pseudowissenschaftliche Quecksilbertherapien heute
In alternativmedizinischen und pseudowissenschaftlichen Kreisen werden gelegentlich quecksilberhaltige Praeparate oder sogenannte Entgiftungstherapien beworben, die angeblich Quecksilber aus dem Koerper entfernen sollen. Diese Praktiken sind wissenschaftlich nicht belegt, koennen gefaehrlich sein und werden von medizinischen Fachgesellschaften ausdruecklich abgelehnt. Bei tatsaechlicher Quecksilbervergiftung erfolgt die Behandlung durch anerkannte Chelattherapie unter aerztlicher Aufsicht.
Quellen
- World Health Organization (WHO): Mercury and health. Fact Sheet, 2017. Verfuegbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/mercury-and-health
- Rietschel R.L., Fowler J.F.: Fishers Contact Dermatitis. 6. Auflage. BC Decker, Hamilton 2008. (Historische Quecksilberanwendungen in der Dermatologie)
- Nriagu J.O.: Mercury pollution from the past mining of gold and silver in the Americas. Science of the Total Environment, 1994; 149(3): 167-181.
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