Waldeyer-Rachenring – Aufbau und Funktion
Der Waldeyer-Rachenring ist ein ringförmiger Verbund lymphatischer Gewebe im Rachen, der zur Immunabwehr des Körpers gehört und Krankheitserreger abwehrt.
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Der Waldeyer-Rachenring ist ein ringförmiger Verbund lymphatischer Gewebe im Rachen, der zur Immunabwehr des Körpers gehört und Krankheitserreger abwehrt.
Was ist der Waldeyer-Rachenring?
Der Waldeyer-Rachenring (auch: Waldeyerscher Rachenring) ist ein ringförmig angeordneter Verbund aus lymphatischem Gewebe im Bereich des Rachens und Nasenrachenraums. Er ist nach dem deutschen Anatomen Heinrich Wilhelm Gottfried von Waldeyer-Hartz benannt, der diesen Gewebeverbund im 19. Jahrhundert beschrieb. Der Waldeyer-Rachenring gilt als erste Verteidigungslinie des Immunsystems gegenüber inhalierten oder mit der Nahrung aufgenommenen Krankheitserregern.
Anatomischer Aufbau
Der Waldeyer-Rachenring setzt sich aus mehreren lymphatischen Strukturen zusammen, die gemeinsam einen nahezu vollständigen Ring um den Eingang zu Luft- und Speiseröhre bilden:
- Rachenmandel (Tonsilla pharyngea): Sie liegt im Nasenrachenraum (Nasopharynx) an der Rachenhinterwand. Eine Vergrößerung dieser Mandel wird als Adenoid oder umgangssprachlich als Polypen bezeichnet und betrifft vor allem Kinder.
- Zwei Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae): Sie befinden sich beidseitig zwischen den Gaumenbögen und sind die am häufigsten betroffenen Strukturen bei einer Mandelentzündung (Tonsillitis).
- Zungenmandel (Tonsilla lingualis): Sie liegt am Zungengrund und ist Teil des unteren Abschnitts des Rings.
- Zwei Tubenmandeln (Tonsillae tubariae): Sie befinden sich in der Nähe der Öffnungen der Eustachischen Röhren (Ohrtrompeten) und spielen eine Rolle bei der Immunabwehr im Bereich des Mittelohrs.
- Seitenstränge und weitere lymphatisches Gewebe der Rachenhinterwand ergänzen den Ring.
Funktion und Bedeutung
Der Waldeyer-Rachenring erfüllt wichtige immunologische Aufgaben. Als Teil des mukosaassoziierten lymphatischen Gewebes (MALT) nimmt er Antigene – also körperfremde Stoffe wie Bakterien, Viren und andere Erreger – auf, die über die Atemluft oder Nahrung in den Körper gelangen. Die im lymphatischen Gewebe enthaltenen B- und T-Lymphozyten (weiße Blutkörperchen) erkennen diese Antigene und leiten eine spezifische Immunantwort ein. Auf diese Weise trägt der Waldeyer-Rachenring zur Bildung von Antikörpern und zur Immungedächtnisbildung bei.
Die Funktion ist besonders im Kindesalter von großer Bedeutung, da das Immunsystem in dieser Phase aktiv trainiert wird. Im Erwachsenenalter nimmt die immunologische Aktivität des Waldeyer-Rachenrings allmählich ab, da das Immunsystem bereits ausgereift ist.
Häufige Erkrankungen
Die Strukturen des Waldeyer-Rachenrings können von verschiedenen Erkrankungen betroffen sein:
- Tonsillitis (Mandelentzündung): Eine häufige bakterielle oder virale Entzündung der Gaumenmandeln, die mit Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Fieber einhergeht.
- Adenoide Vegetationen (Polypen): Eine Vergrößerung der Rachenmandel, die bei Kindern zu Atembeschwerden, Schnarchen und häufigen Mittelohrentzündungen führen kann.
- Peritonsillarabszess: Eine eitrige Entzündung des Gewebes rund um die Gaumenmandel als Komplikation einer Tonsillitis.
- Chronische Tonsillitis: Wiederkehrende oder anhaltende Entzündungen der Mandeln, die unter Umständen eine operative Entfernung (Tonsillektomie) erfordern.
- Lymphome: Bösartige Erkrankungen des lymphatischen Gewebes können auch den Waldeyer-Rachenring betreffen, insbesondere das Non-Hodgkin-Lymphom.
Diagnose
Die Untersuchung des Waldeyer-Rachenrings erfolgt in der Regel durch eine Inspektion des Rachens (Rachenspiegelung, Pharyngoskopie) durch eine Hals-Nasen-Ohren-Ärztin oder einen HNO-Arzt. Zur Beurteilung der Rachenmandel und der Tuben werden Nasenendoskopie oder bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) eingesetzt. Bei Verdacht auf eine bösartige Erkrankung wird eine Biopsie mit anschließender histologischer Untersuchung durchgeführt.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung:
- Bakterielle Tonsillitis: Antibiotische Therapie, häufig mit Penicillin oder Amoxicillin.
- Virale Tonsillitis: Symptomatische Behandlung mit Schmerzmitteln und ausreichend Flüssigkeit.
- Adenoide Vegetationen: Bei ausgeprägten Beschwerden operative Entfernung (Adenotomie).
- Chronische oder rezidivierende Tonsillitis: Tonsillektomie (operative Entfernung der Gaumenmandeln) nach definierten Kriterien.
- Lymphome: Onkologische Behandlung mit Chemotherapie, Strahlentherapie oder kombinierten Verfahren je nach Typ und Stadium.
Quellen
- Boenninghaus, H.-G.; Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. 14. Auflage. Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2012.
- Waldeyer-Hartz, H. W. G. von: Ueber den lymphatischen Apparat des Pharynx. Deutsche medicinische Wochenschrift, 1884.
- Nave, H.; Gebert, A.; Pabst, R.: Morphology and immunology of the human palatine tonsil. Anatomia, Histologia, Embryologia, 2001. PubMed PMID: 11258884.
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